Curling Weltmeisterschaft der Frauen: Deutsches Team darf zu dritt starten

Deutsches Curlingteam darf trotz Corona-Fällen bei Weltmeisterschaft starten

Curlingsteine
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Obwohl es zwei Corona-Fälle in der Deutschen Nationalmannschaft gab, darf das Team dank einer neuen Regel doch bei der Weltmeisterschaft in Calgary starten. Allerdings wird es nur zu dritt auf dem Eis stehen.
  • vonChris Friedrich
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Calgary/Füssen - Nachdem zwei Curlerinnen der Deutschen Nationalmannschaft kurz vor der Weltmeisterschaft in Calgary positiv auf das Corona-Virus getestet wurde, steht jetzt fest: Das Deutsche Team darf bei der WM starten und zum Auftakt als Trio aufs Eis gehen. Das gab die Mannschaft jetzt auf Facebook bekannt. Das erste Spiel wird Team „Germany“, das sich zum Großteil aus Spielerinnen des CC Füssen zusammensetzt, gegen die Mannschaft aus Russland bestreiten.

Mit vier Curlerinnn aus dem Füssener Club trat Team „Germany“ die Reise zur Curling-Weltmeisterschaft der Frauen nach Kanada an, die am heutigen Freitag beginnt. In Calgary, wo zuvor die Mannschaften der Männer beim WM-Turnier unter strengen Maßnahmen zum Gesundheitsschutz auf den Curlingbahnen gespielt hatten, sind Skip Daniela Jentsch, Analena Jentsch, Emira Abbes, Mia Höhne und Klara Fomm – ihre Sportkollegin aus Geising – derzeit isoliert untergebracht.

Und dennoch wurden vergangene Woche zwei Athletinnen der Deutschen Mannschaft positiv auf das Corona-Virus getestet. Das Testergebnis der ersten Sportlerin fiel genau eine Woche vor WM-Start positiv aus, zwei Tage später zeigte auch der Test einer zweiten Sportlerin ein positives Ergebnis an. Aus Respekt vor den betroffenen Athletinnen, wollte sich der Deutsche Curling Verband (DCV) nicht weiter dazu äußern. Alle anderen Athletinnen und Betreuer der Deutschen Mannschaft seien bislang jedoch stets negativ getestet worden, heißt es von Seiten des DCV. Auch sämtliche Tests vor der Abreise nach Kanada seien immer negativ ausgefallen.

Deutsche Sportlerinnen infizierten sich wohl auf dem Inlandsflug nach Galgary

„Selbstverständlich sind wir aufgrund dieser Tatsache allesamt sehr konsterniert. Das Team hat alles unternommen, um das reale Risiko eine Infektion so gering wie nur irgend möglich zu halten“, sagte DCV-Chefbundestrainer Uli Kapp. „So wurden sämtliche sozialen Kontakte außerhalb des Teams gut zweit Wochen vor Abflug im Wege der Selbstisolation gekappt, die Trainings am BSP Füssen nur innerhalb dieser Gruppe abgehalten und auch sonst alle Abstand- und Hygieneregeln eingehalten – exakt das gleiche Programm, das wir zuvor bei den Männern erfolgreich durchlaufen haben, wenn nicht noch akribischer. Und trotzdem findet das Virus am Ende seinen Weg auf der allerletzten Etappe vor dem Erreichen der Bubble – das ist wirklich sehr, sehr bitter.“

Nach derzeitigem Kenntnisstand und im Austausch mit Gesundheitsbehörden vor Ort haben sich die Athletinnen wahrscheinlich auf dem Inlandsflug von Montreal nach Calgary infiziert. Nachdem auch andere Nationen mit an Bord waren, mussten sich zunächst alle acht neu angereisten Teams in eine bis Mittwoch verlängerte Hotelzimmer-Quarantäne begeben.

Alle anderen Teams, die sich aufgrund ihrer Teilnahme bei zwei Grand-Slam-Turnieren schon in der sogenannten Curling Bubble befunden haben, waren hiervon ausgenommen. Gleichwohl wurde ein für Mittwoch angesetztes Training für alle 14 Nationen abgesagt, bis weitere Testergebnisse vorlagen. Mit Ausnahme von Deutschland erhielten alle 13 Nationen das Startrecht für diese WM, bei der auch Tickets für die Olympischen Spiele 2022 vergeben werden.

Deutsches Team erhält grünes Licht für WM-Teilnahme

Doch kurz vor WM-Start konnten nun auch die deutschen Curlerinnen aufatmen: Sie bekamen grünes Licht für die WM-Teilnahme. Dank einer Ausnahmeregelungen, die die World Curling Federation (WCF) vor der Saison eingeführt hat, kann die Mannschaft im Auftaktspiel gegen Russland zu dritt starten. Die Sportlerinnen, die positiv auf das Corona-Virus getestet wurden, müssen in Quarantäne bleiben.

Sollten die beiden positiv getesteten Athletinnen allerdings weiterhin symptomfrei bleiben, könnte das fünfte Spiel am kommenden Montag, 3. Mai, gegen Italien wieder zu viert bestritten werden. Die Quarantäneregelung wäre dann für eine der beiden Athletinnen abgelaufen. An diesem Tag müssen die deutsche Frauen zudem eine besonders große Herausforderung bewältigen: „Germany“ trifft auf Gastgeber Kanada.

Roland Jentsch und Holger Höhne aus dem Füssener Club stehen mit ihren Töchtern im Trikot „Germany“ seit deren Ankunft am WM-Austragungsort auf elektronischem Weg regelmäßig in Kontakt. Ansonsten sind die Curlerinnen und ihre Physiotherapeutin isoliert. Höhne sagte auf Anfrage des Kreisbote: „Die Quarantäne ist mental sehr anstrengend, weil die Spielerinnen das Zimmer nicht verlassen und sich auch nicht gegenseitig sehen dürfen.“ Jentsch ergänzt: „Wenn unsre Curlerinnen ins WM-Hotel übergesiedelt sind, heißt es für sie an jedem Turniertag: Hotel, Halle, Hotel, Halle...“

Große mentale Herausforderung

Nach der Anreise hatte sich die deutschen Curlerinnen in ihrem ersten Hotel mit Workouts mit Unterstützung von World Jumping Füssen und darüber hinaus Yoga-Sessions, die ebenfalls auch aus der Heimat geleitet wurden, auf die Vorrunde vorbereitet. Zur weiteren Überbrückung bis zum Turnierstart hatten die fünf Spitzencurlerinnen Spinningräder zur Verfügung.

Zum möglichen Abschneiden der deutschen Curlerinnen halten Höhne und Jentsch die Tabellenplätze sechs bis zehn erreichbar.
Der erreichte sechste Platz bedeutet: das Team ist Olympia-Teilnehmer „Unser Team hat hart gearbeitet und geht gut vorbereitet ins Turnier“, betont Jentsch. Doch handle es sich um eine außergewöhnliche Situation, die es jedem Team schwermachen werde, erfolgreich zu sein. Dass die Mannschaften aus ihrer „Bubble“ direkt aufs Eis gehen und sich nach dem Spiel sofort wieder dorthin zurückziehen müssen, ist für alle Neuland. Was die Olympia-Qualifikation betrifft, betont Jentsch: „Nach der WM gibt es eine zweite Chance.“

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