Halblecherin Yvonne Dathe scheidet vorzeitig bei dem Flug- und Wanderwettkampf X-Alps aus

Nach vier Tagen ist alles vorbei

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Yvonne Dathe auf ihrem Weg auf den Zinnenberg.

Salzburg/Halblech – Pech hatte Yvonne Dathe jetzt bei dem Wander- und Flugwettbewerb Red Bull X-Alps: Nach nur vier Tagen war für die Halblecherin der wohl härteste Gleitschirm-Wettkampf der Welt vorbei.

Nach einem verpatzten Start, fiel die Vorentscheidung bereits am ersten Tag am Hochkönig, als sie eine Thermik nicht erwischt hatte, die sie wohl 40 bis 50 Kilometer weiter getragen hätte. Danach musste sie auch noch eine Zeitstrafe verkraften, so dass sie auf dem letzten Platz landete. Bei rund 37 Grad Celsius begann für die 33 Sportler das Rennen in Salzburg. 

Zunächst ging es über den Mozartplatz durch die Altstadt. „Im Briefing wurde uns gesagt, es würde ein Radfahrer vorne weg fahren und es gäbe Auszeichnungen die den vorgeschriebenen Weg markierten. Wir bräuchten uns keine Sorgen machen, wir könnten uns nicht verlaufen. Darauf hatten wir uns verlassen“, sagt die Allgäuerin. Doch es kam alles anders als gedacht: Nachdem sie den Anschluss an die Gruppe verloren hatte, vertraute sie auf das gestellte Navigationsgerät. Doch das führte das Team Deutschland zwei im Zick-Zack-Kurs durch Salzburg. 

Schließlich entschieden sie sich den ihnen bekannten Weg auf den Gaisberg einzuschlagen. Am Gipfel startete sie mit einer kurzen Verspätung. „Es ging gleich vor dem Gaisberg gut nach oben. Die Führungsgruppe war bereits einen Berg weiter. Auf 1.900 Meter nahm ich gemeinsam mit zwei anderen die Verfolgung auf. Die Thermik war so gut, dass das größte Problem war, nicht den darüber liegenden Luftraum zu verletzten“, so die Gleitschirmpilotin. 

An der Bischofsmütze stieg sie schließlich auf über 3000 Meter und überflog den ersten Wendepunkt Dachstein. Danach ging es weiter nach Westen über die Ramsau nach Bischofshofen. Schließlich holte sie sechs Piloten ein. Am Grat vor dem Hochkönig war es dann nicht mehr so leicht Thermik zu finden. „Bei einigen vorauseilenden Gleitschirmpiloten sah ich, dass sie tief kamen und suchen mussten. Das wollte ich gerne vermeiden.“ 

Doch da sie die Thermikblase ebenfalls nicht fand, musste sie landen. Schnell packte sie ihre Ausrüstung zusammen und startete vom nächsten Grat. Doch nach etwa 200 Metern war der Aufwind weg und sie musste landen. 

Dathe erhält Zeitstrafe 

So gut das Wetter am ersten Tag war, so schlecht war es am zweiten. Wegen zu starker Winde ging es zu Fuß Richtung Saalfelden, mitten in ein kräftiges Gewitter hinein. Dabei überholte sie Samuel Vurpillot aus der Schweiz.

 Nachdem der Weg entlang des Jakobsweges an Naturdenkmälern vorbeigeführt hatte, stiegen Dathe und ihr Supporter Thomas Ide auf das Fellhorn. „Als wir um kurz nach drei den Gipfel erreichten, blies der sehr kräftig Wind aus Nord. Wir inspizierten den gesamten Gipfel, fanden aber in der Tat keinen geeigneten Platz, um starten zu können“, erzählt Dathe. 

Hier erreichte sie die Nachricht, die alles änderte: Da sie nicht den vorgeschriebenen Weg vom Mozartplatz zum Gaisberg eingehalten hatte, bekam sie eine sechsstündige Zeitstrafe aufgebrummt. 

„In diesem Moment war für uns klar: das wars. Wir wussten Samuel war in unserer Nähe und Nick (Neynens aus Neuseeland – Anmerk. d. Red.) kurz hinter uns. Mit einer sechsstündigen Penalty, würden die beiden auf und davon sein und wir Letzter“, so Dathe. 

Vorletzten Platz erobert 

Doch aufgeben wollte sie nicht. Nach einer längeren Wartezeit, flog sie nach Kössen. Danach machten sie sich auf Richtung Kampenwand. Dort erreichte sie die nächste Nachricht vom Organisationsteam: Ihre Zeitstrafe wurde von sechs auf zwei Stunden verkürzt. Doch für Dathe änderte sich nichts. Denn der Zeitpunkt für den Aufstieg war zu ungünstig, um aufzuholen. 

Trotzdem machte sich die Halblecherin am nächsten Tag an den Aufstieg der Kampenwand. „Auf halber Höhe überholte uns Nick, der bis dahin Letzter im Feld war. Als wir auf der Kampenwand ankamen blies ein kräftiger Südwind. Ein Flug ins Tal wäre am Nordstartplatz nicht möglich gewesen“, sagte Dathe. Nachdem der Wind mehrmals gewechselt hatte, flog die Halblecherin schließlich raus, landete in Innerwald, stieg auf den Spitzstein, startete und landete in Flintsbach und nahm den Wendelstein in Angriff. 

Dadurch konnte sie Neynens überholen. „Allerdings wussten wir ja schon, dass er deutlich schneller läuft als ich“, so Dathe. Schnell packte sie ihre Ausrüstung zusammen und machte sich auf den Weg nach Neuhaus. Doch kurz davor überholte sie Neynens und Dathe lag wieder auf dem letzten Platz. 

„Über 30 Kilometer laufen auf fast 3.000 Höhenmeter und die drei Flüge haben mich doch ganz schön geschlaucht. Vor allem da es rund 40 Grad heiß war und ich am Vortag ebenfalls schon über 60 Kilometer und 1.300 Höhenmeter gelaufen war.“ 

"Ein genialer Flug" 

Am nächsten Tag erfuhr Dathe aber, dass Vurpillot nur zwei Kilometer vor ihr war. Bis sechs Uhr wollte sie ihn einholen, bevor der Letzte aus dem Feld genommen wird. „Ich wusste wir waren auf der direkten Route und ich kannte den Weg. Schnell lief ich durch den Wald in Richtung Rottach-Egern. Um kurz nach sechs erhielt ich den Anruf vom Meetdirector, dass ich raus sei.“ 

Vurpillot befand sich in Wirklichkeit weiter von Dathe entfernt als gedacht. Das Livetracking hatte seine Position nicht genau angezeigt. „Ich bin natürlich traurig so früh aus dem Rennen genommen worden zu sein, aber die kurze Zeit, die wir dabei sein durften, war spannend und erlebnisreich“, zieht die Gleitschirmpilotin ihr Fazit. „Ich hatte einen genialen Flug vom Gaisberg über den Dachstein. Eine interessante Wanderung durch Regen und Gewitter. Wanderungen auf tolle Berge mit beeindruckenden Landschaften und viele nette Begegnungen mit hilfsbereiten und motivierenden Menschen.“ 

Ihr Ziel sei es gewesen, gesund zu bleiben und die Strecke zu genießen. „Diese beiden Ziele haben wir erreicht. Wir haben unser bestes gegeben und auch im Nachhinein fällt uns nicht wirklich etwas auf, was wir hätten besser machen können“, sagt Dathe. „Das Schwierigste war, genug zu trinken. Wir hatten teilweise an die 40 Grad und Sonnenschein.“ Ob sie aber bei den nächsten X-Alps dabei sein wird, das weiß sie noch nicht. „Aus sportlicher Sicht würde es mich schon reizen. Allerdings ist der Aufwand im Vorfeld extrem.“

Katharina Knoll

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