Mitglieder stimmen für Spielbetriebs-GmbH

EVF gliedert erstes Team aus

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Will keine Insolvenz – der geschäftsführende Vorstand des EVF, Jürg Tiedge.

Füssen – Wie geht es mit dem EV Füssen weiter? Diese Frage beschäftigte viele Eishockeyfans in den vergangenen Wochen. So kamen auch fast 200 Interessierte zu der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Freitag.

Hier beschlossen die Mitglieder die erste Mannschaft in eine steuerpflichtige Spielbetriebs-GmbH auszugliedern, um eine Lizenz für die Oberliga zu bekommen. Außerdem will der Verein seine Schulden abbauen, die im Lauf der Jahre auf fast 500.000 Euro angewachsen sind. Dazu soll es ein richtungsweisendes Gespräch zwischen einer Interessengruppe und der Vorstandschaft geben, bei dem Füssens Bürgermeister Paul Iacob (SPD) vermitteln will. Großer Andrang herrschte bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des EV Füssen am Freitag. 

Rund 200 Anwesende drängten sich im Schulungsraum der Arena des Bundesleistungszentrums (BLZ), darunter 115 Mitglieder des Vereins. Mit der geplanten Auslagerung der ersten Mannschaft in eine Spielbetriebs-GmbH sowie der Erklärung der Vorstandschaft zur finanziellen Situation, immerhin war zuletzt die Rede von einem Schuldenstand von rund 400.000 Euro, standen aber auch brisante Themen auf der Tagesordnung. 

Der geschäftsführende Vorstand Jürg Tiedge, der sich nach 23 Jahren im Amt nicht mehr zur nächsten Wahl stellen wird, erklärte zunächst, wie sich die Situation des EVF seit seinem Amtsantritt entwickelt hat. 

Zunächst von der Entschuldung bis 1996, danach aber den großen Problemen, als Bosman- und Kienass-Urteil dem Verein große Einnahmen entzogen und das Wirtschaften immer schwerer machten. 

Insolvenz nicht nötig 

Schnell musste er jedoch zur aktuellen Situation kommen, und einen momentanen Schuldenstand von fast 500.000 Euro einräumen. Er machte jedoch auch klar, dass eine Insolvenz in seinen Augen nicht nötig sei. Die hohen Schulden sorgte im Anschluss für entsprechende Unruhe und Schuldzuweisungen bei den Versam-melten. Füssens Bürgermeister Paul Iacob schaltete sich ein, nachdem die Rolle der Penalty Sportmarketing GmbH, deren Vorstand Jürg Tiedge ist, in den Blickpunkt geriet.

„Diese GmbH vermarktet im Auftrag der Stadt Füssen die Werbeflächen im Eisstadion. Der Gewinn geht an den EV Füssen. Die Stadt hat Einblick in die Zahlen, aber wir wissen nicht, welche Kosten bei der GmbH anfallen”, erklärte der Rathauschef. Er hob nochmals die großen Verdienste von Jürg Tiedge um den Verein hervor, forderte aber ebenso wie die Vertreter einer Interessengruppe, denen viel an der Zukunft des Altmeisters liegt, die Offenlegung der Zahlen. Der geschäftsführende Vorstand gab daraufhin die Zahlungen der GmbH bekannt. 

Außerdem stellt er klar, dass der Schuldenstand bis auf wenige Ausnahmen durch jährliche Dauerverluste des Vereins entstanden sei. Dies sorgte für eine neue Kontroverse. Denn während Tiedge erklärte, bei allen Mitgliederversammlungen auf den hohen Gesamtschuldenstand hingewiesen zu haben, war der Tenor bei den Anwesenden eher, dass man der Meinung gewesen sei, das aufgezeigte jeweilige Saisonminus werde in der kommenden Spielzeit bei der Etatplanung berücksichtigt und wieder ausgeglichen. 

Einig war man sich jedoch in der Frage der Ausgliederung der ersten Mannschaft in eine steuerpflichtige Spielbetriebs-GmbH, wie es zuletzt auch in Kaufbeuren oder Regensburg praktiziert wurde. „Die Ausgliederung der ersten Mannschaft wurde uns sowohl von unserem Steuerberater als auch vom Finanzamt empfohlen, und ist für die Fortführung des Vereins von existenzieller Bedeutung. Ohne Ausgliederung wird es keine Oberligalizenz für den EVF geben“, zeigte Tiedge die Wichtigkeit auf. 

Finanzprüfer hinzuziehen 

Mit einem klaren Votum von 110 zu fünf stimmten die Vereinsmitglieder daraufhin der Änderung zu. Eine Lösung für die Bewältigung der Schuldenlast wurde auch in Angriff genommen, Anfang der Woche sollte es zu einem richtungsweisenden Gespräch zwischen der Interessengruppe sowie der aktuellen Vorstandschaft kommen, bei der Bürgermeister Iacob vermitteln will. 

Klar war dabei, dass man auf jeden Fall einen unabhängigen Finanzprüfer hinzunehmen muss, um die Lage genau zu durchleuchten. Am Ende überwog die Hoffnung, den EV Füssen in eine sichere Zukunft führen zu können. Bürgermeister Iacob stellte vor allem die Wichtigkeit des Oberligaerhalts für die hochklassige Nachwuchsarbeit heraus.

Jürgen Jentsch, Mitglied der Interessengruppe, die sich aus mehreren Unternehmern zusammensetzt, war ebenfalls zufrieden: „Insgesamt sehen wir das Ergebnis positiv. Wir setzen uns nun an einen Tisch, um alle Kräfte zu bündeln. Die finanzielle Schieflage muss aber professionell angegangen werden, wir brauchen einen klaren Schuldenschnitt.“ Und die Spieler? Kapitän Eric Nadeau blieb noch relativ gelassen: „Die Situation ist natürlich nicht einfach, gerade für die jungen Spieler. Wir älteren stehen am Ende der Karriere, das ist nicht so schlimm. Aber die Jungen wollen natürlich immer weiter kommen. Wir stehen aber alle in Kontakt und haben bisher gewartet. Ich denke, dass gleich nach der Gründung der GmbH die ersten Verpflichtungen gemacht werden.“ 

Nach dem Gespräch zwischen Vorstandschaft und Interessensvertretern soll am Freitag, 24. Juli, dann die ordentliche Mitgliederversammlung des EVF stattfinden.

Michael Lang

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