Radrennfahrer Stefan Kirchmair spricht über sein vorzeitiges Saisonaus und seine Erfolge

"Ein harmloser Sturz mit großen Folgen"

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Stefan Kirchmair

Innsbruck/Allgäu – Die Saison vorzeitig beenden muss Radrennfahrer Stefan Kirchmair. Der zweimalige Sieger des Ötztaler Radmarathons stürzte bei einer Trainingsfahrt und brach sich den Oberschenkelhals. Deshalb verpasste er auch den Ötztaler Radmarathon, bei dem er als einer der Topfavoriten galt.

Im Interview verrät der 26-Jährige, wie es zu dem Sturz kam, wann er wieder auf dem Rad sitzen kann und wen er nun als möglichen Siegkandidaten beim Ötztaler Radmarathon sieht. 

Herr Kirchmair, kurz vor dem Saisonhöhepunkt, dem Ötztaler Radmarathon, setzt Sie eine Verletzung außer Gefecht. Wie bitter ist das nun für Sie? 

Kirchmair: „Im ersten Moment hofft man natürlich, dass alles nicht so dramatisch ist, doch der Moment, in dem klar wird: ,das war´s – der Traum ist ausgeträumt´, der ist sehr bitter. Es ist nicht der erste Rückschlag dieser Art für mich – schon oft war ich verletzt und habe mich zurückgekämpft – von daher habe ich gelernt damit umzugehen. Auf der anderen Seite gehören Stürze leider zu diesem Sport – genauso wie Erfolge. Manchmal weiß man nicht, wofür solche Ereignisse gut sind, aber sie zu verkraften bringt einen weiter als daran zu verzweifeln.” 

Dabei waren Sie in blendender Form. 

Kirchmair: „Klar ist es bitter, die Form war zuletzt einfach perfekt und es hat nur noch der Ötztaler gefehlt, das ist natürlich eine bittere Pille. Seit dem Sommer geht alles in die richtige Richtung, es gab schon große Erfolge mit dem Sieg bei der Transalp, dem Tannheimer Radmarathon, dem Staatsmeistertitel und zuletzt der Haute Route Gesamtsieg – alles war perfekt angerichtet für den Ötztaler – dem Marathon des Jahres! Nun sitze ich hier und werde ihn wohl erstmals als Zuschauer mitverfolgen.” 

Bei dem Sturz erlitten Sie eine Fraktur des Oberschenkelhalses. 

Kirchmair: „Ja, das stimmt, eine besonders heikle Verletzung mit relativ großem Risiko für nachhaltige Schädigung bei schlechtem Heilungsverlauf. In Absprache mit meinem Vertrauensarzt, Dr. Oberladstätter, haben wir uns gegen Riskio und für eine Operation entschieden. Zwei Titan-Schrauben halten nun alles zusammen und ermöglichen eine schnellere Heilung. Die Saison ist zwar gelaufen, aber es wird keine Nachwirkungen geben.” 

Wie kam es zu dem Sturz? 

Kirchmair: „Es war eine lockere Trainingsrunde mit Gästen der Radwochen im Hotel Kaufmann in Roßhaupten. Meine erste Fahrt nach der Rückkehr von der Haute Route. Das Gefühl am Rad war perfekt, das Wetter auch und dann eine unübersichtliche Kurve, etwas Schmutz und ein Motorradfahrer, den ich zu spät sah – schon war es passiert. Das Vorderrad rutschte weg und ich schlitterte über den Asphalt – ein eigentlich harmloser Sturz mit großen Folgen.” 

Ab wann sehen wir Sie wieder auf dem Rad? 

Kirchmair: „Momentan bin ich im Sanatorium Kettenbrücke in Innsbruck in besten Händen, doch berufliche Termine wie die Eurobike und den Ötztaler Radmarathon werde ich trotzdem wahrnehmen müssen. Danach werde ich mich von meinem Physio-Team in Innsbruck behandeln lassen und dort auch in die Vorbereitungen für die neue Saison starten. Auf das Rad wird mich Dr. Oberladstätter wohl bald wieder bringen, da ist er sehr verständnisvoll. Ich denke, dass ich im Herbst noch schöne Touren mit meinen Teamfahrern drehen kann.” 

Nun fehlen Sie ja als einer der großen Favoriten auf den Sieg beim Ötztaler Radmarathon: Wie lautet Ihr Tipp, wer könnte nun ganz vorne landen? 

Kirchmair: „Mit oder ohne mich sind und bleiben die Italiener die Favoriten – einer davon wird sich wohl die Lorbeeren im Ziel abholen. Mein Favorit ist Enrico Zen, der heuer der stärkste Fahrer des übermächtigen Beraldo-Teams ist. Seinen Teamkollegen und Vorjahressieger Roberto Cunico muss man aber sicher genauso auf der Rechnung haben, wie verschiedene weitere Italiener. Deutsche oder österreichische Fahrer habe ich nicht ganz oben auf der Favoritenliste, aber für Überraschungen wäre ich natürlich froh!” 

Ihr Team wird am Sonntag ohne Sie am Start sein. Was erwarten Sie von Ihren Fahrern? 

Kirchmair: „Meine Fahrer sind gut vorbereitet und das ist nun auch meine besondere Aufgabe, ihnen ein perfektes Rennen zu ermöglichen. In zahlreichen Trainingslagern und Rennen sowie mit der gezielten Trainingsplanung haben sie alle eine mehr als solide Basis für den Ötztaler und unser Betreuerteam wird natürlich auch in Bestbesetzung anrücken, um ein perfektes Rennen zu ermöglichen. Ich wünsche meinen Fahrern einen tollen Marathon und bin sicher, dass sie ihre persönlichen Ziele bei weitem übertreffen werden!” 

Seit rund zwei Jahren betreiben Sie nun Kirchmair Cycling. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung des Teams? 

Kirchmair: „Ich bin sehr zufrieden. Das Team ist heuer richtig gut zusammengewachsen und wir konnten wieder unheimlich schöne gemeinsame Aktivitäten unternehmen, die auch mir die Motivation für solche Situationen wie diese geben. Gemeinsam geht alles leichter und darin sehe ich den größten Nutzen für alle Teamfahrer und Friends bei Kirchmair Cycling. Leistung steht nicht im Vordergrund, es geht vielmehr um das gemeinsame Erlebnis und den Spaß am Radsport. Jeder kann mitmachen und sich anschließen!” 

Wie wird sich Kirchmair Cycling im kommenden Jahr aufstellen und was sind die Ziele?

 Kirchmair: „Diese Überlegungen begleiten mich und den engsten Kreis im Team jetzt schon länger und wir wollen das Team schon noch weiter verbessern, um noch mehr Leute, besonders die Genussfahrer, anzusprechen. Es liegen viele Ideen auf dem Tisch, die wir nun versuchen mit starken Partnern umzusetzen. Das wird die Aufgabe sein, die mich über den Winter beschäftigt und ich bin sicher, dass mir das mit bestehenden und neuen Unterstützern gelingt.”

kb

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