Laura Dahlmeier landet auf Platz drei

Achter Salomon Zugspitz Ultratrail

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Laura Dahlmeier glücklich im Ziel.

Landkreis – Laura Dahlmeier zeigte am vergangenen Samstag, dass sie nicht nur im Wintersport top ist. Bei der achten Auflage des Zugspitz Ultratrails belegte die Weltklassebiathletin beim Supertrail über 62,8 Kilometern und 2923 Höhenmeter in 7:55:21 Minuten Rang drei.

Lange Zeit lag Dahlmeier bei dem Rennen, das in Leutasch gestartet wurde, sogar auf Rang zwei. Im letzten Downhill wurde sie aber noch von Kathrin Angerer (La Sportiva Mountain Running) um 57 Sekunden abgefangen. „Da hab‘ ich doch etwas Respekt gehabt, sie zu überholen“, meinte Angerer schmunzelnd. Für Dahlmeier kein Problem: „Hut ab vor der Leistung.“ Die erfolgreichste deutsche Biathletin hatte sich ganz kurzfristig für einen Start entschieden, umso bemerkenswerter ihre Leistung. „Der Trail hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, das ist nicht zu vergleichen mit einem Biathlon-Rennen. Nach sieben Stunden Wettkampf bin jetzt aber auch etwas platt.“ Der Sieg ging hier an Daniela Oemus, die nur 7:19:11 Stunden benötigte. Damit lief sie die zweitbeste Supertrail-Zeit insgesamt. Schneller war nur ihr Lebensgefährte Tobias Henkel. Der Königseer gewann mit großem Abstand vor Michael Hilger (Gummersbach, 7:54:47 Stunden) und Bastian Schalk (Team Migö, 7:54:51 Stunden).

Über die längste Distanz gab es einen spanischen Doppelsieg. Tofol Castañer und Cristofer Clemente (beide Team Salomon International) bestimmten vom ersten Meter an gemeinsam das Geschehen auf der Strecke über

101,9 Kilometer und 5480 Höhenmeter. Castañer siegte schließlich nach 10:59:03 Stunden vor seinem Landsmann Clemente (10:59:51 Stunden). Die Entscheidung um Platz eins und zwei fiel erst im letzten Downhill wenige Kilometer vor dem Zieleinlauf in Grainau. Rang drei ging an den Österreicher Thomas Farbmacher (11:16:03 Stunden), Sieger von 2016 und 2017. Das erhoffte historische Triple verpasste der Titelverteidiger somit.

Dafür gab‘s aber einen neuen Teilnehmerrekord mit 2500 Athleten und Athletinnen aus 50 Nationen, die sich auf fünf verschieden lange Strecken in den Orten Grainau, Mittenwald, Garmisch-Partenkirchen, Ehrwald und Leutasch auf den Weg gemacht hatten. Die meisten davon stimmten sich bereits am Vorabend auf Deutschlands größtes Trailrun-Event ein. „Hier trifft sich die Community, die den Sport groß macht“, brachte es Daniel Sprung, Geschäftsführer Amer Sports Deutschland, auf den Punkt: „Die Entwicklung von einem familiären Lauf zu einem Big Event ist eindrucksvoll. Wir sind stolz darauf, vom ersten Tag an dabei zu sein.“ Die großartige Entwicklung des „ZUT“ wurde vor allem beim Kreuzeck-Anstieg deutlich. Mehrere hundert Fans standen dort in Dreier-Reihen, feuerten die Athleten begeistert an und sorgten für eine sensationelle Stimmung am Berg.

Die äußeren Bedingungen hätten besser nicht sein können. Sonne pur und Temperaturen um die 25 Grad auf den traumhaften Trails rund um das Zugspitzmassiv und Wettersteingebirge, dazu strahlend blauer Himmel und nur eine einzige Schneefeldpassage beim Abstieg zum Steinernen Hüttl sorgten für eine ideale Kulisse. Andererseits kämpften alle Teilnehmer mit der aufkommenden Hitze. „Die Bedingungen waren echt hart, fast ein bisschen zu heiß, obwohl ich Wärme mag“, so Thomas Farb­macher, der mit seinem dritten Platz zufrieden sein durfte. Immerhin war der Tiroler sechs Minuten schneller unterwegs als bei seinem Vorjahressieg.

„Ich bin nervös, nervös, nervös“, gab der 31-jährige Titelverteidiger vor dem Lauf zu. Durchaus verständlich, stand doch mit dem greifbaren Triple viel auf dem Spiel. Lange sollte die Hoffnung des Tirolers indes nicht halten. Bereits bei der vierten Verpflegungsstelle, bei Kilometer 42 an der 1.417 m hoch gelegenen Hämmermoosalm, lag der Mann mit der Startnummer 1 schon acht Minuten hinter dem Führungsduo Clemente und Castañer zurück. Während Farbmacher versuchte, den Rückstand in Grenzen zu halten, lief das Führungsduo ein dominantes Rennen. „Das war ein unglaublicher Wettkampf“, gestand der sichtlich erschöpfte, 46 Jahre alte Spanier Castañer.

Die besten Herren: Sieger Tofol Castañer (rechts) und der Zweite Cristofer Clemente.


Ähnlich verlief der Rennverlauf bei den Frauen. Zwar konnte Kristin Berglund zunächst in Führung gehen, doch bereits an der V2 zog die Französin Caroline Chaverot an Berglund vorbei. Und so sollte es bleiben. Am Ende hatte die Weltmeisterin und UTMB-Siegerin Chaverot nach 12:59:33 Stunden das Ziel erreicht und einen weiteren großen Sieg in ihrer Erfolgslaufbahn gefeiert. „Ich habe diesen Lauf genossen, eine einmalige Atmosphäre, eine tolle Organisation“, so Chaverot. Die in Österreich lebende Schwedin Kristin Berg­lund erreichte 12:05 Minuten später das Ziel (13:11:38 Stunden), war aber absolut nicht unzufrieden mit Rang zwei in der Gesamtwertung: „Mehr war nicht möglich.“ Rang drei der Gesamtwertung ging an die Polin Magdalena Laczak (13:25:35 Stunden).

Die Ersten, die das Ziel in Grainau erreichten, waren die Athleten und Athletinnen der Kategorie Basetrail mit einer Distanz von 24,90 Kilometern und 1595 HM mit dem Startort Garmisch-Partenkirchen. Hier ging der Sieg in 2:26:23 Stunden an Christoph Hillebrand (Feuerbach) vor Robert Sußbauer (Salomon Running) und Daniel Jochum (Salomon Deutschland). Beide erreichten zeitgleich in 2:32:39 Stunden das Ziel. „Am Anfang haben mir die beiden Tschechen das Leben noch schwer gemacht, aber hinten raus habe ich dann laufen lassen“, kommentierte der gelernte Straßenläufer Hillebrand seinen klaren Sieg. Bei den Frauen ließ die Britin Aoife Qoigli in 3:00:15 Stunden nichts anbrennen. Umso erstaunlicher, stand die 26-Jährige doch noch im Vorjahr an der Strecke und unterstützte ihren Freund. „Das ist mein erster großer Sieg“, jubelte Qoigli, die in Mannheim lebt: „Ich wollte immer einen Ultra laufen, war aber oft verletzt. Und der Basetrail ist kurz und knackig. Die Uphills kommen mir entgegen, im Downhill bin ich eher schwach.“ Hinter Qoigli kamen Pia Winkelblech (Landau Running Company, 3:13:19 Stunden) und Laura Manghofer (SC Gute Freunde, 3:13:17 Stunden) ins Ziel.

So richtig spannend wurde es beim in Mittenwald gestarteten Basetrail XL mit einer Länge von 39,40 Kilometer und 1985 HM. In dem hochkarätig besetzten Männer-Feld kam es zu einem Dreikampf zwischen dem Franzosen Gregory Vollet, der kurzfristig seinen Start von der Ultra-Distanz auf den Basetrail XL umdisponiert hatte, und den Gebrüdern Marcus und Matthias Baur (beide Team Salomon Deutschland). Der international erfolgreiche Vollet musste sein gesamtes Können aufbieten, um die Baur-Brüder auf Distanz zu halten. Das gelang ihm allerdings erst beim Anstieg zur Bergstation Alpspitzbahn, als er sich einen Vorsprung von 2:41 Minuten erarbeiten konnte. Auf dem langen Downhill mit einem Höhenunterschied von fast 1.300 Hm vom zweithöchsten Punkt hinunter nach Grainau, schmolz der Vorsprung dann auf 1:11 Minuten. „Die beiden haben echt gepuscht, erst im letzten Uphill habe ich eine Chance gehabt, mich abzusetzen“, lobte der Global Sport Marketing Manager Salomon die Leistung seiner beiden Konkurrenten. Besonders Marcus Baur erwies sich als echter Gegenpart zu Vollet. „Bis Kilometer 20 konnte ich richtig Druck machen, dann konnte ich nicht mehr richtig mithalten“, zollte Baur dem Franzosen großen Respekt. Matthias Baur erlebte einen ganz schweren Tag: „Ich wollte bei Kilometer 1 fast schon aussteigen, das war echt harte Arbeit“, kommentierte der jüngere der beiden Baur-Brüder: „Ich war stehend k.o.“ Greg Vollet benötigte für die 39,40 Kilometer 3:47:36 Stunden, Marcus Baur 3:48:47 Stunden und Matthias Baur 3:49:05 Stunden.

Bei den Frauen unterstrich die junge Dudenstädterin Ida-Sophie Hegemann (Salomon Trailrunning Team Deutschland) ihr großes Talent und siegte souverän in 4:27:01 Stunden vor Julia Witt (Michael Arend Training), 4:38:48 Stunden und Carina Volkmuth (Biketeam Calor, 5:00:04 Stunden).

Eine klare Angelegenheit wurde der 81,10 Kilometer lange (4196 HM) Supertrail XL mit Start in Ehrwald. Andre Purschke, im Vorjahr Sechster im Ultratrail und davor Sechster im Basetrail, triumphierte nach 9:50:29 Stunden vor dem Australier Majell Backhausen (10:16:13 Stunden) und dem Deutschen Ludwig Gay (10:23:49 Stunden). „Ich wollte unbedingt als Erster durchs Ziel, hab mich zwischendurch sogar noch verlaufen“, jubelte Purschke nach seinem bislang größten Erfolg im Trailrunning.

Ebenso klar fiel der Sieg bei den Frauen aus. Katharina Hartmuth ging an der V5 in Führung und erreichte nach 11:45:41 Stunden. Hinter Hartmuth entwickelte sich ein Zweikampf zwischen Eva Färberböck und Dioni Gorla, den schließlich Färberböck als Zweite in 12:22:45 Stunde vor Gorla (12:38:44 Stunden) für sich entschied.

von Titus Fischer

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