In dieser Woche entscheidet es sich, ob der Verein die Lizenz für die Oberliga erhält

Aus für den SCR in der DEL2

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Wird es solche Bilder lange nicht mehr geben?

GAP – Lange Zeit war unklar, wie es beim SC Riessersee weitergeht. Unerträglich lange gab es keine Entscheidung. Nichts hörten die Fans von den Verantwortlichen. Nun steht fest: Eine DEL2 wird es in der kommenden Saison in Garmisch-Partenkirchen definitiv nicht mehr geben.

Der Vizemeister, der noch vor drei Monaten Eishockeydeutschland mit seinen tollen Spielen begeistert hatte, ist raus aus der Liga – und das nach einer unglaublich erfolgreichen Saison, der besten seit Jahrzehnten, deren Höhepunkte die Finalspiele gegen den SC Bietigheim-Bissingen waren.

Die Liga hat dem SC Riessersee keine Lizenz gegeben. Die Entscheidung bedauert auch Ligenleiter René Rudorisch: „Das ist tragisch für den Standort und für uns als Liga definitiv auch nicht schön. Wir verlieren einen Traditionsstandort mit besonderem Flair.“ Damit spielt er auf die tolle Region unter der Zugspitze an, in der jeder gerne Urlaub macht. „Dass so ein Standort nicht mehr DEL2 spielen wird, ist schon auch traurig.“

Rudorisch stellt aber auch klar: „Und egal ob man es traurig findet oder nicht, muss man am Ende nüchtern nach Vorschrift gehen. Es geht für uns eben auch vordergründig um die Stabilität einer gesamten Liga. Dass der SCR damit keine Chance hatte, die Lizenz in der DEL2 zu behalten, ist das notwendige, wenn auch tragische Ergebnis.“ Zu den Gründen, dass der SC Riessersee keine Lizenz erhielt sagt Rudorisch: „Die Probleme haben sich als so vielfältig herausgestellt, dass – obwohl viel daran gearbeitet wurde und auch externe Unterstützer dem Standort gerne geholfen hätten – am Ende nicht rechtzeitig die notwendigen Maßnahmen vorgenommen werden konnten. Das hatte schon auch eine zeitliche Komponente, aber vor allem ging es um die Dimension.“

Am späten Donnerstagabend kam die Meldung über das Aus des SC Riessersee. Bis zuletzt wurde mit dem erwähnten Schuldenschnitt, bei dem alle Gläubiger auf 50 Prozent ihrer Gelder hätten verzichten müssen, um den Ligaverbleib gekämpft. Die GmbH des SCR hätte im Falle eines Verbleibs auf eine Gruppe neuer Gesellschafter übertragen werden sollen. Diese hatte im Hintergrund zig Gespräche geführt, war auch bei der Ligaanhörung vor eine Woche gewesen und hätte auch Geld in die Hand genommen, um den Fortbestand zu ermöglichen.

Ist der SC Riessersee am Ende?


Das Finanzamt, bei dem der Verein mit rund 200.000 Euro in der Kreide steht – aus nur einer Saison – stimmte dem Schuldenschnitt nicht zu. Um ihn durchzusetzen, hätten alle Gläubiger zustimmen müssen. Nach Informationen des KREISBOTEN hatte das Garmisch-Partenkirchner Finanzamt aber keine Entscheidungsbefugnis. Es gab eine positive Erklärung an die übergeordnete Behörde ab, doch aus München kam das „Nein“ zum Schuldenschnitt.

Die neuen potenziellen Gesellschafter, die den bisherigen Club-Chef Udo Weisenburger ablösen wollten, sind extrem verärgert: Ein Sprecher, der nicht öffentlich genannt werden will, betonte, dass die Gruppe von Weisenburger in den vergangenen Wochen seit Mitte Mai „immer wieder belogen wurde.“ Und weiter: „Er hat sich immer nur alles schön geredet, ihm ist gar nicht klar, in welcher Situation er sich befindet.“ Für die Gruppe ist klar: Sie sind endgültig raus. Fest steht: Es kann keine Kooperation mehr mit dem amtierenden Deutschen Meister EHC Red Bull München in der Oberliga geben, der in der vergangenen Saison viele Förderlizenz-Spieler nach Garmisch-Partenkirchen geschickt hatte und auch den Trainer Toni Söderholm.

Außerdem ist der Schuldenschnitt Geschichte. Nach Informationen des KREIBSOTEN fehlten insgesamt Rund 800.000 Euro. Weisenburger, der in den vergangenen Jahren über eine Million in den Verein investiert hatte, meldete sich kurz beim Garmisch-Partenkirchner Tagblatt mit den Worten: „Ich muss überlegen – auch mit meinem Anwalt – was ich nun mache.“ Er war ein gutes Jahr alleine an der Macht. Nun scheint für den zehnfachen Deutschen Meister alles verloren. Am 24. März 2017 hatte Weisenburger den langjährigen Geschäftsführer Ralph Bader fristlos gekündigt. Dieser hatte den Verein 13 Jahre lang am Leben erhalten, immer wieder Gelder und Gönner aufgetrieben und so das höherklassige Eishockey immer ermöglicht.

Und nun? Der allerletzte Strohhalm heißt nun Oberliga. Doch die große Frage ist: Können die Werdenfelser das stemmen? Ohne Investorengruppe, ohne München und ohne Schuldenschnitt? Der einzige, der es könnte, ist Weisenburger – der bei der Anhörung bei der Liga vor einer Woche überhaupt nicht anwesend war. Nachdem er sich gegen eine Ablösung von ihm an der Club-Spitze gestellt hatte, hat Weisenburger nun zwei Möglichkeiten: Der SCR ist endgültig am Ende oder er schießt Geld hinzu.

Es könnte über eine Plan-Insolvenz laufen. Dabei müsste die GmbH erhalten bleiben und der Antrag auf Insolvenz beim zuständigen Amtsgericht in diesem Fall direkt mit dem bereits erstellten Insolvenzplan eingereicht werden. Will das Weisenburger überhaupt?

Bei einem Aus des SC Riessersee wäre ein Neubeginn mit dem Stammverein SC Riessersee e.V. in der untersten aller Eishockeyligen, der Bezirksliga möglich. Mit welchen Spielern dies machbar wäre, ist ebenfalls unklar, da die ehemalige 1b-Mannschaft seit drei Jahren unter dem Dach des Landesligisten TSV Farchant beheimatet ist.

Für die Oberliga Süd haben sich die Werdenfsler fristgerecht beim für den Spielbetrieb zuständigen Deutschen Eishockey-Bund e.V. beworben. In diese Woche steht nun ein Gespräch mit DEB-Ligenleiter Oliver Seeliger an (mehr zu Oberliga nebenan). Klar ist, dass alle Spielerverträge des SC Riessersee nur für die DEL2 galten, nicht aber für die Oberliga. Somit gibt es momentan keinen einzigen Spieler, der einen Vertrag inne hat.

Weisenburger hüllt sich unterdessen immer noch in Schweigen. Er ist nach wie vor, wie in den vergangenen Wochen für den KREISBOTEN nicht zu erreichen. Die vielen Fragen, die den Fans und den Verantwortlichen auf der Zunge brennen, sie bleiben weiterhin unbeantwortet.

von Titus Fischer

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