Erste Spieler wurden verpflichtet

Unterstützergruppe des SC Riessersee meldet sich zu Wort

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Christian Hummer (re.) bleibt dem SCR auch in der Oberliga erhalten.

GAP – Es geht voran beim SC Riessersee.

Zum einen wurden drei Spieler verpflichtet, zum anderen meldet sich die Unterstützergruppe zu Wort. „Die letzten Wochen haben uns viel abverlangt: als Fans, die zusehen mussten, wie der SCR für negative Schlagzeilen sorgt; und als Unterstützer, die Tag und Nacht nach einer Rettung gesucht haben. Mehrmals sah es so aus, als wäre die Situation ausweglos. Aber wie wir alle wissen: Blaue geben niemals auf! Und am Ende scheint sich diese Einstellung ausgezahlt zu haben“, betonen sie in ihrem Schreiben. Der SCR wird nicht nur überleben, sondern am Ende des Planinsolvenzverfahrens auch frei sein von Schulden und schwebenden Verbindlichkeiten. „Das ist für den Club eine große Chance auf einen sauberen Neustart ohne Altlasten. Und diese Chance wollen wir nutzen, um den SCR nachhaltiger aufzustellen als in der Vergangenheit“, heißt es. Etwas neues wird es geben: Die Einführung eines Beirats. „In den letzten Jahren gab es immer einen starken Mann beim SCR, der sowohl Gesellschafter als auch Geschäftsführer war und sich somit selbst überwacht hat. Das wollen wir ändern, indem wir einen ehrenamtlichen Beirat schaffen, der die Geschäftsführung des SCR mit wirtschaftlichem und sportlichem know-how unterstützt und überwacht. Damit haben wir erstmals eine saubere Gewaltentrennung. Über die Besetzung des Beirats werden wir in den nächsten Wochen entscheiden“, betonen die Retter.

Außerdem soll es eine neue Eigentümerstruktur geben. „Eigentümer der SCR Vermarktungs GmbH soll in Zukunft eine neutrale Instanz sein, die der Bedeutung des SCR als kulturelles Gemeingut Rechnung trägt. Wir haben mit Herrn Weisenburger vereinbart, dass er seine Anteile für 1 Euro an einen von uns zu bestimmenden Eigentümer abgeben wird“, schreibt die Unterstützergruppe.

Wie die optimale Eigentümerstruktur (Stiftung, Verein, Genossenschaft etc.) aussehen sollte, wird der Beirat noch erarbeiten. Das bedeutet: Der „neue“ SCR hat keine starke Einzelperson mehr im Hintergrund, die ihn finanziert, sondern muss sich in Zukunft selbst tragen. Dazu betonen die Retter in ihrer Mitteilung: „Hierzu ist der SCR auf die Unterstützung des gesamten Umfelds angewiesen: Zum einen auf Sponsoren. Die Region um Garmisch-Partenkirchen verfügt nicht über die Wirtschaftskraft anderer Eishockeystandorte (insbesondere in der DEL2), daher braucht der SCR jeden potenziellen Sponsor, den es in unserer Region gibt.“

Dabei geht man direkt auf Firmen zu und appelliert: „Falls Ihr Unternehmen noch nicht (oder nicht mehr) Sponsor ist, würden wir Sie gerne als Unterstützer gewinnen. Und falls Sie uns bereits als Sponsor unterstützen, sind wir für jede Erhöhung dankbar. Ein großer Dank gilt in dem Zusammenhang den im Anhang genannten Sponsoren, die innerhalb kürzester Zeit ihre Bereitschaft erklärt haben, den SCR auch in der Oberliga zu unterstützen. Ohne sie wäre diese Rettung in letzter Sekunde nicht möglich gewesen.“

Ein wichtiger Faktor in der Planung sind die Zuschauer. Dazu heißt es: „Wir haben für die kommende Saison bewusst konservativ geplant, hoffen aber insgeheim, dass die Fans unseren Einsatz und die Rettung in letzter Minute honorieren werden – indem sie zahlreich Dauerkarten kaufen und zu den Spielen kommen. Uns ist bewusst, dass die Hauptrunde durch die Auflage der Oberliga, dass der SCR danach in die Verzahnung mit der Bayernliga muss, weniger spannend sein wird als üblich. Aber am Ende geht es auch um die sportliche Ehre des Teams, die wir alle unterstützen sollten. Da diese beiden Quellen 90% unserer Einnahmen ausmachen, hängt von ihnen maßgeblich ab, welche sportlichen Ambitionen der SCR in Zukunft haben kann. Denn in Zukunft werden wir nicht mehr mit ungedecktem Etat in die Saison starten, sondern nur noch das Geld ausgeben, das wir auch wirklich vertraglich abgesichert zur Verfügung haben. Nur so können wirtschaftliche Schieflagen wie zuletzt vermieden werden.“

Zusammenfassend wird betont: „Am Ende bedeutet das: Der ‚neue‘ SCR wird etwas bescheidener und bodenständiger daherkommen als in der Vergangenheit, und die sportlichen Ambitionen werden an die Realität angepasst werden müssen. Aber lieber ein solider SCR in der Oberliga, mit dem wir uns alle identifizieren und der von uns allen getragen wird, als gar kein SCR. Und wer weiß: Wenn wir in der kommenden Saison bei Sponsoren und Fans ausreichend Unterstützung für den neuen Weg finden, werden sich die sportlichen Ambitionen des SCR auch wieder in Richtung DEL2 orientieren.“

Erste Spieler verpflichtet

Unterdessen haben die ersten Spieler einen Vertrag für die kommende Saison unterschrieben. Mit Stürmer Victor Östling und Verteidiger Silvan Heiß präsentierten die Garmisch-Partenkirchner die zwei ersten Neuzugänge für die kommende Spielzeit in der Oberliga Süd.

Silvan Heiß spielte in den letzten zwei Jahren in der Oberliga für den EV Landshut und kehrt nun zum SC Riessersee zurück. Silvan Heiß, Sohn des einstigen Nationalspielers Josef Heiß, wurde in Köln geboren und durchlief die Nachwuchsmannschaften der Weiß-Blauen in Garmisch-Partenkirchen bis zur Jugend. Dann ging er 2015 nach Regensburg in die DNL, ehe er zum EV Landshut wechselte, um auch dort in der höchsten Nachwuchsliga zu spielen.

Eigentlich hatte Silvan Heiß noch einen Vertrag bei den Niederbayern für die kommende Saison, dieser war aber nun aufgelöst worden. Insgesamt lief der 21-Jährige in 93-Oberligaspielen und 36 DNL-Spielen für die Dreihelmenstädter auf.

Silvan Heiß ist zurück beim SC Riessersee.

Der SchwedeVictor Östling wechselt vom EC Red Bull Salzburg zum SC Riessersee. Der 22-jährige Schwede spielte in der abgelaufenen Saison für die zweite Mannschaft der Salzburger, in der Teaminternen Skorerliste findet man den schnellen Linksschützen auf Platz drei, mit 12 erzielten Toren und 14 Vorlagen.

Östling, der in Salzburg Kapitän der Mannschaft war, sagt zu seinem Wechsel: „Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich die Möglichkeit erhalten habe, nächste Saison für den SC Riessersee zu spielen. Über den Ort habe ich bisher nur gutes gehört und ich freue mich im August nach Garmisch zu kommen.“ Wenn der SC Riessersee weiter in der DEL2 gespielt hätte, wäre Östling auch ein Teil des Teams gewesen. Der Vertrag mit ihm war bereits unterzeichnet, ehe es beim SCR drunter und drüber ging. Nach seiner Zeit in Schweden im Juniorenbereich wechselte Östling über den Großen Teich in die USA. Dort spielte er für die Aberdeen Wings und die New Jersey Junior Titans in der North American Hockey League, einer Junioren-Liga.

Eine der Säulen in der neuen Saison wird Christian Hummer werden. Er war bereits in der vergangenen Saison bei den Garmisch-Partenkirchnern. Nun hält er nach turbulenten Zeiten dem SCR die Treue und geht in seine vierte Saison. Der 24-jährige Verteidiger lief bisher 157 mal im Trikot der Werdenfelser auf. „Ich spiele ja doch schon eine zeitlang Eishockey und in Garmisch fühle ich mich rundum wohl. Sportlich gesehen hatte ich hier auch meine schönste Zeit und am meisten Spass in meinem Berufsleben als Sportler. Natürlich ist auch das, was nach der letzten und sehr erfolgreichen Saison abgelaufen ist, nicht spurlos an mir vorübergegangen, aber wir schauen jetzt nur nach vorne und ich freue mich auf die nächste Saison”, sagt Hummer. Der 24-Jährige kam im Sommer 2015 vom EHC Klostersee ins Werdenfelser Land, nachdem er die Schule beendet hatte. Als Hummer in der Saison 2012/13 beim SCR per Förderlizenz dreimal auflief, sammelte er zwei Skorerpunkte als Vorlagengeber. Damals spielten auch die drei NHL-Akteure Matt D‘Agostini, Rick DiPietro und Erik Condra während des Lock-outs beim SCR. Nun ist Hummer der einzige Verteidiger, der aus der vergangenen Saison noch übrig ist. Während Stephan Wilhelm seine Karriere beendete, haben alle anderen Defensivspieler neue Vereine gefunden: Valentin Gschmeißner läuft in der kommenden Saison für die Tölzer Löwen in der DEL2 auf, Simon Mayr in der DEL2 für die Bayreuth Tigers, Christoph Frankenberg in der DEL2 für den EHC Freiburg, Felix Thomas in der DEL2 für die Eispiraten Crimmitschau, Julian Eichinger für den ESV Kaufbeuren in der DEL2 und Joel Johansson für Storhamar IL in Norwegen.

von Titus Fischer

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