Laura Dahlmeier gewann die Auszeichnung zur Sportlerin des Jahres 2017

Wenn‘s läuft, dann läuft‘s

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Große Ehre für Laura Dahlmeier.

GAP – Sie hat einen großen Titel gewonnen. Diesmal musste Laura Dahlmeier dafür aber nicht laufen und schießen – denn Dahmeier gewann die Auszeichnung zur Sportlerin des Jahres 2017. Im weinroten Dirndl machte die Athletin vom SC Partenkirchen ihrem Wintersport-Kollegen Johannes Rydzek ein interessantes Angebot. Der Kombinierer könne ja mal gemeinsam mit ihr zum Bergsteigen gehen, scherzte sie bei der Gala in Baden-Baden. „Da kann sicher was Erfolgreiches bei raus kommen.“

Rydzek lachte, ihn und Dahlmeier verbindet seit Sonntagabend aber mehr als das gemeinsame „Hobby“. Die beiden Mehrfach-Weltmeister sind die Sportler des Jahres 2017. Beachtlich, denn ein Winter-Duo hatte es seit 2006 nicht mehr als Sieger gegeben. Damals hatten die Biathleten Michael Greis und Kati Wilhelm die Wahl gewonnen. Dass in einem Jahr ohne Olympische Winterspiele zwei Wintersportler ganz oben stehen würde, hatte es in 71 Jahren der Sportlerwahl erst einmal gegeben: 2005 landeten Uschi Disl und Ronny Ackermann auf Rang eins – auch damals eine Biathletin und ein Nordischer Kombinierer.

„Ich glaube einfach, wenn‘s läuft, dann läuft‘s“, hatte Dahlmeier mit Blick auf ihren Märchen-Winter eine simple Erklärung. „Irgendwie war das bei mir im letzten Winter so, da ist alles aufgegangen.“ Während Dahlmeier und Rydzek erstmals ausgezeichnet wurden, wurden die Beachvolleyballerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst von Deutschlands Sportjournalisten zum zweiten Mal nacheinander zur Mannschaft des Jahres gewählt. Die nach wie vor verletzte Walkenhorst kam auf Krücken nach einer Hüft-OP zur 71. Auflage der Gala ins Kurhaus. 700 Gäste waren dabei, zuvor hatten 1.300 Sportjournalisten abgestimmt.

Nach ihrem überragenden Ergebnis bei der WM in Hochfilzen mit fünf Gold-Medaillen tritt Dahlmeier die Nachfolge von Angelique Kerber an, der ehemaligen Nummer eins der Tennis-Weltrangliste. Rydzek folgt auf Turn-Olympiasieger Fabian Hambüchen. Und die Golden Girls Ludwig/Walkenhorst sind die ersten seit dem Deutschland-Achter 1989, die zum zweiten Mal nacheinander als „Mannschaft des Jahres“ ausgezeichnet wurden.

Nach ihrer märchenhaften Saison war aber vor allem Dahlmeier die Athletin des Abends. Mit deutlichem Abstand hatte die 24-Jährige die Wahl vor der Turnerin Pauline Schäfer gewonnen und ist damit die erste erfolgreiche Biathletin seit Magdalena Neuner 2012. Warum das kaum überrascht, zeigt ihre eindrucksvolle Bilanz des vergangenen Winters: Als erste Starterin im gesamten Biathlon-Zirkus hatte die Garmisch-Partenkirchnerin in Hochfilzen fünfmal Gold und einmal Silber bei einer WM geholt. Nebenbei sicherte sich die Skijägerin auch noch den Sieg im Gesamt-Weltcup.

Im vergangenen Jahr war Dahlmeier bei der Sportlerwahl noch mit deutlichem Abstand auf Kerber Zweite geworden. Diesmal lag sie mit 3135 Punkten klar vor Schäfer (1786) und Dressurreiterin Isabell Werth (911). Dahlmeiers Fokus liegt schon jetzt auf den Winterspielen in Pyeongchang im Februar, wo sie ihr erstes Olympia-Gold gewinnen möchte.

Deutlich enger als bei den Frauen verlief die Wahl bei den Männern. Rydzek (1782 Punkte) sicherte sich den Sieg knapp vor dem überraschenden Triathlon-Weltmeister Patrick Lange (1323) und Speerwurf-Weltmeister Johannes Vetter (1093). Dahinter folgten Tennisspieler Alexander Zverev (1050), Radfahrer Marcel Kittel (709) und Eric Frenuel aus der Nordischen Kombination (696). Skirennläufer Felix Neureuther vom SC Partenkirchen kam auf 650 Punkte und belegte Rang sieben. Er hatte bei den Alpinen Ski-Weltmeisterschaften in St. Moritz die einzige Medaille für Deutschland geholt: Bronze im Slalom.

Den Ausschlag zugunsten des 26-jährigen Rydzek gaben letztlich wohl seine vier Titel in vier Wettbewerben bei der WM im finnischen Lahti - womit er nun der erfolgreichste Kombinierer der WM-Geschichte ist. Der Rekordweltmeister ist nach Georg Thoma (1960), Franz Keller (1968) und Ronny Ackermann (2005) in der langen Historie der Gala erst der vierte Kombinierer, der zum „Sportler des Jahres“ gewählt wurde. In Südkorea soll in wenigen Wochen nun die erste olympische Goldmedaille seiner Karriere folgen.

Die haben Ludwig und Walkenhorst nach ihrem Sieg in Rio 2016 bereits sicher. Weil im vergangenen Sommer in Wien auch noch der WM-Sieg folgte, verteidigten sie nun auch ihren Titel als „Mannschaft des Jahres.“ Relativ deutlich landete das Erfolgsduo (2140) bei der Abstimmung vor dem Deutschland-Achter (1668) und der Staffel der Nordischen Kombinierer (1472). Dahinter folgten die Volleyball-Nationalmannschaft der Männer (1337) und die Herren-Fußball-Nationalmannschaft (1040). Die Biathlon-Frauenstaffel, zu der auch Dahlmeier gehört wurde mit 880 Punkten Sechster.

Vor Laura Dahlmeier schafften es schon einige Athleten aus dem Landkreis, zum Sportler des Jahres gekürt zu werden. 1948 siegte Skifahrerin Mirl Buchner-Fischer, die vor drei Jahren gestorben ist. 1959 holte Eiskunstlauf-Star Marika Kilius – zusammen mit Hans-Jürgen Bäumler – den Titel als SC Riesserseeläuferin. 1976 siegte Skilegende Rosi Mittermaier, zweimal gewann Maria Höfl-Riesch (2010 und 2014) und dreimal sogar Magdalena Neuner (2007, 2011 und 2012). Öfter als Neuner siegten in den Wahl-Annalen nur vier Deutsche: Fünfmal Tennis-Queen Steffi Graf (1986-99), 400-m-Weltrekordlerin Marita Koch (1978-82) und Kunstspringerin Ingrid Krämer (1960-64), viermal in Serie Hochsprung-Ikone Ulrike Meyfarth (1981-84) und der frühere Schwimm-Star Kornelia Ender (1973-76).

Übrigens war es nicht nur wegen der Auszeichnung toll, dass Laura Dahlmeier am Sonntagabend in Baden-Baden weilte. Denn ihre Biathlon-Teamkollegen verpassten den Flug nach Hause. Bei der Abreise aus den französischen Alpen bei Annecy hatte es aufgrund von Staus Verzögerungen gegeben. Zwar kamen die deutschen Skijäger um Simon Schempp, Arnd Peiffer, Maren Hammerschmidt, Vanessa Hinz und Denise Herrmann, noch rechtzeitig am Genfer Flughafen an und checkten am Schalter auch schon ein. Aber das Personal machte bei den angemeldeten Biathlon-Gewehren Probleme, so dass den erschöpften Deutschen auf dem Weg in die Weihnachtspause die Weiterreise verwehrt wurde. Der Deutsche Ski-Verband musste daraufhin Hotelzimmer zur Übernachtung besorgen. Mit einem Tag Verspätung ging es dann endlich nach Hause. „Das ist natürlich sehr ärgerlich. Aber so was ist leider schon öfter mal passiert“, sagte Frauen-Co-Trainer Tobias Reiter.

von Titus Fischer

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