Unglaublich: Mittenwalder Thomas Dreßen gewinnt in Kitzbühel

Erster Deutscher Sieg seit 39 Jahren

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Endlich konnten die Deutschen Fans wieder mal in Kitzbühel jubeln.

Kitzbühel/Mittenwald – Es war der 20. Januar 1979. Josef Ferstl siegte beim Abfahrtsrennen in Kitzbühel. Er hatte die Streif wie schon im Jahr zuvor bezwungen. Dahinter landeten mit Peter Wirnsberger und Ulrich Spiess zwei Österreicher. In den folgenden 39 Jahren schaffte es kein Deutscher Skifahrer mehr, das Rennen zu gewinnen, bis am vergangenen Samstag, exakt 39 Jahre später Thomas Dreßen kam.

Als Zehntausende aufschrien, begriff der Mittenwalder zunächst gar nicht. Beim zweiten Hinsehen realisierte er, dass da die „1“ neben seinem Namen aufleuchtete, riss die Arme in die Höhe, schnallte dann seine Skier ab, wuchtete sie in die Luft – und brüllte seine Freude hinaus. Dann hielt er kurz inne, kniete und senkte den Kopf. Um ihn herum brodelte es. Selbst auf der VIP-Tribüne standen sie, die Reichen und Schönen, und jubelten ihm zu. Es war eine Sensation, und Dreßen fand kaum Worte dafür. „Einfach nur geil“, sagte er, „es war immer ein Traum von mir, mal eine Weltcup-Abfahrt zu gewinnen, auch Kitzbühel, und dass ich das jetzt auf einen Streich geschafft hab, ist einfach nur unglaublich.“ Es war das erste Weltcup-Rennen überhaupt, das der Mittenwalder gewinnen konnte.

Als Dreßen, spät gestartet mit der Nummer 19, nach durchgehenden Zwischenbestzeiten und schließlich 1:56,16 Minuten über die Ziellinie gerast kam, da war auch der verletzte Felix Neureuther, der an Krücken durch den Zielraum lief, fassungslos: „So eine Gänsehaut hatte ich noch nie bei einem Ski-Rennen“, sagte er.

Einer der ersten Gratulanten war Sepp Ferstl. „Gott sei Dank, dass ich jetzt mal abgelöst bin, weil das hältst du auf Dauer nicht aus“, sagte Ferstl.

Als sich Dreßen um 12.26 Uhr an diesem 20. Januar aus dem Starthaus hinaus auf die 3 312 m lange Streif katapultierte, da war gerade die Sonne herausgekommen, und bessere Sicht bedeutet: bessere Chancen. „Er hat das schamlos ausgenutzt“, sagte der Österreicher Hannes Reichelt, Dritter (+0,41 Sekunden) hinter Dreßen und Weltmeister Beat Feuz (Schweiz/+0,21) – und außerdem am Sieg des jungen Deutschen nicht unbeteiligt: Denn Reichelt, 36 Jahre alt, Sieger von 2014, hatte am Vortag noch die Wahl zwischen den Startnummern 1 und 19. Er wählte die 1, für Dreßen blieb die 19. Ein Glücksfall.

„Als ich aus dem Starthaus geschaut habe, dachte ich mir: Die Sicht ist aber nicht so schlecht gerade. Ich habe nicht mitbekommen, dass es bei mir besonders gut war. Aber die Fahrt an sich war mit Sicherheit auch richtig gut“, sagte Dreßen. „Wer weiß, vielleicht hat von oben wer zugeschaut und hat die Sonne ein bisschen mehr scheinen lassen bei mir.“ Eine Anspielung auf seinen Vater Dirk, der im September 2005 bei einem Seilbahnunglück in Sölden ums Leben gekommen war. Ihm zu Ehren hat er die „44“ auf seinen Helm gemalt, sie steht für „DD“ – der vierte Buchstabe im Alphabet ist das D. Der Gedanke an den Vater sei auch diesmal durch den Kopf geschossen, aber, ergänzte Dreßen: „Der Dank geht nicht nur nach oben, sondern auch zu meiner Mama. Wenn die mich nicht so unterstützt hätte und hinter mir gestanden wäre, wäre ich jetzt nicht da.“ Nach einer tollen Fahrt kam Andreas Sander auf Rang sechs.

Bei der Siegerehrung hielt Dreßen die Augen auf dem Treppchen geschlossen. „Ich habe einfach probiert, die ganze Stimmung, die ganze Atmosphäre aufzusaugen und zu genießen, wenn sie die Hymne für mich spielen.“ Auf der Pressekonferenz bekam Dreßen Applaus von Feuz und Reichelt: „Das ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl. Man kann sich das im Vorfeld nicht vorstellen, wie das ist. Es ist einfach nur ein richtig cooles Gefühl. Es ehrt mich, wenn Topathleten wie der Hannes und der Beat mit mir auf dem Podium stehen“, freute sich Dreßen. Sein Dank ging an die ganze Mansnchaft: „Wir haben einfach ein super Team. Angefangen bei den Trainern, über die Serviceleute, Physios. Und wir Athleten helfen immer zusammen, das ist, was uns ein bisschen auszeichnet. Wir probieren immer vom anderen was zu lernen. Das haben wir die letzten Jahre schon gut gemacht und dieses Jahr ist der wirklich große Schritt passiert.“

Nun kommt am Wochenende ein weiterer Klassiker auf ihn zu. Es geht zum Heimrennen auf die Kandahar in Garmisch-Partenkirchen. Am Samstag wird die Abfahrt um 11.45 Uhr ausgetragen. Die Trainings dafür finden am Donnerstag, 25. Januar und Freitag, 26. Januar, jeweils um 11.45 Uhr statt. Am Sonntag wird dann ein Riesenslalom ausgetragen. Der erste Durchgang findet um 10.30 Uhr statt, der zweite um 13.30 Uhr.

Eine Woche später geben sich die Speed-Ladies die Ehre in Garmisch-Partenkirchen. „Ich freue mich jetzt brutal, Garmisch ist ja wirklich gleich bei mir ums Eck. Ich komme ja aus Mittenwald, deswegen ist das Daheim für mich. Ich habe da eine brutale Freude, dass meine ganzen Freunde jetzt beim Rennen dabei sind und zuschauen können“, blickt Dreßen voraus.

von Titus Fischer

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