"Unser Ziel ist der Klassenerhalt"

Saisonvorschau für den 1. FC Garmisch-Partenkirchen

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Die FC-Spieler wollen auch in der neuen Saison wieder jubeln.

GAP - Während die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland dem Finale entgegensieht, geht es für den 1. FC Garmisch-Partenkirchen am Samstag schon in die Saison 2018/19. Das Team ist wieder eine Liga nach oben geklettert.

Die Werdenfelser treten nach Meisterschaften in der Kreisliga und der Bezirksliga Süd nun in der Landesliga an. Ein riesiger Erfolg, denn seit über 20 Jahren ist endlich wieder eine Mannschaft aus der Region in dieser Spielklasse dabei. Los geht’s am Samstag um 15 Uhr im Stadion am Gröben mit dem Heimspiel gegen den BCF Wolfratshausen, der in der vergangenen Saison noch zwei Klassen höher als der FC kickte.

Landesliga ist ein „Zauberwort“ für den 1. FC Garmisch-Partenkirchen. Alles fiebert dem Saisonstart entgegen. Klar, denn in den vergangenen Jahren konnte man davon nur träumen. Zwar war der FC auch in der Spielzeit 2015/16 die beste Mannschaft aus der Region, als Dritter ging es in die Sommerpause, aber dass es in der Folgezeit so weit nach oben gehen sollte, damit konnte man nicht rechnen. 2016 war der Relegationsrang zur Bezirksliga Süd nur knapp verpasst worden. Im Jahr zuvor war es noch anders. Da waren die Werdenfelser das schlechteste Team aus dem Landkreis in der Kreisliga auf Rang acht. Während der damaligen Saison 2014/15 gab es den Trainerwechsel von Karl Schmid zu Christoph Saller. Mit ihm begann der große Aufschwung. Zuvor waren die Garmisch-Partenkirchner eine Fahrstuhlmannschaft: 2009 stieg das Team nach 18 Jahren in höherklassigen Ligen in die Kreisliga ab, doch schaffte unter Trainer Stefan Schwinghammer im Jahre 2010 den sofortigen Wiederaufstieg. Ein Jahr später wurde das Team von Oliver Poqué in der Bezirksliga Süd trainiert. Doch die Mannschaft schaffte den Klassenerhalt nicht und musste absteigen. 2012 übernahm Heinz Mohr das Amt des Trainers und schaffte auf Anhieb den Aufstieg. 2013 ging es trotz toller Aufholjagd unter dem neuen Trainer Saller wieder runter.

Nun also der Start am Samstag in der Landesliga. Titus Fischer hat sich mit dem Trainer unterhalten.

Christoph Saller.


Herr Saller, sind Sie froh, dass es nun für Ihre Mannschaft losgeht?

Christoph Saller: „Ja, wir sind sehr froh, dass es nun los geht. Jeder Spieler ist heiß, nach über zwei Jahrzehnten wieder in der Landesliga zu spielen ist super für den Verein. Die Vorfreude ist riesig!“

Wie liefen die Testspiele?

Saller: „Die liefen gut. Zum Abschluss haben wir in Schwarz beim Drittligisten aus Österreich mit 6:5 gewonnen. Vor einem Jahr haben wir dort in der Vorbereitung noch mit 3:7 verloren. Die sind nun auch wieder wie damals mit der ersten Mannschaft angetreten. Wir haben kein einziges Vorbereitungsspiel verloren. Beispielsweise gab es ein 5:1 gegen Penzberg oder ein 2:2 gegen die zweite Mannschaft des TSV 1860 München aus der Bayernliga.“

Was kann man als Erkenntnisse aus den Testspielen mitnehmen?

Saller: „Eine Erkenntnis ist, dass wir nicht die Breite im Kader haben. Es fehlen uns die verletzten Spieler wie Maximilian Körner, Markus Burkhardt, Jonas Piniewaz oder Loshi Vlamir. Es darf im Laufe der Saison nicht viel passieren, das ist klar.“

Wie haben Sie die neuen Spieler integriert?

Saller: „Sehr gut. Wir haben gleich zu Beginn der Vorbereitung Team-Building-Maßnahmen wie einen Besuch im Kletterpark gemacht und sind zum Bowlen gegangen. Die neuen haben sich sehr schnell integriert. Franz Fischer, der aus Holzkirchen kam, ist ein toller Typ. Er hat gleich Aufgaben als Führungsspieler übernommen. Moritz Müller, der aus Oberhausen kam, ist ein junger Spieler, der sehr wissbegierig ist. Torhüter Hannes Eichschmid kennt die Umgebung hier. Er war zuletzt zwei Jahre beim SV Ohlstadt. Lukas Gerhauser, ein weiterer Torhüter greift nach seinem Sabbat-Jahr nun wieder an. Er hat wieder richtig Lust auf Fußball.“

Es gab ja keine großen Abgänge bis auf Srdjan Ivkovic. Er war der Torjäger vom Dienst. Nach drei Jahren in der Marktgemeinde mit 104 Treffern wechselte er zum TuS Geretsried, der auch in der Landesliga antritt. Wie will man ihn ersetzen?

Saller: „Wir vermissen ihn nicht. Klar hätten wir ihn gerne behalten. Aber wir sagen jetzt nicht: Um Gottes Willen, wie soll es ohne ihn gehen.“

Wie soll es denn ohne ihn gehen?

Saller: „Wir haben nun eine andere Spielphilosophie. Srdjan Ivkovic war ein reiner Torjäger. Wir mussten das System nach ihm ausrichten. Fünf Spieler haben sich ihm angepasst. Nun können wir variabler spielen. Maximilian Berwein, Jonas Poniewaz oder Franz Fischer – das sind alles Leute, die viele Fähigkeiten haben. Da kann jeder mal vorne reingehen. Jeder kann die Tore auflegen und sie auch selber schießen. Wir sind damit nicht so ausrechenbar.“

Die Landesliga ist völliges Neuland . . .

Saller: „Ja, auf jeden Fall. Da gibt es nach dem Spiele eine offizielle Pressekonferenz, das gab es vorher nicht. Die Spiele werden alle live im Internet übertragen unter sporttotal.tv. Ich denke, das wird auch für die Spieler etwas ganz anderes, ein paar sind vielleicht gedanklich noch eher in der Kreisklasse als hier in der Landesliga. Aber das wird schon. Gut ist auch, dass wir einige Spieler im Kader haben, die schon höherklassig gespielt haben. Es ist von der Liga also nicht für alle völliges Neuland. Neu ist auch, dass wir bei uns im Vereinsheim alle Spiele im Livestream zeigen, wenn wir auswärts ran müssen.“

Die Gegner sind auch völlig andere. Wie gut kennen Sie die?

Saller: „Das ist für uns alle Neuland. Auf den meisten Plätzen hat von uns noch keiner gespielt. Auch die langen Fahrten sind eine Umstellung. Am kommenden Mittwoch, beim zweiten Saisonspiel, müssen wir zum SC Ichenhausen – das ist in der Nähe von Ulm. Das bedeutet, jeder muss einen halben Tag frei nehmen. An einem Samstagsauswärtsspiel dreht sich nun den ganzen Tag alles um den Fußball, wenn wir weit reisen müssen. Da werden wir gemeinsam Frühstücken, dann einen Spaziergang machen, in den Bus steigen, hinfahren, wieder einen Spaziergang machen und dann geht’s in die letzte Vorbereitung in die Kabine.“

Haben Sie die Gegner in der Vorbereitung beobachtet?

Saller: „In den vergangenen 40 Tagen ging es bei mir 30 Tage um Fußball – um die Vorbereitung auf die neue Saison von unserer Mannschaft. Da blieb keine Zeit mehr, um rumzureisen. Außerdem haben Testspiele nicht so den Wert. Wir können die Spieler der Gegner dann auch im Internet anschauen im Nachgang und da können wir uns so auf sie vorbereiten. Wir schauen auf uns, das ist das wichtigste. Wir müssen schauen, dass wir gut in die Liga reinkommen.“

Ihre Rolle in der neuen Saison wird nun eine ganz andere sein. In der vergangenen Spielzeit war Ihr Team der Favorit, nun sind Sie der Neuling in der Liga.

Saller: „Für uns zählt nur der Klassenerhalt. Es wird für die Spieler ganz anders werden. In den vergangenen Jahren gab es fast nur Siege. Nun wird es auch Niederlagen geben. Damit müssen sie lernen, umzugehen. Wichtig ist, dass wir einen guten Charakter in der Truppe haben. Es sind so gut wie alle Spieler aus der Region.“

Der BCF Wolfratshausen ist der erste Gegner am Samstag um 15 Uhr. In der vergangenen Saison spielte die Mannschaft eine Liga höher. Sind Sie froh, dass es mit einem Heimspiel losgeht?

Saller: „Auf jeden Fall. Wir sind der einzige Verein in der Region, der schon spielt. Von da her hoffe ich, dass viele Zuschauer kommen und das Stadion voll wird. Außerdem ist es ein Derby. Es gibt nicht mehr viele Mannschaften in der Liga, die südlich von München beheimatet sind.“

Wie schätzen Sie den Gegner ein?

Saller: „Das ist sehr schwierig. Viele Spieler sind weg. Aber es ist auch ein erfahrenes Team, das viele Jahre in der Bayernliga gespielt hat. Aber so weit ich das beurteilen kann, ist der Kader etwas dünn besetzt.“

Wer sind für Sie die Favoriten in der Landesliga?

Saller: „Ich sehe den TSV Landsberg weit vorne. Die haben in der vergangenen Saison noch in der Bayernliga gespielt. Auch der TuS Geretsried ist sehr stark. Die waren in der vergangenen Saison sehr gut mit dabei – allerdings in der anderen Staffel Süd-Ost. Auch der TSV Gilching-Argelsried wird eine Rolle spielen. Der FV Illertissen II ist auch stark, die wären in der vergangenen Saison fast aufgestiegen in die Bayernliga.“

Sie haben es angesprochen, Geretsried spielt nun in ihrer Gruppe, der Staffel Süd-West. Sind Sie froh, dass Ihr Team auch hier spielt?

Saller: „Ja. Ich sehe es wie die meisten Experten, dass die Staffel Süd-Ost etwas stärker ist. Da sind alle Mannschaften aus München dabei. Wir spielen nun vermehrt mit den Teams aus Schwaben und dem Allgäu, das ist schon gut so. Ich habe beispielsweise zu meiner Zeit in der Landesliga auch schon gegen Kempten gespielt oder war auch in Gundelfingen aktiv.“

von Titus Fischer

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