Weltcupfinale am Wochenende

Eine kräftezehrende Saison nähert sich dem Ende – im Weltcupfinale wollen unsere Starter noch einmal Reserven mobilisieren

+
Fritz Dopfer ist beim Weltcupfinale mit dabei.

GAP – Beim vorletzten Weltcupwochenende der Saison gab es für die Athleten aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen keinen Podestplatz. Am nächsten dran war Felix Neureuther. Ihm fehlten nur vier Hundertstelsekunden zum zweiten Podestplatz im Riesenslalom-Weltcup.

Der Partenkirchener Skirennfahrer präsentiert sich weiter top in Form und festigte mit Rang vier seinen vierten Platz im Gesamtklassement. „Im Slalom würde ich mich sehr ärgern, aber im Riesenslalom bin ich mit dem Ergebnis zufrieden“, so Neureuther. Der Sieg beim Rennen in Kranjska Gora ging an Weltmeister Ted Ligety, der sich zum vierten Mal die Kleine Kristallkugel in seiner Paradedisziplin sicherte. „Das war echt schwierig heute. Ich war froh, als ich unten war“, befand der Amerikaner. Ein Kompliment bekam Ligety auch von Neureuther. „Der ist für mich der absolute Übermensch im Riesenslalom“, lobte er den Kumpel aus den USA. Hinter Ligety belegten der Österreicher Marcel Hirscher und Alexis Pinturault aus Frankreich die weiteren Podiumsränge. Nach dem etwas überraschenden Premieren-Podestplatz im Riesentorlauf von Adelboden im Januar blieb Neureuther diesmal bei äußerst schwierigen Bedingungen hinter dem Trio. Wie vor zwei Wochen beim Heimrennen in Garmisch-Partenkirchen, als er als Führender des ersten Durchgangs mit einem Beinahe-Aus im Finale weit zurückfiel, unterstrich der WM-Zweite des Slaloms aber seine Zugehörigkeit zur Weltspitze im Riesentorlauf. Auch die Vorstellung von Fritz Dopfer hatte eine Parallele zum Heimrennen – allerdings eine schmerzhafte. Wie vor zwei Wochen stürzte der Pechvogel erneut. An einem Tor verschlug es ihm die Brille, das Brillenband störte danach seine Sicht und der Garmischer konnte den Sturz nicht mehr verhindern. Wenige Momente später stand der 25-Jährige aber wieder. Es war der nächste Rückschlag für Dopfer: „Körperlich fühle ich mich eigentlich wieder halbwegs wieder hergestellt. Vom Selbstvertrauen ist es noch lang nicht das, wie es sein sollte, erklärte Dopfer nach seinem neuerlichen Unfall. Der Mittenwalder Benedikt Staubitzer verpasste als 34. knapp den zweiten Durchgang. Am Sonntag gab es für Neureuther einen Dämpfer. Im Regen von Kranjska Gora fiel er aus. So durfte der Österreicher Marcel Hirscher vorzeitig den Gewinn der Kleinen Kristallkugel feiern. Es gewann der Kroate Ivica Kostelic vor Hirscher und dessen Landsmann Mario Matt. Bei schwierigen Bedingungen am Sonntag schlug sich Fritz Dopfer „mit angezogener Handbremse“ als Zehnter achtbar. Zumal der WM- Siebte mit einigen blauen Flecken und einer „krassen“ Rückenprellung, die er sich am Vortag zugezogen hatte, am Start war. Der Ausfall kostet Neureuther vermutlich einen Platz unter den Top-3 der Gesamtwertung des WM-Winters. Zwar hat der WM-Silbermedaillengewinner mit 848 Punkten auf Rang vier immer noch die rechnerische Chance, den vor ihm platzierten Amerikaner Ted Ligety, der es auf 922 Zähler brachte, abzufangen. Doch beim Weltcup-Finale auf der Schweizer Lenzerheide ab Mittwoch ist der Amerikaner insgesamt stärker einzuschätzen als der Partenkirchner Skirennfahrer, der dort wohl den Super-G nicht in Angriff nehmen wird. Und im Riesentorlauf ist Ligety, wie er beim Sieg und dem Kugelgewinn vom Samstag in Slowenien abermals unterstrich, sowieso einsame Klasse. In der Gesamtwertung baute Hirscher vier Einzelrennen vor Saisonende mit 1375 Zählern seinen Vorsprung auf den Norweger Aksel Lund Svindal, der es auf 1226 Punkte brachte, weiter aus. Der 24 Jahre alte Österreicher wird wohl wie vor einem Jahr als Nummer 1 die Weltcup-Saison beenden. „149 Punkte Vorsprung sind schon Einiges. Es wäre schon sehr schön, die große Kugel nochmals zu gewinnen“, sagte Hirscher. Nicht gut lief es für Maria Höfl-Riesch bei den Heimrennen in Ofterschwang. Zunächst kam sie beim Riesenslalom auf Rang 16. Es gewann die Österreicherin Anna Fenninger vor Tina Maze aus Slowenien und der Deutschen Viktoria Rebensburg. In den vergangenen sieben Rennen inklusive der Ski-WM war ihr der Gang zum Stockerl immer verwehrt geblieben. „Von daher bin ich einfach froh und erleichtert, da heute auf dem Podium stehen zu dürfen.“ Das nahe Ende einer anstrengenden Saison spürt auch Höfl-Riesch. „Gerade, weil es für mich um nichts mehr geht, ist es schon schwierig, die letzten Reserven zu mobilisieren und die Motivation total aufrecht zu erhalten. Das ist mir heute leider nicht gelungen”, gestand die 28-Jährige. Während Disziplin- und Gesamtweltcupsiegerin Tina Maze aus Slowenien, die ebenfalls in allen Disziplinen startet und am Samstag Zweite wurde, auf einer Erfolgswelle schwimme, sei sie inzwischen platt, sagt Höfl-Riesch. Platz sieben im ersten Durchgang sei „okay“ gewesen, aber mit dem zweiten Lauf vor 7700 Zuschauern war die Doppel-Olympiasiegerin überhaupt nicht zufrieden. „Der zweite Durchgang war einfach von oben bis unten total verkorkst.“ Im Slalom schied die Partenkirchnerin nach dem Einfädler im ersten Durchgang aus. Beste Deutsche war Lena Dürr als 22., direkt vor Teamkollegin Andrea Filser. Das Fazit von Alpin-Direktor Wolfgang Maier fiel nach dem Heimrennen dem entsprechend ernüchtert aus. „Das tut schon ein bisschen weh. Wir wollten uns sicher besser präsentieren, aber das ist nun einmal der Sport, das muss man auch mal hinnehmen können, dass es ein Rennen gibt, das nicht so optimal gelaufen ist, wie man es sich vorgestellt hat“, sagte Maier. Der Tageserfolg ging an die Slowenin Tina Maze, die vor der Schweizerin Wendy Holdener und der Amerikanerin Mikaela Shiffrin siegte. „Tina hat einen Wahnsinnslauf“, erkannte Höfl-Riesch an. Maze überholte auch die Amerikanerin im Klassement und hat vor dem Weltcupfinale in Lenzerheide mit sieben Punkten Vorsprung nun alle Chancen auch auf die Slalom-Kristallkugel. Die Titel im Gesamtklassement und im Riesenslalom waren ihr schon vor dem Allgäu nicht mehr zu nehmen gewesen, hinzu kommen beste Aussichten auf die Wertungen in Abfahrt und Super-G. Alle Kugeln in einem Winter wäre ein weiterer Rekord in Mazes Saison der Superlative. Die Weltmeisterin im Super-G hat 2254 Zähler auf dem Konto. Nach dem zehnten Sieg und dem 22. Podestplatz der Saison fehlt Maze nur noch ein Top-3-Ergebnis, um Hermann Maier nach seinem 2000-Punkte-Rekord auch die Bestmarke für die meisten Siegerehrungen einer Saison abzunehmen.     tf

Auch interessant

Kommentare