Gelingt ein Start in der DEL2? – Unterdessen geht Tim Richter nach Bayreuth

Woche der Entscheidung beim SC Riessersee

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Tim Richter (li.) geht nach Bayreuth.

GAP – Es ist still um den SC Riessersee. Sehr still.

Spannung pur vor dem großen Showdown könnte man sagen. Es steht wohl die Woche der Wahrheit an. Bis Ende der Woche soll Klarheit herrschen, ob und wie es mit dem Verein weitergeht, der in der vergangenen Saison bis ins Finale der DEL2 gekommen war und nach einem großen Defizit in der Kasse schauen muss, dass Geld schnellstmöglich aufgetrieben wird, um doch noch irgendwie in der DEL2 zu spielen. Auch der bisherige Kooperationspartner EHC Red Bull München will eine rasche Entscheidung. Mit voller Mannschaft wird seit dem Ende der Pfingstferien nun gearbeitet. Seit Montag ist auch Geschäftsstellenleiter Stefan Endraß wieder aus seinem Pfingsturlaub zurück.

Während beim SCR alles für die Rettung getan wird, basteln andere Team fleißig an ihrem Kader für die neue Saison – dabei verpflichten sie auch Spieler, die in der vergangenen Saison noch bei den Werdenfelsern aufgelaufen sind.

So hat Tim Richter die Weiß-Blauen verlassen. Der junge Vater heuerte beim EHC Bayreuth an. Beim sportlichen Absteiger aus der DEL2. Das Pikante an der Situation: Entweder die Werdenfsler oder die Franken werden in der kommenden Saison in der zweiten Liga spielen. Damit steht fest, dass der 29-Jährige in der kommenden Saison auf keinen Fall gegen seinen alten Verein antritt. Richter war es, der den SC Riessersee im Viertelfinale gegen die Eispiraten Crimmitschau „rettete“. In Spiel drei, als die Garmisch-Partenkirchner Gefahr liefen, auch die dritte Partie zu verlieren, schoss Richter das entscheidende Tor nach acht Minuten in der Verlängerung zum 3:2-Sieg. Die Richter-Reihe, er lief zusammen mit Michael Rimbeck und Jared Gomes auf, war in den Play-offs die auffälligste. Mit einer Plus-/Minus-Statistik von +2 war er teamintern in der entscheidenden Phase der Saison die Nummer drei – hinter Jared Gomes und Valentin Gschmeißner.

Richter hat mit 237 Spielen in der Oberliga und 226 Partien in der zweiten Liga reichlich Erfahrung – und Selbstbewusstsein: „Ich bin ein schneller und robuster Spieler, der zweikampfstark ist und auch defensiv seine Aufgaben erledigt“, beschreibt er seine Stärken. „Vor dem Tor kann ich vielleicht noch ein wenig kaltschnäuziger sein“, gibt er aber zu: In der vergangenen Saison traf er in 69 Partien fünfmal. Der Hamburger begann seine Karriere beim EV Füssen in der Junioren-Bundesliga, dann in der Oberliga. Von dort wechselte er erstmals zum SC Riesersee in die DEL 2, wo er nach Zwischenstationen in Kaufbeuren und Füssen auch zuletzt spielte.

In der Saison 2016/17 hatte Richter großes Verletzungspech gehabt, dabei begann die Spielzeit sensationell: Gleich im ersten Spiel schoss der Stürmer das entscheidende Tor zum 1:0-Sieg bei den Starbulls Rosenheim. Auch im zweiten Spiel gegen die Eispiraten Crimmitschau war es Richter der traf und den 3:1-Endstand im Olympia-Eissportzentrum besorgte. Doch dann fiel der bis dahin erfolgreichste Stürmer einen Monat aus. Wieder zurück traf er beim zweiten Spiel nach dem Comeback gegen die Ravensburg Towerstars erneut. Doch eine Schulterverletzung zwang ihn kurze Zeit später zu einer langen Pause. Ende Januar sollte er nun wieder auflaufen. Es sah sehr gut aus, Richter arbeitete hart für sein Comeback, bis er sich kurz davor im Training erneut verletzte. Er knallte gegen die Bande und zog sich einen Kreuzbandriss im Knie zu. Damit war die Saison für den Stürmer bereits im Januar beendet. Seine Bilanz: Nur sechsmal kam er zum Einsatz in der Spielzeit, schoss dabei aber vier Treffer.

Der gebürtige Hamburger spielte erstmals in der Saison 2011/12 für die Werdenfelser, als er vom EV Füssen aus der Oberliga zum SCR kam, wo er es auf 16 Scorer-Punkte in 55 Spielen kam. Dann ging es für ihn rasant nach oben in die DEL zu den Hannover Scorpions. Dort hatte er eine gute Saison. Doch die Lizenz wurde an Schwenningen verkauft und der Stürmer stand ohne Verein da. So ging er nach Füssen in die Oberliga, ehe er in der Saison 2014/15 für Kaufbeuren in der 2. Liga auflief. Dort verletzte er sich in einem Vorbereitungsspiel gegen Füssen. Er fiel mit einem Einriss im Syndesmoseband bis Ende November aus. Doch am Ende gab es ein Happy End, Richter schoss im vierten Play-down Spiel gegen Heilbronn in der dritten Verlängerung den 5:4-Siegtreffer für die Jokers. So stand es 2:2 in der Serie, die am Ende mit 4:2 gewonnen wurde. Im Sommer 2015 folgte dann die Rückkehr zum SCR. Nicht mehr für die Tigers spielt hingegen Goalie Tomas Vosvrda. Nach zwei Jahren und 99 Pflichtspielen verlässt der tschechische Torhüter die Bayreuther. Der noch für die kommende Spielzeit laufende Vertrag wurde „in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst“, heißt es in einer Mitteilung. Wegen des sportlichen Abstiegs in die Oberliga konnte Bayreuth nicht mit Vosvrda planen, da er dort als ausländischer Torhüter keine Spielberechtigung erhalten hätte (in der Oberliga sind nur deutsche Torhüter zugelassen). Noch ist die Ligazugehörigkeit nicht geklärt (siehe oben) . „Da Tomas ein Angebot eines anderen Clubs hat, möchten wir ihm aber keine Steine in den Weg legen“, erklärte Bayreuths Geschäftsführer Matthias Wendel. „Es hat mir in Bayreuth sehr gut gefallen, aber ich musste für meine Familie und mich eine Entscheidung treffen“, sagte Vosvrda.

Im Gegensatz zu Richter war schon nach der Saison klar, dass Christoph Frankenberg in der neuen Spielzeit keine Zukunft beim SC Riessersee haben würde. Nun hat der Verteidiger einen Vertrag bei den Freiburger Wölfen unterschrieben. Frankenberg hatte im vergangenen Jahr erstmals bei den SCR-Profis gespielt, 21 Mal stand er auf dem Spielberichtsbogen. Er kam aus Regensburg zurück zu seinem Heimatverein. Der mittlerweile 20-Jährige wechselte 2014 in die Oberpfalz zu deren DNL-Mannschaft. Beim EVR spielte er sich in die Oberligamannschaft hinein. In dieser Liga spielte er auch in der abgelaufenen Saison zumeist. Beim SCR-Kooperationspartner EC Peiting kam er in der Oberliga auf 26 Partien, bei denen er ein Tor schoss und fünf weitere vorbereitete.

Am Rande der Bande: Vor einer guten Woche kam der SC Riessersee mit der Idee heraus, dass die Fans eine Dauerkarte auf Lebenszeit erwerben können – falls der Verein in der DEL2 oder der Oberliga antreten würde. Zwei Anhänger haben sich bisher gemeldet. Beide haben jeweils eine Karte erworben. Ein Hoffnungsschimmer für eine gute Zukunft in der DEL2?

von Titus Fischer

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