„Big Dog’s Backyard-Ultra”

33 Stunden durchgehalten: Kaufbeurer Extremläufer Bernhard „Bam“ Epple kommt an seine Grenzen

Bernhard Epple läuft
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Die Anstrengung bei diesem Ultralaufevent ist Bernhard „Bam“ Epple anzumerken. Für den Kaufbeurer war nach 33 Stunden Laufen Schluss.

Kaufbeuren – Jahr für Jahr treffen sie sich eigentlich im Oktober in Tennessee (USA). Die hartgesottensten und verrücktesten Ultraläufer der Welt nehmen die Herausforderung an. Dabei ist nicht primär entscheidend, wer am Schnellsten ist, sondern wer länger durchhält. Der „Big Dog’s Backyard-Ultra” konnte aufgrund der Corona-Pandemie heuer nicht in gewohnter Form durchgezogen werden. Jede Nation lief daher in ihrem eigenen Land, auch in Deutschland kamen 15 Läufer zusammen, darunter auch Bernhard „Bam“ Epple. Für den Extremläufer war dieses Format eine Premiere.

Der 49-jährige Kaufbeurer machte bereits vor einigen Wochen Schlagzeilen, als er die Allgäuer Schlossparkrunde mit einer Gesamtlänge von 218,8 Kilometer in unter 30 Stunden absolvierte (wir berichteten). Während Bam sich da die Pausen und den Laufstil selbst einteilen konnte, war dies in Kandel (Südpfalz) nicht möglich. Jeder Läufer hatte weltweit die gleichen Regeln: Die 6.706 Meter (oder 4,166 Meilen) in 60 Minuten zu absolvieren. Die restlichen Minuten bis zum nächsten Start der vollen Stunde durfte jeder für sich beliebig nutzen. Bam und seine deutschen Teamkollegen starteten am Samstag um 14 Uhr, in den USA ging es beispielsweise um 7 Uhr morgens los. 21 Nationen waren dabei, alle via Satelliten zugeschaltet. Das deutsche Team mit Bam hatte zwei Strecken: Die Trailrunde wurde tagsüber, die Nachtrunde dagegen auf Teer gelaufen. Während die anderen Läufer ihre Betreuer um sich scharten, musste Epple jeden Handgriff selbst erledigen.

Die Anstrengung bei diesem Ultralaufevent ist Bernhard „Bam“ Epple anzumerken. Für den Kaufbeurer war nach 33 Stunden Laufen Schluss.

Stunde 17 wurde für ihn zu einer echten Herausforderung. Denn die Duschgelegenheiten waren 80 Meter vom Start-Ziel-Bereich entfernt. „Ich bin diese Runde extra schneller gelaufen, um mehr Zeit zu haben“, erzählte Bam. In Windeseile musste er sich der Klamotten entledigen, duschen, wieder anziehen, ehe er dann noch acht Minuten Zeit hatte, um wieder pünktlich zur nächsten Runde parat zu stehen. „Ich habe anfangs viel Kraft gespart, viele gute Läufer sind nach 20 Stunden bereits überraschend ausgeschieden.“ Bis Sonntagnachmittag lief es auch für Bam. „Ich habe den ersten Fehler gemacht, statt auf mich dann lieber aufs Handy zu schauen“, resümierte er. Die Füße wurden in der Folge schwerer. Ab 20 Uhr zeichnete sich das Ende ab, wenngleich der Kaufbeurer noch drei Stunden durchhielt, um dann nach 33 Stunden und 221,3 Kilometern sein Aus zu verkündigen. „Was mich besonders ärgert, ist dass ich aus mir nicht das Letzte herausgeholt habe.“ Dennoch habe er unglaublich viel aus den Erlebnissen gelernt. Es sei bisher der längste Lauf seines Lebens. „Ich war gut vorbereitet.“

Nur Karel Sabbe übertraf alle. 75 Runden schaffte der Belgier und brachte somit auch die Teamwertung sicher nach Hause. Deutschland wurde im Endklassement Sechster. In den USA, dem eigentlichen Austragungsort des Backyard, durfte man sich über Platz zwei freuen. „Sicherlich wäre das Rennen vor Ort ein Traum“, bekommt Bam leuchtende Augen. Ob er dieses Ziel in Angriff nimmt, wollte er nicht gänzlich ausschließen.

von Stefan Günter

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