Die Stimme der Arena

André Veil ist seit 23 Jahren Stadionsprecher beim ESV Kaufbeuren

Souverän präsentiert André Veil vor jedem Spiel die Mannschaftsaufstellungen beider Teams.
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Souverän präsentiert André Veil vor jedem Spiel die Mannschaftsaufstellungen beider Teams.

Kaufbeuren – Wenn die Mannschaften wenige Minuten vor dem ersten Bully an der Bande schon darauf warten, dass sie die Eisfläche betreten dürfen, dann beginnt der große Auftritt für Stadionsprecher André Veil. Ja, man kann schon sagen, er ist fast der verlängerte Arm des Stadion-DJs.

Längst gehört die Einlaufzeremonie zum festen Show-Programm eines Eishockeyspiels von den untersten Ligen bis hinauf in die DEL und hängt von den technischen Möglichkeiten im Stadion ab. „Im alten Stadion waren wir da natürlich gegenüber anderen Vereinen etwas eingeschränkt, doch nun haben wir mit einer perfekten Soundanlage und dem Videowürfel super Bedingungen“, erklärt Veil, der früher auch gerne mit zu den verschiedenen Auswärtsspielen gefahren ist, um zu sehen, wie die Kollegen ihren Job machen. „Natürlich schaut man da etwas genauer hin, doch etwas zu kopieren stand für mich nie zur Überlegung“, sagt der knapp 50-Jährige, der in seinen 23 Dienstjahren als Stadionsprecher selbst genügend Erfahrungen gesammelt hat.

Respektvoller Umgang

Wo die Spieler in anderen Stadien gerne mal durch einen Tigerkäfig oder ein aufgeblasenes Logo die Eisfläche betreten, kommen die Kaufbeu­rer Spieler eher unspektakulär durch eine Plane mit einem Joker-Gesicht auf die Eisfläche. Bei allem Patriotismus für den eigenen Verein ist Veil ein respektvoller Umgang mit den Gästefans sehr wichtig. „Die Zuschauer haben zum Teil eine weite Anreise auf sich genommen, um das Spiel in Kaufbeuren zusehen, deshalb haben sie es auch verdient vernünftig begrüßt zu werden“, sagt der Stadionsprecher, dessen erster Weg auf dem Eis auch immer in die Gästekurve geht.

Natürlich ist in dieser Saison mit den Spielen ohne Zuschauer alles anders. „Da bleibt mir neben einer Hand voll Medienvertreter nur noch die Zuschauer zu Hause zu begrüßen, die das Spiel via Sprade TV gebucht haben“, sagt Veil, der darauf hofft, dass sich dieser Zustand bald wieder ändert. Dennoch bedarf es auch bei den sogenannten Geisterspielen einer ganz speziellen Vorbereitung. „Ich schreibe mir wie immer die Reihenfolge der Spieler in meinem persönlichen System noch einmal ab, da es ständig zu Veränderungen kommt. Und auch für den einen oder anderen Zungenbrecher beim Gegner, der bis dato noch nicht bekannt war, frage ich natürlich nochmals nach, wie er genau ausgesprochen wird.“

„Trash-Talk“ bringt ihn zum Schmunzeln

Aber auch die Stadionakustik musste auf ein leeres Eisstadion neu justiert werden. Damit so ein Spiel in der DEL 2 überhaupt stattfinden kann, verweist André Veil auf seine Kollegen vom Bankdienst. Vom Stadionsprecher angefangen, über Zeitnehmer, Statistiker bis hin zum Schiedsrichterbetreuer sind pro Spieltag insgesamt neun Personen im Einsatz. Auch Veil hat sich über diese Tätigkeiten, angefangen im Nachwuchs, zunächst bewähren müssen, ehe er in der Saison 97/98 zum Sprecher der Ersten Mannschaft befördert wurde. Schmunzeln muss Veil auf seinem Platz manchmal über den „Trash-Talk“ auf den Strafbänken, wenn zwei Spieler gleichzeitig zum Abkühlen geschickt worden sind und sich dann im Nachgang noch ein paar Nettigkeiten über die Köpfe des Bankdienstes hinweg austauschen. „Das ist aber meistens nach ein paar Sätzen vorbei und dann geht der Fokus wieder ganz auf das Spiel“, beschreibt Veil die Cool-Down-Phase der Spieler.

Zwei Gesichter erlebe man auch bei den Schiedsrichtern. „Das sind eigentlich alle prima Jungs mit denen man nach dem Spiel auch mal plaudern kann. Doch ich habe auch Verständnis dafür, dass sie während des Spiels einfach korrekt ihren Job machen müssen und dafür auch bewertet werden“, sagt Veil, der den Schiedsrichter Ulpi Sicorschi als netten Kerl bezeichnet, mit dem man auch Spaß haben kann. Fairness, Neutralität und ein objektives Auftreten fordert auch die DEL 2 von seinen Vereinen und den handelnden Personen.

Dass es in all den Jahren auch den einen oder anderen lustigen Versprecher gab, bleibt natürlich nicht aus. „Mir fällt es meistens schon auf, wenn ich es ausgesprochen habe, dann versuche ich halt noch das beste darauf zu machen“, erzählt der „Veilo“, wie er von seinen Freunden im Stadion genannt wird.

Thomas Schreiber

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