Zwischen Backstube und Kamera

Bäcker Pit Kustermann seit über 30 Jahren Kameramann für den ESVK

Pit Kustermann
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Pit Kustermann sorgt mit seiner Kamera für die Bilder aus der Arena direkt ins Wohnzimmer.

Kaufbeuren – Die Arbeit hinter der Stadionkamera hat beim ESV Kaufbeuren bereits eine sehr lange Tradition. Schon Ende der 1980er Jahre wurden erste Videoaufnahmen für den internen Gebrauch erstellt. Mit Beginn der Saison 1989/90 gab Pit Kustermann schon sein Debüt an der Kamera. „Learning by doing hieß damals die Zauberformel, denn außer einer Einweisung für die Kamera mussten wir uns den Rest selbst aneignen“, schildert der gelernte Bäcker seine Anfänge.

Auch wenn die Arbeitsbedingungen im heutigen Stadion nicht mehr vergleichbar sind, so hatte die altehrwürdige Sparkassen-Arena ebenfalls ihren ganz besonderen Charme. „Wir standen damals mitten im Fan-Bereich auf einem Holzpodest und mussten uns anfangs auch erst einmal mit den Zuschauern arrangieren“, erzählt Kustermann, der früher selbst unter den Fans verweilt war und auch noch heute mit dem ESVK bei jedem Spiel mitfiebert. Was nun bei der Spielanalyse durch die modernen Techniken als Standard angesehen wird, wurde früher noch mit bescheidenden Mitteln erarbeitet. „Es gab Trainer, die wollten das ganze Spiel mitgeschnitten haben, andere wieder legten Wert auf Detailaufnahmen einzelner Spieler“, erzählt der 50-Jährige, dem dabei noch die akribische Zusammenarbeit mit Sergei Swetlow in Erinnerung geblieben ist.

Qualität verbessert

Mit der Einführung des Strea­ming-Dienstes von Sprade TV hat sich die Qualität beinahe jährlich verbessert. Was zu Beginn mit nur einer Führungskamera begann, hat sich nun um zwei weitere Möglichkeiten erweitert. „Für Nahaufnahmen haben wir nun auch noch eine Zoom-Cam, sowie eine Kamera direkt an der Bande, um die Torraum-Szenen doch griffiger an die Bildschirme zu bekommen“, schildert Kustermann, der mit Ralf Spangehl, Alex Müller und Patrick Günther noch drei weitere Leute im Boot hat, damit sich auf den verschiedenen Positionen auch abgewechselt werden kann.

In der Regel beginnt für das Team der Arbeitstag im Stadion rund 90 Minuten vor Spielbeginn mit dem Aufbau und Einstellen der Kamera. Eine Stunde vor dem ersten Bully beginnt der Testlauf mit Sprade TV, bevor dann 30 Minuten vor Spielbeginn mit den ersten Bildern beim Aufwärmen die Übertragung startet. Dann ist Kustermann nicht nur „On Air“, sondern fiebert auch mit seinem Verein mit. „Ich glaube, wir haben diese Saison eigentlich eine gute Mannschaft, doch wir bringen uns durch unsere Fehler selbst um den Ertrag. Zudem lebt der ESVK auch von seinen super Fans, die noch das gewisse Extra ausmachen“, ist seine persönliche Einschätzung.

Ein Privileg

Rund 30 Minuten nach dem Spiel ist dann auch der Dienst für das Kamera-Team beendet. „Steht dann am nächsten Tag noch ein normaler Arbeitstag als Bäcker auf dem Programm, da wird die kurze Nacht schon zu einer Herausforderung“, berichtet der ESVK-Fan, der es dennoch als Privileg sieht, trotz der aktuellen Einschränkungen durch die Corona-Maßnahmen im Stadion sein zu dürfen.

Thomas Schreiber

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