Virtuell zur Medaille?

Björn Hertrampf vom ACK kämpft bei Masters-WM

Björn Hertrampf
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Alleine stemmte Björn Hertrampf die Vorbereitung für die Master-WM.

Kaufbeuren – Wenn am Samstag Björn Hertrampf vom Athletik-Club Kaufbeuren zu seinem Wettkampf antritt, werden die lautstarken Anfeuerungsrufe ausfallen. Der 38-Jährige nimmt an der virtuellen Masters-Weltmeisterschaft im Gewichtheben teil. Das Besondere in Corona-Zeiten: Jeder Athlet stemmt seine Gewichte in eigener Halle. Nur wenige Helfer sind zugelassen.

Eigentlich würde die WM in Gansai in Japan stattfinden, doch die aktuelle Situation machte einer Vor-Ort-Veranstaltung einen Strich durch die Rechnung. Seit 30 Jahren ist Hertrampf dem Gewichtheben treu, blieb seitdem ohne Verletzung. In den vergangenen Wochen und Monaten musste er trotzdem einen ganz speziellen Kampf bewältigen. Für ihn seien die unzähligen Trainingseinheiten eine mentale Herausforderung gewesen. Denn coronabedingt trainierte er allein. „Mit ordentlicher Musik ging aber alles“, witzelt er. Da wurde schon einmal von Ballermann bis Schlager über Dance und Elektro-Musik alles lautstark in den Räumlichkeiten des ACK abgespielt.

Der 38-Jährige stellte für seine Vorbereitung vieles hinten an. Teilweise trainierte er vier- bis fünfmal die Woche. Dauerten die Einheiten zu Beginn noch um die drei Stunden, so pendelte es sich zum Ende hin auf 90 Minuten ein. „Ich bin dem ACK überaus dankbar, dass ich hier selbstständig trainieren konnte“, so Hertrampf. Er hatte eine gute Vorbereitung. „Ich freue mich darauf, nach über einem Jahr wieder einen Wettkampf zu haben.“ Um an der WM teilnehmen zu können, musste er eine gewisse Norm erreichen.

„Wir sind sehr stolz. Für uns als Verein ist es schon etwas Besonderes“, so Vorstandsmitglied Markus Kreitmeier. Denn nach Almir Velagic sei Björn Hertrampf nun der zweite Sportler in der fast 50-jährigen Geschichte des Vereins, der international für den ACK startet. Schon im Vorfeld wurde alles abgesteckt: So mussten die Internetzugänge und die Verbindung zum Veranstalter getestet werden. Auch sonst ist alles geregelt: „Am Wettkampftag selbst müssen wir jede Scheibe, die wir auflegen, in die Kamera halten. Damit wird sichergestellt, dass es original für den Wettkampf zugelassene Scheiben sind“, führt Kreitmeier aus. Ohne großes Publikum, aber mit einigen Helfern, kämpft Björn Hertrampf virtuell. In dieser „Blind-Competition“ gibt es drei Zeitzonen: Ozeanien, Europa und Amerika.

Am Samstag, wenn es für den ACK’ler losgeht, duelliert er sich nur mit den teilnehmenden Europäern. Ozeanien ist da schon durch. Die Amerikaner folgen erst zu einem späteren Zeitpunkt. Deshalb weiß Hertrampf noch lange nicht, auf welchen Platz er gekommen ist, egal wie der Wettkampf verläuft. „Ich muss von Beginn an Gas geben“, so der Vize-Europameister von 2018. Es sei eine andere Herausforderung und Motivation ohne Publikum seinen Wettkampf zu bestreiten. Entscheidend wird für ihn die mentale Form sein. Auch die Tagesform muss ihm in die Karten spielen. „Wenn das alles zusammenpasst, kann ich was reißen“, gibt sich der Wettkämpfer im Vorfeld optimistisch.

„Das angepeilte Ziel sind 130 Kilo Reißen und 170 Kilo Stoßen“, weiß Kreitmeier als ehemaliger Bundesliga-Gewichtheber, dass das Hantelgefühl am Wettkampftag selbst den ausschlaggebenden Erfolg ausmacht. Jeweils drei Versuche hat Björn Hertrampf. Die jeweils besten Versuche werden addiert. Dann muss der 38-Jährige nur noch hoffen und abwarten.

Stefan Günter

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