Der ESVK Jahresrückblick

Die Corona-Pandemie sorgt beim Verein für einen Spagat  zwischen sportlichen Zielen und wirtschaftlichem Überleben

Volle Spielerbänke, die finanziert werden müssen, doch darüber leere Tribünen.
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Volle Spielerbänke, die finanziert werden müssen, doch darüber leere Tribünen, denn es droht eine komplette Saison mit Geisterspielen.

Kaufbeuren – Das Sportjahr 2020 geht in wenigen Tagen zu Ende. Von der Corona-Pandemie geprägt, war es ein Jahr wie es die aktiven Sportler, Trainer und auch die Funktionäre und Verantwortlichen noch nie erlebt haben. Auch für den ESV Kaufbeuren war es ein turbulentes Jahr. Neben sportlichen Höhen und Tiefen kamen 2020 auch emotionale Abschiede, sowie große wirtschaftliche Zwänge dazu. Der Kreisbote hat dazu Monat für Monat noch einmal unter die Lupe genommen.

Januar

800 Joker-Fans machten sich am 5. Januar mit einem Sonderzug auf den Weg nach Crimmitschau, um anschließend einen 4:2-Auswärtserfolg bei den Eispiraten zu feiern. Ein Höhepunkt war auch der knappe 3:2-Heimsieg gegen Ravensburg vor ausverkauftem Haus. Sportlich war das Team daher insgesamt gut ins neue Jahr gestartet mit Ausblick auf eine gute Ausgangsposition für die Play-Offs. Auch neben dem Eis war der ESVK aktiv. Mit dem Modell „Der ESVK macht Schule“ konnte der Verein durch einen Besuch im Jakob-Brucker-Gymnasium neue Sympathien gewinnen.

Februar

Eigentlich war der ESVK unter Trainer Andreas Brockmann in den vergangenen Jahren zum Ende der Hauptrunde stets zu Hochform aufgelaufen, doch verspielte man diesmal im Februar die direkte Play-Off-Teilnahme und sogar um die Pre-Play-Offs musste man bis zum letzten Spieltag zittern. Der Verein reagierte dabei noch mit der Verpflichtung von Torhüter Ilya Sharipov und Verteidiger Jan Bednar, doch der angestrebte Platz acht war futsch. Zur sportlichen Misere mischte sich auch noch die traurige Nachricht vom Tod von Fritz Sturm. Er war das letzte lebende Gründungsmitglied des ESVK.

März

Mit zwei Siegen gegen die Bietigheim Steelers in den Pre-Play-Offs sicherte sich der ESV Kaufbeuren die Teilnahme an der Play-Off-Runde. Doch die Heimpartie am 8. März sollte zugleich das letzte Saisonspiel gewesen sein, denn im Anschluss wurde durch die einsetzende Corona-Pandemie beschlossen, die Spielzeit 2019/20 vorzeitig abzubrechen. Abgestimmt wurde auch darüber, ob die von einer Initiative geforderten Zwischenstufen für bessere Sicht in der Erdgas-Schwaben-Arena eingebaut werden sollen. Dabei votierte eine deutliche Mehrheit für diesen Antrag. Zudem wurde mit dem ESVK-Hoigata ein Podcast geschaffen, der regelmäßig über aktuelle Geschehen berichten sollte.

April

Die wichtigste Personalentscheidung wurde getroffen. Nach vier Jahren bekam Andreas Brockmann beim ESVK kein neues Arbeitspapier mehr angeboten. Dabei konnte sich seine Vita in Kaufbeuren mit drei Halbfinaleinzügen in Serie durchaus sehen lassen, doch in seiner letzten Saison waren auch Abnutzungserscheinungen mit der Mannschaft unübersehbar. Und auch Publikumsliebling Jere Laaksonen musste seine Koffer packen. Rob Pallin wurde als neuer Trainer vorgestellt. Der 53-jährige Amerikaner, der zuletzt fünf Jahre in Innsbruck tätig war, war der Wunschkandidat von Geschäftsführer Michael Kreitl.

Mai

Ins Spielerkarussell kam richtig Bewegung. Zahlreiche Leistungsträger aus der Vorsaison haben beim ESVK verlängert. Darunter auch der Top-Skorer Sami Blomqvist. Mit Fabian Voit aus Memmingen konnten die Joker auch einen ersten Neuzugang präsentieren. Unter schwierigen Umständen hat auch für die Teams der DEL 2 das Lizenzierungsverfahren für die neue Saison begonnen. Der ESVK zeigte in schwierigen Zeiten Einfallsreichtum und stellte für seine Anhänger eine Stoffmaske im Vereinslogo vor.

Juni

Mit deutlich Verspätung startete der ESVK in das offizielle Sommertraining, das wieder von Co-Trainer Sebastian Osterloh geleitet wurde. Unter Einhaltung aller Hygiene- und Abstandsregelungen wurde im Stadion und im Fitness-Rehapark kräftig für die neue Saison geschwitzt. Leider wurde auch bekannt, dass Steven Billich seine Eishockeykarriere beenden musste. Nach einer Verletzung aus den Play-Offs 2019 war es ihm nicht mehr möglich, den Sport professionell auszuüben.

Juli

Die Gerüchteküche hielt sich bereits hartnäckig, doch in diesem Monat konnte der Verein seine beide Königstransfers ins Trockene bringen. Tyler Spurgeon und John Lammers folgten Trainer Rob Pallin aus Innsbruck nun auch ins Allgäu. Beide sind bereits im fortgeschrittenen Eishockeyalter, doch sie waren die absoluten Wunschspieler des neuen Trainers. Trotz der weiterhin unsicheren Ausgangslage hat die DEL bereits den 2. Oktober für den Saisonstart fokussiert.

August

Wenn normaler Weise bereits die ersten Testspiele stattfinden, tappten die Vereine weiter im Dunkeln. Auf Grund unterschiedlichen Verordnungen in den verschiedenen Bundesländern, beschloss die Liga den Saisonstart auf den 6. November zu verschieben. Der ESVK-Hoigata wurde für die Fans immer mehr zu einer sehr beliebten Informationsquelle der anderen Art.

September

Trainer Rob Pallin sowie die beiden neuen kanadischen Stürmer trafen in Kaufbeuren ein. Ein Trainingsbetrieb auf dem Eis ist jedoch nach wie vor nicht gestattet. Inzwischen wurde mit den DEL 2 Vereinen aus Ravensburg, Bietigheim und Heilbronn eine Turnierform für die Saisonvorbereitung vereinbart.

Oktober

Mit der kurzzeitigen Verpflichtung von DEL-Stürmer Patrick Reimer gelang dem ESVK noch vor dem ersten Testspiel ein echter Transfer-Coup. Das Vorbereitungsspiel gegen den EV Füssen vor 867 Fans sollte auch das einzige Spiel bleiben, bei dem Zuschauer in Kaufbeuren zugelassen waren. Neuzugang Tyler Spurgeon wurde zum neuen Kapitän gewählt. Seine Stellvertreter sind Daniel Oppolzer und Alex Thiel. Der Get-Ready-Cup zur Vorbereitung muss komplett ohne Zuschauer ausgetragen werden.

November

Endlich ging es los, die Joker starteten mit einem 8:1-Auftaktsieg gegen Dresden. Es folgte jedoch die Hiobsbotschaft von der Verletzung von Sami Blomqvist, der wohl mindestens sechs Wochen Ausfallen wird. Der ESVK reagierte darauf und holte sich mit Daniel Schmölz einen weiteren DEL-Spieler bis Ende November an Bord. Doch nach dem dritten Saisonspiel war zunächst Schluss. Das Coronavirus hat sich eingeschlichen und legte den kompletten Spielbetrieb bis auf Weiteres auf Eis. Erfreulich war dagegen die Nominierung von Markus Schweiger für die U 20 Weltmeisterschaft in Kanada.

Dezember

Nach überstandener Quarantäne bestritten die Joker 21 Tage nach dem letzten Spiel gegen Landshut erneut ein Spiel und verloren das Derby in Ravensburg mit 5:7. Es folgten drei weitere Niederlagen und eine ungewohnt scharfe Kritik von Rob Pallin an seinem Torhüterduo. Doch die Joker kämpften sich von Spiel zu Spiel wieder heran und konnten auch gegen Crimmitschau und Dresden wieder die ersten Erfolge feiern. Mit der Rückkehr von Sami Blomqvist soll es dann auch in der Tabelle wieder aufwärts gehen.

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