Neuer Bezirksvorsitzender beim BFV

Dr. Christoph Kern steht vor großen Aufgaben und Hürden

Dr. Christoph Kern BFV
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Dr. Christoph Kern steht vor großen Aufgaben und Hürden beim Bayerischen Fußball-Verband

Landkreis – Nach dem vorzeitigen Abschied von Johann Wagner als schwäbischer Bezirksvorsitzender des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), hat die Verbandsspitze nun bis zum offiziellen Bezirks­tag 2022 Dr. Christoph Kern zum kommissarischen Vorsitzenden berufen. Der 38-Jährige hat sein Amt schon angetreten, wobei er den Vorsitz als Richter des Sportgerichts Bayern Ende April niederlegen wird. Der Kreisbote hat sich mit dem Funktionär aus dem nördlichen Landkreis Augsburg über seine neue Aufgabe unterhalten.

Herr Kern, was hat Sie angespornt, das Amt des Bezirksvorsitzenden zu übernehmen?

Kern: Offengestanden war die Übernahme des Bezirksvorsitzes weder geplant noch beabsichtigt. Als aber dann Johann Wagner auf mich zukam, habe ich mich mit der Frage schon intensiv beschäftigt. Natürlich hat mich dabei das ausgesprochene Vertrauen des gesamten Bezirksausschusses bestärkt und sehr gefreut. Die Möglichkeit, sich zusammen mit den Vereinen und den Verbandsfunktionären für die Sache zu engagieren, Ideen zu entwerfen, gute Ideen umzusetzen und andere wieder zu verwerfen, ist eine tolle Aufgabe und spornt mich an.

Was sind primär erst einmal Ihre Aufgaben?

Kern: Johann Wagner hat frühzeitig begonnen, mich in die laufenden Themen mit einzubeziehen, sodass es mir möglich war, mir recht schnell ein Gesamtbild zu verschaffen, wenngleich natürlich noch nicht in jedem Detail. Zu den primären Aufgaben gehört freilich aktuell die Aufarbeitung der Folgen der Corona-Pandemie: Abfrage des Stimmungsbilds und Austausch mit den Vereinen in Bezug auf den sich abzeichnenden Abbruch der Saison, sauberer und möglichst gerechter Abschluss der Ligen. Besonderes Augenmerk will ich auch auf einen gut vorbereiteten Wiederbeginn und Durchführung des Spielbetriebs legen, wenn es die Pandemiesituation zulässt.

Was ist Ihnen noch wichtig?

Kern: Ich möchte frühzeitig die Grundlagen legen, dass eine Normalität wieder eintritt. Damit meine ich insbesondere die Projekte und Planungen außerhalb des Spielbetriebs. Beispielsweise sind aufgrund der Corona-Einschränkungen zahlreiche Ehrungsveranstaltungen, wie der Bezirksehrenamtstag oder die Veranstaltung „50 Jahre Frauenfußball“, ausgefallen. Es ist unsere Aufgabe, frühzeitig die Veranstaltungen erneut zu planen, auch wenn wir natürlich damit rechnen müssen, dass auch diese wieder verschoben werden müssen. Das Zeichen, dass niemand, der sich engagiert, vergessen wird, ist mir sehr wichtig.

Großes Thema ist das Saison-Aus und die daraus resultierende Quotientenregelung. Sind schon einige Vereine auf Sie zugekommen und wie schwer ist diese aktuelle Situation, da man es ja auch diplomatisch regeln sollte?

Kern: Ich habe bereits zahlreiche, sehr sachliche und konstruktive Gespräche geführt. Was ich aus diesen Gesprächen vor allem mitgenommen habe, ist, dass die Vereine gerne frühzeitiger Klarheit gehabt hätten und ihnen die Kommunikation der sogenannten Quotientenregelung nicht ausreichend war. Vielen jetzt Betroffenen ist erst in den letzten Wochen über die mediale Diskussion bewusst geworden, welche Regelung nun für den geplanten Abbruch gelten soll und dass sie hiervon überhaupt betroffen sind. Diese Kritik müssen wir freilich aufgreifen und für die Zukunft beachten und verbessern.

Mit welchen Fragen werden Sie konfrontiert?

Kern: Inhaltlich sind die Ansichten, je nach Interessenslage, völlig unterschiedlich. Die einen wollen nicht absteigen, die anderen wollen, weil sie auf dem Relegationsplatz sind, auch aufsteigen oder wollen eine verlängerte Saison, um noch einen Punkt bis zum Aufstiegsplatz einfahren zu können. Wieder andere wollen nicht, dass es keine Absteiger und nur Aufsteiger gibt, weil das zu vollen Ligen und überfüllten Spielplänen sowie verstärkten Abstiegen in der nächsten Saison führt. Gerade das Allgäu ist oftmals mit vielen Nachholspieltagen belastet, weil aufgrund der Wetterlage im Spätherbst oder im März auf den Sportplätzen noch nicht Fußball gespielt werden kann.

Wie wichtig ist Ihnen das Zusammenspiel mit den Kreisvorsitzenden – jetzt im Fall mit Karl-Heinz Giegerich aus dem Kreis Allgäu?

Kern: Die Kreisvorsitzenden sind enorm wichtig. Sie sind der verlängerte Arm des Bezirksvorsitzenden. Eine gute und harmonische Zusammenarbeit, eine gegenseitige Unterstützung und ein funktionierender Informationsfluss sind die Grundlagen einer erfolgreichen Arbeit im Bezirk Schwaben. Denn mir ist wichtig, frühzeitig zu wissen, wenn irgendwo ein Problem ent- oder besteht, aber genauso auch, wenn Vereine Grund zum Feiern haben. Gerade auch für die Vereine muss es hier einen regionalen Ansprechpartner geben. Mit Karl-Heinz Giegerich ist das Allgäu mit einem langjährigen, sehr gut vernetzten, fachlich erfahrenen Funktionär vertreten. Die Zusammenarbeit mit ihm, das haben schon die vergangenen Wochen zu personellen Themen oder der Organisation des Kreistags gezeigt, ist einwandfrei.

Sind Sie ein Bezirksvorsitzender zum Anfassen? Was ist Ihnen im Umgang mit Funktionären, Vereinen und Fußballern wichtig?

Kern: Wer mich kennt, weiß, dass ich ein sehr umgänglicher Mensch bin, der aber auch viel Wert auf eine gleiche und faire Behandlung legt. Mir war als Sportrichter immer wichtig, dass wir gleiche Sachverhalte auch immer gleichbehandeln und es zur breitest möglichen Akzeptanz führt. Ich wünsche mir im Umgang neben einer breiten Vernetzung vor allem einen offenen, im Idealfall regelmäßigen Austausch und ein stets sportliches Miteinander.

Interview: Stefan Günter

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