ESVK-Vorstände appellieren mit einem Antrag an den Stadtrat

"Wir wollen spielen, egal wie"

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Wie lange werden die Fans ihren Jokern noch zujubeln können? Zumindest deren erneute Aufnahme in die 2. Liga steht beim Fehlen einer adäquaten Spielstätte auf der Kippe.

Kaufbeuren – Für konkrete Pläne bezüglich einer Weiternutzung des Kaufbeurer Eisstadions wird die Zeit knapp – zumindest aus Sicht des ESVK. Denn beim Erwerb seiner Lizenzen bei der ESBG für die nächste Saison muss der Verein eine „geeignete Spielstätte“ nachweisen.

In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses richtete ESVK-Geschäftsführer Andreas Settele unter den Augen vieler interessierter Besucher einen dringlichen Appell an das Gremium. Grund war die Unsicherheit, die bezüglich des Problemfalls Eisstadion immer noch besteht, denn diese macht es dem Verein unmöglich, für die kommende Saison zu planen. Seine Bitte, „nur noch die Möglichkeit einer schnellen und günstigen Sanierung“ zu unter- suchen, hatte Settele in einem Antrag formuliert, die ESVK-Vorstände Kurt Dollhofer und Karl-Heinz Kielhorn sowie die Stadträte Karl Georg Bauernfeind und Helmut Folter (CSU) mit unterzeichnet haben. 

Oberbürgermeister Stefan Bosse skizzierte zu Beginn den aktuellen Stand der Dinge: Das Resümee des bestellten Prüfers, dass eine Ertüchtigung des Stadions noch einmal möglich sei, müsse noch von einem zweiten Prüfer verifiziert werden. Das Endergebnis werde bis Mitte März erwartet. Zur Auswahl werden dann laut Bosse wahrscheinlich mehrere Optionen stehen – von einer „Minimallösung“, die aber voraussichtlich mit einer Verringerung der Zuschauerzahlen einhergeht, bis hin zu einem zeitintensiven und teureren Ausbau sämtlicher geschädigter Betonteile. 

Während Bosse dahin tendierte, die verschiedenen Möglichkeiten laut einem gesicherten Prüfungsergebnis abzuwägen, kam der Antrag des ESVK in diesem Punkt einer Verzichtserklärung gleich: Man habe mittlerweile erkannt, dass „ein Austausch eines Großteils der Tribünenplatten und eine Betonsanierung weder terminlich noch finanziell zu schaffen sei. Außerdem würden die Probleme mit dem Dach und der Haustechnik dadurch nicht gelöst. Deshalb solle die Sanierung des alten Stadions auf das absolut nötige Minimum beschränkt werden – Hauptsache, es sei zum Herbst wieder bespielbar, auch mit weniger Zuschauerplätzen und ohne technische Verbesserungen. „Auch bei einer umfassenden Sanierung wird die Lebensdauer des Stadions das Jahr 2019 nicht überschreiten. Wir aber müssen jetzt Lizenzanträge stellen, wofür eine geeignete Spielstätte nachzuweisen ist, und wir können mit den Spielern der 1. Mannschaft keine Verhandlungen für die nächste Spielzeit führen, weil wir nicht wissen wie es weiter geht“, beschrieb Settele den Druck, unter dem der Verein steht. 

Das sagen die Stadträte 

OB Bosse (CSU) stimmte dem Antrag im Allgemeinen zu, widersetzte sich aber ganz klar jeder konkreten Planung vor dem endgültigen Abschluss der Prüfungen. Er mahnte zudem, eine Restnutzungsdauer von drei Jahren reiche zwar theoretisch für die Planung eines Stadion-Neubaus, jedoch seien dann die dafür bevorzugten Flächen auf dem Fliegerhorst-Gelände noch nicht frei. Ein Bau auf dem Gelände nahe der B16 sei zwar möglich, würde aber „die letzten freien Gewerbeflächen verbrauchen“. Bei der Frage nach einem Neubau – wenn finanziell überhaupt zu stemmen – sei ein Bürgerentscheid absolut nötig: „Es geht hier um Steuergelder“.

Stadtrat Bernhard Pohl (Freie Wähler), der selbst bis 2006 Präsident des ESVK war, erklärte, der Antrag renne bei ihm „offene Türen ein“, parallel zur Sanierung sei der Bau einer Multifunktionshalle mit integriertem Eishockey-Spielbetrieb der richtige Weg. Allerdings stimmte er Bosse zu, dass die Festlegung auf ein Konzept vor Abschluss der Prüfungen keinen Sinn mache. Trotzdem sprach sich Pohl für den Antrag aus, weil er „ein Zeichen nach außen setzt, dass wir dem ESVK helfen wollen“. 

Gegen den Antrag sprach sich dagegen Ralf Nahm (SPD) aus. „Alle Parteien, auch wir, unterstützen den ESVK. Wir tun doch auch so schon alles, es macht also keinen Sinn, jetzt spekulativ Pläne in den Raum zu stellen“, erklärte er. 

Dr. Thomas Jahn (CSU) widersprach dem. Der Antrag habe gute Ansätze, denen man zustimmen könne. Bezüglich des Neubaus warnte er davor, „in dieser Zeit des Wahlkampfs“ zuviel zu versprechen. Ein Bürgerentscheid sei richtig, aber erst nach Vorlage aller Fakten. 

Bürgermeister Gerhard Bucher (CSU) äußerte Verständnis für den Druck, unter dem der ESVK stehe, man müsse aber auf die Prüfergebnisse warten. 

Wolfgang Hawel (B90/Grüne) betonte, er verstehe die Notsituation des Vereins, warnte aber davor, „erst zu schießen und dann zu zielen“. 

Schließlich wurde der Antrag nach dem wiederholten Hinweis Bosses, ein endgültiger, verpflichtender Beschluss könne jetzt noch nicht ergehen, gegen die Stimme der SPD angenommen. von Michaela Frisch

Das will der ESVK

Folgende Punkte beinhaltet der Antrag an den Stadtrat: 

• Ausschließliche Prüfung der „günstigsten und schnellsten Lösung“, Restlebensdauer des Stadions von minimal drei Jahren 

• Beauftragung eines Projektsteuerers 

• Terminplan für die Abwicklung der Planungs- und Baumaßnahmen 

• Zukünftige „Synchronplanung“ • Schnellstmögliche Vorlage einer Kostenberechnung 

• Anstreben eines Spielbetriebs ab 15. August (Training) bzw. ab 27. September (allgemein) 

• Niedrige Sanierungskosten, vorzugsweise Investition in Neubau 

• Bereiterklärung des ESVK, Einschränkungen bei Zuschauerplätzen hinzunehmen 

• Zielsetzung eines Stadionneubaus während der Restnutzungszeit der Sparkassenarena, Einverständnis des ESVK mit einer Bürgerbeteiligung

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