Zukunft des Vereins ungewiss

Die Hoffnung stirbt zuletzt

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An die 100 Fans des EV Füssen treffen sich am Sonntag spontan am Eisstadion und sprechen sich für einen Neuanfang des Vereins aus.

ed/ml/mm

„Meine Mission als Vermittler sehe ich ab sofort als beendet an“, erklärte Iacob. Wie es jetzt mit den Leoparden weitergeht, war am Montag (bis Redaktionsschluss) zunächst noch unklar. 

Bis zuletzt hatten Verein und Fans noch auf eine Rettung des 16-fachen Deutschen Eishockey-Meisters gehofft – vergeblich. Denn am Freitagabend war klar – der EVF ist nicht mehr zu retten. 

Kurz zuvor hatten die Gesellschafter des ESV Kaufbeuren mitgeteilt, dass man sich nicht am EVF beteiligen werde. „Nach Erörterung der vorliegenden Zahlen und Fakten wurde von den Gesellschaftern der ESVK Spielbetriebs GmbH die Entscheidung getroffen, hier nicht aktiv zu werden“, teilte der ESVK mit. Als Hauptgrund führten die vier Gesellschafter vor allem den hohen Geldbedarf des EVF und den enormen Zeitdruck an. „Das verbundene Risiko ist für uns schwer einzuschätzen und könnte somit auch das gesamte Engagement im Eishockey beeinträchtigen“, so das Führungs-Quartett. 

In der Woche zuvor hatte sich bereits eine Gruppe Füssener Geschäftsleute zurückgezogen, die zunächst eine Übernahme ins Auge gefasst hatte. Da der noch geschäftsführende Vorstand Jürg Tiedge aber offenbar nicht bereit war, wie von der Gruppierung gefordert die Schulden des Vereins in Höhe von gut 400.000 Euro zu begleichen, erteilten die Interessenten vor gut einer Woche einer Übernahme ebenfalls eine Absage. 

Unfaire Attacken 

Am Samstagmorgen musste Bürgermeister Iacob schließlich in einer eilends einberaumten Pressekonferenz mitteilen, dass die Rettung des Traditionsvereins gescheitert sei. Gleichzeitig kritisierte Iacob den zum Teil unfairen Umgang mit Jürg Tiedge. Er forderte alle, denen der Fortbestand des EV am Herzen liege, auf, zur Sachlichkeit zurückzukehren und Zeichen für eine neue Vorstandschaft unter neuen Voraussetzungen zu setzen. 

Uwe Harnos, Anwalt des derzeit gesundheitlich schwer angeschlagenen Tiedges, verteidigte seinen Mandanten ebenfalls. Die Angriffe auf Tiedge würden jeder Grundlage entbehren, sagte er. „Herr Tiedge hat sich nach meinem Kenntnisstand nicht be- , sondern entreichert“, betonte der Jurist. 

Auch die Zahlen, die in der Öffentlichkeit kursieren, seien falsch: Von den 435.000 Euro Schulden blieben nach allen zu berücksichtigenden rechnerischen Varianten noch 235.000 Euro übrig, erläuterte er. Diese Summe sei seiner Ansicht nach „für ein neues Führungskonsortium schulterbar gewesen“. 

Nun brauche der Club tatkräftige Unterstützer und Sponsoren. „Ob Herr Tiedge alles falsch oder alles richtig gemacht hat, das können die Mitglieder am 31. Juli in der Mitgliederversammlung entscheiden. Ich werde mich vor ihn stellen“, so Harnos. Wie es nun mit dem Verein und auch sportlich weitergeht, war am Montag zunächst noch ungewiss. Fest steht, dass der EVF noch nie – auch nach dem Konkurs von 1983 nicht – in der Bezirksliga antreten musste. Dort wird ein noch zu gründender Nachfolge-Verein aber wohl starten müssen – falls der Verein in der kommenden Saison überhaupt noch ein Seniorenteam stellen wird. 

Nachwuchs vor der Rettung? 

Ganz anders stellt sich die Situation dagegen für den erfolgreichen EVF-Nachwuchs dar. Dieser kann auf den neuen Verein übertragen werden und kann weiterhin in seiner jeweiligen Spielklasse weiterspielen, wie DEB-Liegenleiter Oliver Seeliger auf Nachfrage bestätigte. Dafür will sich offenbar auch die Interessengruppe Füssener Geschäftsleute einsetzen. 

Dennoch hängt auch die Füssener Nachwuchsarbeit davon ab, wie und wem der Neustart des Vereins gelingt. Denn: Wenn die Erste Mannschaft nicht mehr in der Oberliga spiele, so EVF-Vorstandsmitglied Markus Gmeiner, sehe er die Gefahr, „dass da nix mehr geht, weil das Interesse nicht mehr vorhanden ist“. Erste Hinweise, wie es mit dem EVF weitergeht, wird möglicherweise die anstehende Mitgliederversammlung geben. Diese soll am Freitag, 31. Juli, stattfinden.

ed/ml/mm

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