„Ich will wachrütteln“

Erdogan-Kritiker und Box-Europameister Ünsal Arik besucht Kaufbeuren

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Der Profiboxer Ünsal Arik (weißes T-Shirt) in Kaufbeuren umringt von seinen Gönnern und Sponsoren: Ergin Erdogan (v. li.), Hüseyin Yildirim (stehend), Ali Riza Arabul und Yasar Yildirim.

Kaufbeuren – Ünsal Arik ist in erster Linie Profisportler, aber auch für seine direkte Meinung bekannt. Der Deutsch-Türke protestierte öffentlich gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Dadurch wurden auch die Medien auf ihn aufmerksam. Vor kurzem war der 37-Jährige zum ersten Mal in Kaufbeuren. Er besuchte Sponsoren und Gönner.

„Hier habe ich Freunde, die öffentlich zu mir stehen. Gerade diese Menschen wollen eines klar und deutlich machen: Es gibt für uns keine Unterschiede zwischen Kurden, Aleviten, Türken und Atheisten. Für uns zählt nur die Menschlichkeit“, so der gebürtige Parsberger, der zwischen Nürnberg und Berlin pendelt. Artik spricht im Interview das wertvollste Gut an, was alle besitzen: Das Recht auf Freiheit. „Erdogan tritt mit Füßen danach. Er repräsentiert die Türkei momentan falsch. Dadurch leidet unsere deutsch-türkische Freundschaft“, sei ihm durchaus bewusst, dass viele Menschen ihm ganz genau zuhören.

Mitte Mai holte er sich in Augsburg den Europameistertitel im Boxen. Doch neben seinen Auftritten im Ring ist Arik auch sozial engagiert. Nicht nur, dass er sich für krebskranke Kinder einsetzt, er ist seit 2015 auch noch Botschafter der Stiftung Kinderherz und unterstützt noch die Tierschutzorganisation Peta. In erster Linie aber gehört er zu den schärfsten Kritikern des türkischen Präsidenten, der am gestrigen Sonntag wohl wieder in sein Amt gewählt wurde. Dabei war sich Ünsal Arik zu 100 Prozent sicher, dass man ihn „los werden“ würde. Das zumindest sagte er vor der Wahl gegenüber dem Kreisbote. Die Wahl sei aus Arik Sicht „allgemein mit Vorsicht zu genießen“. Deshalb mobilisierte Arik die Menschen über die sozialen Medien. „Ich will sie wachrütteln“, machte er unmissverständlich klar: „Nicht jeder Türke ist ein Erdogan-Anhänger und nicht jeder Türke ist ein Rassist. Viele Türken sind weltoffene Menschen, das möchte ich rüberbringen.“

Arik bereist als Boxer die Welt, hat genug Hektik um sich herum. „Ich kann mir sofort vorstellen als Veganer und Naturfreund hier in Kaufbeuren oder Umgebung ein Häuschen zu kaufen.“ Im kommenden Jahr bringt Arik sein erstes Buch auf den Markt, davor steht im Oktober sein nächster Boxkampf bevor. „Ich bin fit und möchte gerne nochmals unter einem Weltverband starten.“

von Stefan Günter

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