TSV-Marktoberdorf: Ewald Nagel geht – Abteilungsleiter Reinelt im Interview

Trainer schmeißt hin

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Jörg-Dietmar Reinelt, Abteilungsleiter beim TSV Marktoberdorf.

Marktoberdorf – Ewald Nagel ist nicht mehr Trainer des Fußball-Bezirksligisten TSV Marktoberdorf. Der Übungsleiter stellte mit sofortiger Wirkung sein Amt zur Verfügung. Damit zieht der 66-Jährige wohl die Konsequenz aus der anhaltenden Talfahrt der Kreisstädter.

Im Gegensatz zum SVO Germaringen und BSK Olympia Neugablonz treibt das Abstiegsgespenst sein Unwesen beim Traditionsclub TSV Marktoberdorf. Seit dem vierten Spieltag bekommt das Team die rote Laterne einfach nicht mehr los. Die Zahlen sind aus Sicht des TSV frustrierend: Neun Niederlagen stehen nur einem Sieg und einem Unentschieden gegenüber. Es kommt noch hinzu, dass Marktoberdorf in der Offensive die Durchschlagskraft fehlt. Nur ganze neun Mal landete der Ball im gegnerischen Netz. Mit 29 Gegentoren hat der TSV nach Aufsteiger DJK Ost Memmingen (32) die zweitmeisten Treffer kassiert. Bis auf den Relegationsplatz, den aktuell Landesliga-Absteiger Bobingen einnimmt, hat Marktoberdorf bis jetzt neun Punkte Rückstand. 

Der Kreisbote sprach mit Jörg-Dietmar Reinelt, Abteilungsleiter beim TSV Marktoberdorf.

Warum ist Ewald Nagel nicht mehr Trainer? 

Reinelt: „Seine Beweggründe das Amt niederzulegen, waren die Umstände mit der Mannschaft. Ich kann ihn hier gut verstehen und es ist im Nachhinein auch nachvollziebar. Sein Rücktritt hat nichts mit der Vorstandschaft zu tun. Wir haben weiterhin ein freundschaftliches Verhältnis. Nagel hatte auch einen schweren Stand. Er hatte in der Vorbereitung zum Teil nur fünf oder sechs Mann im Training. Wie willst du denn da eine schlagkräftige Truppe formieren. Die Spieler haben es dem Trainer nicht leicht gemacht. Ich glaube, wenn wir in Babenhausen einen Sieg eingefahren hätten, würde die Lage jetzt anders ausschauen“. 

Haben Sie nicht was gespürt? 

Reinelt: „Bei Gesprächen ging es immer nur noch um die selben Themen. Er sah keinen Fortschritt. Irgendwie haben wir schon gemerkt, dass was im Busch ist“. 

Ist das für Sie wie ein Schlag ins Gesicht? 

Reinelt: „Wir waren nicht überrascht. Es hat sich ja angedeutet. Wir haben auch schon eine Lösung gefunden. Unser Co-Trainer Nejmi Yazici wird bis auf weiteres die Mannschaft coachen. Er kennt die Mannschaft, hat auch das Vertrauen der Spieler“. 

Also ist noch kein neuer Trainer für die erste Mannschaft in Sicht? 

Reinelt: „Nein. Wir wollen jetzt keinen Schnellschuss erzwingen. Viele Trainer sind nicht auf dem Markt. Wir sind ja auch mitten in der Saison. Deswegen haben wir mit der Mannschaft die Situation besprochen und wollen uns in Geduld üben. Wir warten auch ab, wie sich die Mannschaft nach dem Rücktritt von Ewald Nagel entwickelt und ob sich positive Leistungen einstellen“. 

Hatten sie das Gefühl, dass die Mannschaft gegen den Trainer ist? 

Reinelt: „Absolut nicht. Für viele Spieler kam der Rücktritt auch überraschend. Sie waren vom Menschen Ewald Nagel begeistert und sehr angetan. Sie konnten mit ihm diskutieren. Schließlich war er auch offen für Kritik. Ich denke, dass einfach zu wenig von den Spielern gekommen ist. Auch ein Trainer braucht eine Motivation, um zu arbeiten“. 

Wie brisant ist die Lage beim TSV MOD? 

Reinelt: „Die Lage ist natürlich sehr beängstigend. Sie kennen die Tabelle. Wir müssen damit rechnen, dass wir absteigen können. Ganz klar: wir waren im vergangenen Jahre schon einmal in einer ähnlichen Situation. Doch unsere jetzige Lage ist nicht aussichtslos. Jetzt sind Mannschaft und der Co-Trainer in der Pflicht, damit sie aus dem Tabellenkeller herauskommen“. 

Planen sie schon für die Kreisliga? 

Reinelt: „Nein, wir planen noch nicht für diese Liga. Warum auch? Erst wenn es rechnerisch nicht mehr möglich ist, dann müssen wir uns damit auseinandersetzen. Momentan sind wir aber durchaus positiv gestimmt“. 

Also es gibt aus ihrem Befinden heraus keinen Grund beunruhigt zu sein? 

Reinelt: „Das würde ich jetzt nicht sagen. Wir, die Abteilungs- und Sportliche Leitung sowie Nejmi Yazici hätten alle gern bessere Ergebnisse. Aber jetzt spreche ich für uns Funktionäre, hier sind uns die Hände gebunden. Wir haben ein großes Problem: wir haben keine Mannschaft. Wir haben zwar elf Spieler auf dem Platz, doch sie hat noch nicht zueinander gefunden. Ziel ist, dass sie daran arbeiten muss, eine homogene Truppe zu werden. Wenn sich die Jungs zusammenraufen und ein Team werden, dann können wir das alles noch schaffen. Davon bin ich überzeugt“. 

Sie haben den kleinen Kader angesprochen. Es liegt doch nahe, dass man sich spätestens in der Winterpause verstärken muss. 

Reinelt: „Wir müssen das ganz nüchtern und reell betrachten. Es ist momentan nichts auf dem Markt, was uns weiterhelfen könnte. Wir müssen also die Winterpause abwarten und hier bis zur Wechselfrist den Markt sondieren. Es wird aber nicht leicht sein bei diesem Tabellenstand jemanden zu bekommen, der nur aus Freude zum TSV Marktoberdorf kommt. Wir werden noch einmal Kontakt zu Spielern aufnehmen, die uns noch eine Absage erteilt hatten“.

Herr Reinelt, wir danken für dieses Gespräch.

von Stefan Günter

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