Training daheim

Kampfsportler Simon Schmid-Kemmeter hat eigene Trainingsstätte

Simon Schmid-Kemmeter trainiert
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Training daheim im eigenen Bauernhof: Simon Schmid-Kemmeter richtete für sich eine eigene Trainingsfläche ein.

Kaufbeuren/Beckstetten – Wer kennt sie nicht, die Geschichte des dreifachen Ringer-Weltmeisters Frank Stäblers, der einen ehemaligen Hühnerstall seines Großvaters zu seinem Trainingsdomizil machte, um sich dort intensiv auf die Olympischen Sommerspiele 2021 in Tokio vorzubereiten. Jetzt ist Simon Schmid-Kemmeter kein Ringer, sondern ein Taekwondoler und auch kein dreifacher Weltmeister. Dennoch hat er in der Tat in einem alten Bauernhof für sich eine persönliche Trainingsstätte gebaut.

Der Athlet des Taekwondo Teams Buron Kaufbeuren nutzte den großen Lagerraum seines Anwesens in Beckstetten, um sich in Corona-Zeiten eine eigene Trainingsfläche zu errichten. Der Weg dort hinauf ist schon etwas verwinkelt. Unterhalb des Daches baute sich Simon Schmid-Kemmeter extra eine Etage dafür. Auf der acht mal acht Meter großen Fläche liegen nun 64 Matten, in der Mitte ein Standboxsack, an der Seite Bratzen und Schlagkissen. Auch eine komplette Schutzausrüstung darf nicht fehlen, wenn es dann doch einmal ordentlich zur Sache geht. Doch im Lockdown-November sieht es etwas anders aus. „Ich kann hier keine großen Leistungssprünge machen“, sagt der 32-Jährige, der sich primär hier fit halten will, weil Vereinstraining erst einmal untersagt ist. Von daher ist die eigene Trainingsfläche im Haus nicht das schlechteste.

Während sich die junge Vereinskollegin Hannah Zimmermann zumindest im Freestyle, eine Säule des Taekwondos, mit dem Gewinn des Bayerischen Meistertitels vor kurzem krönte, fehlt bei Simon Schmid-Kemmeter komplett die sportliche Perspektive. Zu gern würde er bei einer Bayerischen Meisterschaft dabei sein. Schon öfter habe er sich zwar qualifiziert, doch immer kam bei ihm etwas dazwischen. So auch ein Kreuzbandriss, der ihm einen Strich durch die Rechnung machte. „Es ist schon schwerer, wenn man kein Ziel vor Augen hat. Es wird mit Sicherheit allen anderen Sportlern genauso ergehen“, hofft er dann doch auf etwas Licht am Ende des dunklen Corona-Tunnels. Keiner könne sagen, wann wieder etwas Normalität stattfinden kann.

Dass er in seinem Alter noch leistungsfähig ist, muss er in seinem Job als Berufsfeuerwehrmann jeden Tag aufs Neue beweisen. Jetzt, wenn es in seinem Bauernhof aufgrund der kühlen Temperaturen durch die Ritzen zieht, muss sich Schmid-Kemmeter ordentlich aufwärmen. „Wenn ich das nicht mache, merke ich das schon“, steckt er aber mit seiner Ausdauer noch viele in die Tasche. Dennoch vermisst auch er ein gemeinsames Training wegen der Abwechslung. Derzeit darf er nur eine Person zum Training bitten. „Nach einer Zeit weiß man, wie sein Gegenüber tickt.“ Eines stellt der Ostallgäuer immer wieder fest: Sein Training daheim ist mit einem Vereinstraining nicht zu ersetzen. Trotzdem will der 1,96 Meter große Hüne, der auch im Besitz einer Trainerlizenz ist, sooft es nun auch geht, auf seine eigene Trainingsfläche schreiten, auch wenn es ihm verwehrt bleiben wird, noch Taekwondo-Weltmeister zu werden.

von Stefan Günter

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