Geisterspiele – Fehlende Unterstützung der Fans aus der Kurve

Die ESVK-Fans machen sich Sorgen

ESVK-Fan Stefan Kleinheinz vor den verschlossenen Türen der Erdgas Schwaben-Arena
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Mit etwas Wehmut steht ESVK-Fan Stefan Kleinheinz vor den verschlossenen Türen der Erdgas Schwaben-Arena. Die letzten Spiele seiner Joker konnte er nur im Sprade TV verfolgen.

Kaufbeuren – Der deutsche Profi-Eishockeysport steht vor einer ungewissen Zukunft. Eine Woche vor dem geplanten Saisonstart in der DEL 2 gibt es noch viele Fragezeichen, mit denen die Vereine in die neue Spielzeit starten müssen. Aber auch die Fans des ESVK sind verunsichert.

Viele Mannschaften aus den beiden Profi-Ligen kämpfen schon jetzt um das nackte Überleben. In der Deutschen Eishockeyliga (DEL), der höchsten deutschen Spielklasse, wurde der Saisonstart bereits zweimal verschoben. Rund die Hälfte der Vereine scheuen sich angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Situation ihren Kostenapparat nach oben zu fahren. Auch der Deutsche Eishockeybund (DEB) sucht krampfhaft nach neuen Teilnehmern für den traditionellen Deutschland-Cup, nachdem langjährige Teilnehmer wie Russland, Slowakei und die Schweiz aus Gründen der Corona-Pandemie bereits einen Rückzieher gemacht haben.

Bei aller Vorfreude auf den bevorstehenden Start am kommenden Freitag, 6. November, im Heimspiel des ESVK gegen die Eislöwen aus Dresden, herrscht bei den Fans auch eine gewisse Unsicherheit, was die neue Spielzeit betrifft. „Geisterspiele sind auf Dauer sicher keine Lösung. Gerade kleine Vereine wie der ESV Kaufbeuren können das über eine Saison hinweg ohne Zuschüsse bestimmt nicht überstehen“, so die Einschätzung des ESVK-Fans Stefan Kleinheinz, den alle im Stadion nur unter seinem Künstlernamen „Humpa“ kennen. Zwar haben die Buchungen über Sprade TV tolle Zuwächse bekommen, doch ist es ja nicht nur der Eintritt, der dem Verein verloren geht. Durch das Catering im Stadion und auch am Fan-Stand werden von Woche zu Woche entsprechende Umsätze regeneriert. Aber auch die Atmosphäre im Stadion kann über den Fernseher nicht ersetzt werden. „Beim ersten Geisterspiel haben wir noch im Trikot zusammen mit Freunden am Fernseher mitgefiebert, doch die aktuelle Corona-Entwicklung lässt selbst solche Treffen im privaten Umfeld nicht mehr zu“, bedauert Kleinheinz, der zugleich erster Vorstand beim ESVK-Fanclub Rot-Gelb Buronia ist.

Aber auch die Spieler vermissen die Kulisse im Stadion: „Uns fehlen die Fans total. Normal haben wir in der Erdgas Schwaben-Arena eine enorme Unterstützung von der Tribüne. Es hat sich diesmal angefühlt wie ein besseres Trainingsspiel“, sagte Stürmer Florian Thomas auf der vereinseigenen Homepage nach der ersten Geisterpartie gegen Bietigheim.

Die fehlende Unterstützung aus der Kurve ist natürlich auch bei den Fans ein Thema. „Selbst bei einer eingeschränkten Zuschauerzahl können wir nicht diese berühmt berüchtigte Stimmung erzeugen, da natürlich nicht alle aus den Fan-Clubs durch eine mögliche Begrenzung ins Stadion dürfen. Hier würde ich mir wünschen, dass auch die Zuschauer auf den Sitzplätzen sich an der Unterstützung für die Spieler auf dem Eis beteiligen, getreu dem Motto: Gemeinsam sind wir stark“, so der Wunsch von „Humpa“ an alle ESVK-Fans, die mit dem Verein verbunden sind. Doch die Kaufbeurer Fan-Szene sorgt mit ihrem Support nicht nur für eine tolle Stimmung im Stadion, sondern unterstützt den ESVK auch in dieser schwierigen Zeit. Mit dem Verkauf der „Solishirts“ zum Preis von 15 Euro konnte man dem Verein nun die stolze Summe von 6.000 Euro übergeben. „Das war wirklich eine coole Aktion“, lobt Kleinheinz seine Fan-Kollegen.

Aber auch der ESVK hat bereits im Sommer damit begonnen in verschiedenen Preiskategorien Unterstützerpakete anzubieten. Das reicht vom einfachen Ticket zum symbolischen Preis von 19,46 Euro pro Stück, über verschiedene Fanartikel, bis hin zu einem Platz auf dem Mannschaftsfoto. „Wir werden weiter alles versuchen. Hier im Verein gibt keiner auf, damit wir die Saison hinbekommen“, zeigt sich ESVK-Pressechef Philippe Bader kämpferisch und auch optimistisch. Beim Blick auf die Mannschaft sind die Prognosen von Stefan Kleinheinz weitaus zuversichtlicher: „Meine ersten Eindrücke geben mir ein gutes Gefühl. Ich glaube wir haben uns sinnvoll verstärkt. Auch das Tempo in den Spielen ist schon sehr gut. Zwar ist der Kader etwas schlanker geworden, aber so üppig werden in dieser Saison keine Vereine aufgestellt sein“, so die Einschätzung des Kaufbeurer Kult-Fan.

von Thomas Schreiber

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