Aus dem Eisstadion direkt ins Wohnzimmer

Geisterspiele in der DEL 2: Sprade TV überträgt alle Spiele der Joker

Das Übertragungsteam des ESVK
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Das Übertragungsteam des ESVK: Benedict Bidell (v. li.), Matthias Schmalholz und Markus Müller, sitzend Regisseur Sebastian Girstenbräu. Das Foto entstand vor dem Lockdown.

Kaufbeuren – An diesem Wochenende startet die DEL 2 in die neue Saison. Für den ESV Kaufbeuren beginnt die neue Spielzeit am Freitag mit einem Heimspiel gegen die Eislöwen aus Dresden. Am Sonntag folgt die Auswärtspartie in Bietigheim. Doch über der bevorstehenden Saison hängen auch viele Fragezeichen, denn mindestens bis Ende November müssen alle Spiele ohne Zuschauer ausgetragen werden. Wer jedoch trotzdem nicht auf die Bilder aus dem Stadion verzichten möchte, der kann auf den Live-Stream bei Sprade TV zurückgreifen.

War der auf Eishockey spezialisierte Streaming-Dienst in der Vergangenheit eine nette Ergänzung für die Auswärtsspiele, so wird dieses Angebot nun bei den Fans auf Grund der Geisterspiele vorerst die einzige Möglichkeit sein, Eishockey live aus dem Stadion zu sehen. „Wir freuen uns natürlich über jede einzelne Buchung zu den Heimspielen, somit bekommen wir wenigstens einen kleinen Ausgleich zum ausbleibenden Ticketverkauf“, sagt ESVK-Pressechef Philippe Bader. Konnten Interessierte vergangene Saison ein Spiel noch für 6,50 Euro verfolgen, so sind ab dieser Spielzeit pro Buchung 9,90 Euro fällig. „Dies wurde in der Liga so kommuniziert, denn die Mehreinnahmen kommen ausschließlich den Vereinen zu Gute“, erklärt Bader.

Bereits seit 2015 gibt es die Übertragungen aus Kauf­beuren. Was damals in der altehrwürdigen Sparkassen-Arena unter zum Teil abenteuerlichen Bedingungen begann, hat nun inzwischen ein sehr professionelles Format angenommen. „Der Verein hat seit dieser Zeit rund 30.000 Euro für Kameras und sonstiges Übertragungsequipment investiert“, beschreibt der Pressechef die Ausgaben. War damals beim ersten Spiel am 2. Oktober 2015 gegen Crimmitschau der leider zu früh verstorbene Ralf Leising noch einer der Pioniere, umfasst das komplette Team mittlerweile fünf Mitarbeiter für Technik, Regie und Kommentatoren, sowie vier weitere Kameraleute. „Wir wurden damals regelrecht ins kalte Wasser geworfen“, beschreibt Matthias Schmalholz, einer der Kommentatoren, die ersten Schritte in der Medienlandschaft. Doch einfach nur ins Stadion gehen, den Kopfhörer aufsetzen und los geht’s, mit dem ist es nicht mehr getan. „Natürlich muss man sich während der Woche mit dem Gegner beschäftigen. Aber auch die eine oder andere Hintergrundgeschichte muss man parat haben, um Spielunterbrechungen füllen zu können“, schildert Markus Müller seine persönliche Vorbereitung auf den Eishockeyabend am Mikrofon. Mit einer zusätzlichen Kamera kann das Medien-Team der Joker ab dieser Saison nun noch dynamischere Bilder auf den ­Fernseher zaubern. Vergleicht man die Übertragungen aus anderen DEL 2-Standorten, so braucht man beim ESVK keinen Vergleich scheuen. „Natürlich wollen wir uns ständig verbessern und auch die Übertragungen weiter optimieren“, sagt Bader, der ebenfalls am Mikrofon zu hören ist.

Eine besondere Vorausbildung hat keiner aus dem Team, es sind die Freude und die Leidenschaft, mit denen sie ihren ehrenamtlichen Job beim ESVK ausfüllen. Doch die Übertragung endet noch längst nicht nach der Schlusssirene. Unmittelbar danach macht sich Benedict Bidell auf dem Weg zur Eisfläche, um aktuelle Stimmen zum Spiel zu ergattern. „Wir versuchen natürlich dann Spieler ans Mikrofon zu bekommen, die in dieser Partie eine besondere Bedeutung hatten und ihnen ein paar interessante Sätze zu entlocken“, sagt Bidell, der die Interviews fundiert und souverän durchführt. Den Abschluss einer Übertragung bildet dann jeweils die Pressekonferenz mit den beiden Trainern, die rund 15 Minuten nach Spielende stattfindet. „Gerade bei ausländischen Trainern, die nicht Deutsch sprechen, schaue ich mir zuvor die eine oder andere Pressekonferenz vergangener Spiele an, um mich auch ein wenig auf mögliche Akzente einstellen zu können“, sagt ­Schmalholz, der die Pressekonferenzen leitet und auch die Antworten ins Deutsche übersetzt. Ist dann alles in trockenen Tüchern, freut man sich im Team auf ein gemeinsames Bier, um das Spiel noch einmal Revue passieren zu lassen.

von Thomas Schreiber

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