Seit 43 Jahren ist Dr. Peter Gleichsner Mannschaftsarzt beim ESV Kaufbeuren

Ein halbes Leben für den ESVK

ESVK-Mannschaftsarzt Dr. Peter Gleichsner
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Dr. Peter Gleichsner ist nicht nur Mannschaftsarzt des ESVK, sondern auch die gute Seele in der Kabine.
  • Martina Staudinger
    vonMartina Staudinger
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Kaufbeuren – Mit seinen 75 Jahren hat der Internist und Sportmediziner Dr. Peter Gleichsner schon längst das Rentenalter überschritten, doch ans Aufhören denkt der Kaufbeurer noch lange nicht. Zu groß ist seine Leidenschaft für das Eishockey und den ESV Kaufbeuren.

„Ich freue mich wirklich die ganze Woche schon darauf, wenn am Wochenende wieder ein Spiel ist“, beschreibt der Mediziner seine Begeisterung. Doch für Peter Gleichsner ist die Tätigkeit als Mannschaftsarzt weit mehr als ein Job. „Wir haben hier beim ESVK inzwischen ein ganz tolles Team, in dem wir uns fachlich gut ergänzen und auch menschlich super verstehen“, sagt der „Dino“ im Ärzteteam.

Eine große Auszeichnung und Ehre war für ihn die Ernennung zum Ehrenmitglied im Jahr 2013. Als er 1977 vom damaligen Vorstand Dr. Georg Vogg für diese Tätigkeit angesprochen wurde, ahnte er noch nicht, dass er mehr als sein halbes Leben im Eisstadion verbringen würde. Dabei war sein Debüt in einem Heimspiel gegen den Augsburger EV beinahe von einer ganz besonderen Tragik überschattet. „Eine Frau aus Augsburg hatte sich damals aus Enttäuschung über die Niederlage versucht die Pulsadern aufzuschneiden“, erzählt Gleichsner. Doch wenn er aus seiner endlosen Historie zum erzählen beginnt, überwiegen doch viele schöne Momente und unvergessene Begegnungen. Dabei taucht immer wieder der Name von Florian Strida auf. „Er war ein großartiger Mensch, der mit viel Feingefühl und taktischen Verstand die Mannschaft geführt hat“, berichtet Gleichsner über einen guten Freund, der 2016 im Alter von 81 Jahren verstorben ist. Mit ihm, aber auch verbunden mit den Topspielern Vladimir Martinec und Bohuslav Stastny aus der damaligen CSSR, hatte der ESVK Mitte der 1980er Jahre seine größten Erfolge. An die Begleitumstände aus der Skandalserie gegen den EV Landshut möchte der faire Sportsmann am liebsten gar kein Wort mehr verlieren. Selbst seine Frau wurde damals in Landshut mit Bier beschüttet, weil sie ihrem Mann auf der Spielerbank zugewunken hatte. Inzwischen ist auch sie wieder regelmäßiger Gast im Stadion. „Ohne das Verständnis meiner Familie wäre das über so einen langen Zeitraum nicht möglich gewesen“, so der nachträgliche Dank von ihm.

Mit Florian Strida und dem langjährigen Mannschaftsleiter „Pewa“ Werner hat ihn aber bei Siegen im eigenen Stadion stets ein besonderes Ritual verbunden. „Wir hatten im alten Stadion noch so eine Rumpelkammer für alles Mögliche. Wenn nach dem Spiel alles erledigt war, haben wir uns dort hin verzogen und einen gemütlichen Schnaps getrunken, den der Florian immer von seinem Vater aus Pardubice mitgebracht hatte. Das sind einfach schöne Momente gewesen, die man in all der Zeit nicht vergisst“, beschreibt der Doc die alten Erinnerungen. Natürlich freut sich der rüstige Rentner auch jedes Mal, wenn er alte Kaufbeurer Persönlichkeiten wie Manfred Schuster, Dieter Medicus, Horst Heckelsmüller, Beppo Riefler oder die Hegen-Brüder auf einen kurzen Plausch trifft.

So wie sich in den Jahren das Spieler und Trainerkarussell gedreht haben, so ist natürlich auch der Verein sehr positiv gewachsen. „Vieles war früher noch amateurhaft, aber auch schon strukturiert. Jedoch nicht mit den heutigen Bedingungen zu vergleichen“, schildert Gleichsner die Entwicklung im Umfeld. Auch die Anforderungen an die Spieler sind weitaus größer als damals. „Heute geht ohne eine sportmedizinische Komplettuntersuchung vor der Saison gar nichts mehr“, sagt der Arzt über die Richtlinien in der DEL 2. Auch wenn er inzwischen 43 Dienstjahre auf dem Buckel hat, so ist die Annäherung mit neuen Spielern immer eine neue Herausforderung. „Man muss für eine gute Zusammenarbeit gegenseitiges Vertrauen entwickeln und auch mit den Trainern ehrlich über Verletzungen im Sinne des Spielers kommunizieren“, sagt Gleichsner, der dabei dem letztjährigen Trainer Andreas Brockmann ein sehr verständnisvolles Zeugnis ausstellen konnte. Einen guten Eindruck konnte er auch bisher von Rob Pallin gewinnen. „Er macht einen sehr ruhigen Eindruck und man spürt die Wertschätzung gegenüber jedem einzelnen Spieler“, so die Sichtweite des Mannschaftsarztes.

Natürlich spielt in dieser Saison auch die Corona-Pandemie einen ganz besonderen Faktor. „Das ist eine große Herausforderung für uns alle, denn wir betreiben dazu einen riesigen Aufwand und hoffen dabei, dass alle gesund bleiben“, so Gleichsner. Nach drei Halbfinalteilnahmen in der DEL 2 würde sich der begeisterte Eishockey-Fan noch eine Finalteilnahme für seinen ESVK wünschen.

Joker bleiben in Quarantäne

Die komplette Mannschaft des ESV Kaufbeuren bleibt weiter in häuslicher Quarantäne. Bereits am Sonntag hat sich das Team vorsorglich aufgrund eines positiven SARS-CoV-2-Befundes im Schnelltest bei einem Spieler in Quarantäne begeben. Eine PCR-Testung ist am Montag erfolgt. Wie der Verein am Dienstag bekanntgegeben hatte, wurde ein Drittel der Mannschaft positiv getestet. Den betroffenen Akteuren gehe es gut, sie weisen keine bis leichte Symptome auf, schreibt der ESVK in seiner Pressemitteilung. Die Partie am Freitag in Freiburg wurde bereits auf den 8. Dezember verlegt. Sowohl die Partie am Sonntag, 22. November zwischen dem ESVK und den Eispiraten Crimmitschau als auch das Spiel am Dienstag, 24. November der Heilbronner Falken gegen den Kaufbeuren werden gemäß den Vorgaben der DEL2-Richtlinien abgesagt und verlegt. Neben den Bayreuth Tigers, die in der laufenden Spielzeit erst zwei Siele absolviert haben, ist der ESVK die zweite Mannschaft in der DEL 2, die unter Quarantäne gestellt ist. 

Neue Termine im Überblick:
Dienstag, 1. Dezember 20 Uhr Heilbronner Falken – ESV Kaufbeuren
Dienstag, 15. Dezember 19.30 Uhr ESV Kaufbeuren – Eispiraten Crimmitschau
Freitag, 5. Februar 2021 20 Uhr Heilbronner Falken – ESV Kaufbeuren

von Thomas Schreiber

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