Nach über 18 Jahren ist Schluss

Kaufbeurer Judoka Lisa Dollinger beendet ihre aktive Karriere

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Lisa Dollinger mit ihrem Mentor und Trainer Dieter Zimmermann.

Kaufbeuren – Als Lisa Dollinger kürzlich bei den Bezirksmeisterschaften der jungen Nachwuchsjudoka in Kaufbeuren die Halle betrat, leuchteten ihre Augen. Sie erinnerte sich an ihre Anfänge, an viele schweißtreibende Einheiten, an Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene. Über 18 Jahre stand die Nationalkaderathletin des TV 1858 Kaufbeuren auf der Tatami. Doch nun ist Schluss. Die 24-Jährige hat im Gespräch mit dem Kreisbote ihr Karriereende angekündigt.

In Kaufbeuren hat sie angefangen. Ihre ersten Schritte machte sie noch in der Schraderturnhalle. Damals hatte sie nicht in den kühnsten Träumen daran gedacht, jemals international auf einem so großem Niveau kämpfen zu dürfen. Dollinger kam per Zufall zum Judosport. Schon damals erkannte Abteilungsleiter Dieter Zimmermann ihr großes Talent. „Ihm habe ich sehr viel zu verdanken“, sagt Dollinger in Richtung des Abteilungsleiters. „Lisa hat immer schon mit den Jungs gerauft“, erinnert sich Zimmermann an ihre Anfänge zurück. Dollinger war stets hellhörig, wollte mehr als ihre Gleichgesinnten. „Sie war immer kritikfähig und geradlinig, wirkte nie arrogant, auch als die sportlichen Erfolge kamen“, erzählt Zimmermann stolz.

Lisa Dollinger schaffte den Sprung in den Bayernkader. Ihr Weg führte sie in die Nationalmannschaft. Sie gewann internationale Medaillen. Der Leistungssport forderte allerdings ihren Tribut. Zwei Kreuzbandrisse, eine Schultereckgelenkssprengung, eine Fingerversteifung und jüngst ein erneuter Kreuzbandriss waren die Folge. „Ich habe meinem Körper in den vergangenen Jahren sehr viel zugemutet.“ Sie sei mit dem Judo erwachsen geworden, habe viele Höhen und Tiefen erlebt. Über 18 Jahre war sie fast täglich auf die Matte, nicht zu vergessen die zahlreichen Trainingslager und Wettkämpfe.

Die Olympischen Spiele waren für Lisa Dollinger immer das erklärte Ziel, doch zerplatzte der Traum von einem auf den anderen Tag wie eine Seifenblase. „Durch die Verletzung ist eine Teilnahme für mich unerreichbar geworden“, zog sie für sich nun ihre persönlichen Konsequenzen. Lisa Dollinger macht einen Schlussstrich unter ihre aktive Laufbahn, auch wenn es ihr sehr schwer fällt. „Sicherlich bin ich traurig, dass es vorbei ist. Doch irgendwie fällt mir auch eine Last von den Schultern“, ist sie an einem Punkt angekommen, wo sie auch für sich eine berufliche Perspektive schaffen möchte. Dollinger überlegt eine Ausbildung zur Orthopädietechnikerin zu beginnen. Bis September 2020 gehört sie noch der Sportfördergruppe der Bundeswehr an.

Auch mit Dieter Zimmermann hat sie über das Karriereende gesprochen. „Lisa geht nun den für sie wichtigen nächsten Schritt“, sieht der Judochef die 24-Jährige künftig auch als Trainerin. Obwohl Judo immer ihr Steckenpferd bleiben wird, möchte die Kaufbeurerin, die in München wohnt, erst einmal Abstand vom Judo bekommen. Sie wolle neu durchstarten, erst einmal ihre Verletzung auskurieren. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, wieder als Trainerin zurück nach Kaufbeuren zu kommen“, blickt sie in demselben Moment wieder auf das Geschehen in der Wettkampfhalle. Hier ist sie zuhause und auch jederzeit willkommen.

von Stefan Günter

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