"Die Erinnerungen verbleichen nicht"

Zum Tode von Hans Kerpf

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Das Mannschaftsfoto von 1969/70: Hans Kerpf (vorne 2. v. li.)trägt die Nummer 20.

Kaufbeuren – Der ESV Kauf­beuren musste in jüngster Zeit gleich zwei große Verluste beklagen. Wie berichtet, verstarb der langjährige geschäftsführende Vorstand Kurt Dollhofer am 22. November im Alter von 67 Jahren nach kurzer, aber sehr schwerer Krankheit. Bereits am 25. Oktober verstarb in Hainburg am Main der langjährige ESVK-Stammtorwart aus den sechziger und siebziger Jahren, Hans Kerpf, im Alter von 76 Jahren. Aus gegebenen Anlass möchte der Kreisbote an die ESVK-Größe erinnern. Den Nachruf schrieb Manfred Kraus, Autor des Buches „Augenblicke – Leidenschaft ESVK“.

Abgegriffen ist die oftmals in Händen gehaltene Fotografie, abgegriffen, vergilbt und eingerissen. Die Jahrzehnte haben dem Bild zugesetzt, haben es geknickt und brüchig werden lassen. Das Gesicht des Spielers mit der Nummer zwanzig aber ist deutlich zu erkennen, sein lichter Haaransatz, seine Koteletten, sein Blick. Er hütete damals das Tor. Ende der Sechziger.

Als mich mein Vater zum ersten Mal mitnahm zum Eishockey nach Kaufbeuren. Mit großen Augen und offenem Mund verfolgte ich staunend das mitreißende Geschehen auf der anfangs noch nicht überdachten Eisfläche, war ich vom ersten Augenblick an vom rotgelben Eishockeyfieber befallen. Ich war noch ein Bub. Und er stand im Tor. Hans Kerpf.

Für mich stellt er den Inbegriff des Kaufbeurer Eishockeytorwarts dar, denn Hans Kerpf hütete nicht nur das Gehäuse, als mir der Eissportverein von der Wertach ans Herz wuchs, vielmehr war er auf Jahre hinaus die bewährte Konstante zwischen den Pfosten des ESVK. Zunächst im Zusammenwirken mit Wolfgang Haberstock, dann gemeinsam mit dem blutjungen Erich Weishaupt, der sich an seiner Seite vortrefflich entwickelte und später zum Weltklasseschlussmann heranreifen sollte.

Sinnend halte ich die abgegriffene, vergilbte Aufnahme in meinen Händen. Sie ist eng mit meinen Kindheitserinnerungen verbunden. Ich sehe seine Torwartkelle, seine dicken Beinschoner, seine Fanghand. Und seine Augen, die er nun aber nie mehr aufschlagen wird. Hans Kerpf ist tot. Gestorben Ende Oktober in Hainburg am Main. Im Alter von 76 Jahren. Nach einem erfüllten Leben, wie es die Todesanzeige ausdrückt.

Neben ihm sind auf dem alten Mannschaftsfoto Fredl Hynek und Florian Strida zu erkennen, Joe Scholz und Walter Köberle, Pit Ustorf und Manfred Hubner. Wehmut hält Einzug in meine Gedanken. Der Abschied schmerzt. Berührt. Geht nahe. Hans Kerpf ist ein großer Verlust. Der ehemalige Spieler, der Mensch. Ein Stück vom guten alten ESVK ist hinausgegangen mit ihm.

Die Erinnerungen aber sind wach. Sie verbleichen nicht. Werden bleiben. Die Erinnerungen an einen zuverlässigen Torwart und an einen großen Sportsmann. Sein Name ist untrennbar mit dem Eissportverein Kaufbeuren verbunden.

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