Nachgefragt: Norbert Schmidbauer über seine Zeit beim TSV Marktoberdorf

Abschied nach zwölf Jahren

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Norbert Schmidbauer sagt: "Es war eine ganz tolle Zeit beim TSV".

Marktoberdorf – Mit dem letzten Spiel in Lamerdingen ist eine lange Ära beim Fußball-Bezirksligisten Marktoberdorf am Wochenende offiziell zu Ende gegangen. Nach genau zwölfeinhalb Jahren beendete der Kaufbeurer Norbert Schmidbauer sein Trainerengagement in der Kreisstadt.

In den vergangenen zwölfeinhalb Jahren erlebte Cheftrainer Norbert Schmidbauer mit seiner Mannschaft zwei Aufstiege, drei Siege bei den Vorrundenturnieren zur Schwäbischen Hallenmeisterschaft und namhafte Duelle auf schwäbischer Ebene unter anderem gegen Gersthofen, Affing, Kottern, Sonthofen und die SpVgg Kaufbeuren. Jetzt verlässt das Urgestein den Platz auf der Trainerbank. Der Kreisbote zog gemeinsam mit Norbert Schmidbauer Bilanz. 

Mit dem letzten Spiel in Lamerdingen ist auch Ihre Ära beim TSV Marktoberdorf nun endgültig vorbei. Wie haben Sie die letzten 90 Minuten empfunden und erlebt? 

Schmidbauer: „Ganz entspannt. Ich hätte natürlich gerne gewonnen. Aber: Für uns war ja alles schon im Vorfeld gelaufen. Lamerdingen war noch ein ungeliebter Pflichttermin“ 

Wie haben Sie die letzte Trainingswoche erlebt? 

Schmidbauer: „Das war einfach nur easy. Es hat eigentlich überhaupt nicht mehr interessiert. Wichtig war nur der Klassenerhalt, die Freude nach dem Sieg gegen Wiggensbach und dem damit verbundenen Verbleib in der Klasse war immens. Nach dem Spiel in Wiggensbach gab es noch eine intensive Spontanfeier im Clubheim“. 

Würden Sie dem zustimmen, dass es im Nachhinein schon eine turbulente Saison war: Mit Höhen und Tiefen, mit großem Verletzungspech und am Ende mit einem Klassenverbleib Ihrer Mannschaft? 

Schmidbauer: „Natürlich war es eine turbulente Saison. Wir sind am Anfang nicht richtig in Tritt gekommen. Meistens spielten wir aber richtig überlegen. Wir haben jedoch unfassbar viele Punkte hergeschenkt beziehungsweise mit Pech eingebüßt. Ursächlich für das ‚Nicht in Tritt kommen’ war auch die neue Ligenreform – in meinen Augen ein unüberlegter Schnellschuss der Funktionäre. Dem TSV, und nicht nur dem, hat es die Motivation geraubt, dass durch die Reform die BOL abgeschafft wurde. In der Rückrunde haben wir uns erst mit dem Spiel in Fellheim teilweise mit den Begebenheiten angefreundet. Vor dem Lamerdinger Spiel haben wir 24 Punkte geholt“. 

Es kam ja auch im Jahr 2013 ein extremes personelles Problem durch viele verletzte Spieler dazu, die es galt zu kompensieren… 

Schmidbauer: „Zu dem Wechsel meines Sohnes Alexander zur SVK kamen eben die Langzeitverletzungen von Martin Vogler, Christian Hauser, Norbert Bickel und Alex Huber sowie die berufliche Abwesenheit von Manfred Leonhart und Bernhard Eiband hinzu. Uns haben in der Rückrunde sieben Topleute gefehlt. Dies konnte in der Winterpause mit der Verpflichtung von Erdem Aksoy abgemildert werden. Ich habe den Kader dann mit einigen Spielern der Zweiten Mannschaft aufgefüllt und hier teilweise überragende Ergebnisse erzielt. Die Personalnot war zum Teil so groß, dass in Friedberg der etatmäßige Torwart Markus Waldvogel als Feldspieler zum Einsatz kam und im Spiel in Haunstetten der Torwart der Zweiten Mannschaft, Christoph Strehle, aushalf. Zudem halfen mit meinem ehemaligen Kapitän Michael Pfan- ner, Martin Zischka, Michael Kaufmann und Jens Kaiser zeitweise vier Spieler aus, die sich jeweils sozusagen als ,reaktivierter Spieler’ in den Dienst der Mannschaft stellten“. 

Wie würde Ihr Resümee für die Saison ganz spontan und kurz gesagt ausschauen? 

Schmidbauer: „In der Hinrunde pfui, die Rückrunde – alle Achtung – ein vierter Tabellenplatz!“. 

Wie wichtig war es für Sie, dass Sie den Verein mit einem Nichtabstieg verlassen? 

Schmidbauer: „Mit dem Abstieg habe ich mich gedanklich nie befasst, auch wenn wir einen totalen personellen Umbruch zu bewältigen hatten“. 

Was nehmen Sie aus Ihrer sehr langen Zeit als Cheftrainer beim TSV mit? 

Schmidbauer: „Aus den nun zwölfeinhalb Jahren nehme ich sehr viel mit: ich durfte in Marktoberdorf tolle Persönlichkeiten kennenlernen – sowohl im Spieler- als auch im Funktionärsbereich. Für den sportlichen Erfolg war mit Sicherheit maßgeblich der respektvolle Umgang aller beteiligten Personen miteinander. Nur deswegen bin ich auch so lange geblieben. Mit den bescheidenen Mitteln, die uns zur Verfügung standen, haben wir uns immer sehr gut verkauft. Der TSV ist zu einer konstanten Größe im schwäbischen Amateurfußball geworden. Ich werde mit ganz viel Zuneigung und Wohlwollen den weiteren Weg des TSV verfolgen“. 

Wie geht es jetzt für Sie weiter? 

Schmidbauer: „Erst einmal gönne ich mir eine Pause. Ich nehme jetzt keinen Trainerposten an. Es war für mich eine lange und ganz tolle Zeit, da muss ich emotional erst einmal runterkommen. Seit 1987 bin ich nun Trainer. Jetzt kann ich über meine Zeit selber verfügen“. 

Wir danken für das Gespräch. Das Interview führte Stefan Günter.

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