Trainieren im Wohnzimmer

Physiotherapeut Markus Nieberle begeistert den Nachwuchs beim SVO Germaringen mit Cyber-Training

Markus Nieberle und Sohn Johannes trainieren via Bildschirm mit den Mannschaftskollegen.
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Markus Nieberle und Sohn Johannes trainieren via Bildschirm mit den Mannschaftskollegen.

Germaringen – Improvisieren ist derzeit im Amateursport angesagt, denn niemand kann aktuell vorhersagen, wann mit dem Spiel- und Trainingsbetrieb wieder begonnen wird. Dabei droht gerade im Nachwuchs, dass bereits durch den zweiten Lockdown ganze Jahrgänge verloren gehen.

„Es geht nicht nur um das fehlende Training, sondern vielmehr darum, die Jugendlichen durch gemeinsame Aktivitäten bei der Stange zu halten“, sagt Jugend-Ressortleiter Christian Gabler vom SVO Germaringen. Das Cyber-Training ist derzeit die einzige Möglichkeit, um beides zu vereinen.

Physiotherapeut Markus Nieberle aus Mauerstetten, dessen Sohn Johannes seit Sommer 2020 beim SVO spielt, hat dieses Thema zusammen mit seiner Familie aufgenommen und nun seit Weihnachten ein spezielles Trainingsprogramm erarbeitet. Mit seiner Anregung ist er natürlich beim Trainerteam der E-Jugend auf offene Ohren gestoßen, so dass sich nun auch die D-Junioren aus der Bezirksoberliga mit angeschlossen haben. „Es ist wichtig, dass wir mit ganz einfachen Hilfsmitteln arbeiten und so kann man ganz tolle Übungen kreieren. Das reicht von verschiedenen Tubber-Deckeln, über Tennisbälle bis zu gefüllte Wasserflaschen aus Plastik“, sagt Markus Nieberle, der positiv überrascht war, wie kreativ die Spieler waren, wenn es um die Trainingsmöglichkeiten in der Wohnung ging.

„Da wurden schnell einmal ganze Zimmer leergeräumt und auch eine Garage wurde zur Turnhalle umfunktioniert“, erzählt Nieberle vom Einfallsreichtum von Spielern und Eltern. Zusätzliche Anregungen konnte sich der 42-Jährige bei seinem Sohn holen, der an einem Fördertraining des FC Augsburg teilnimmt. „Nach einem Warm-up, Stabilisationsübungen, einer Verletzungsprophylaxe und koordinativen Übungen steht zum Abschluss ein noch ausführliches Dehnprogramm meiner Frau Kerstin auf der rund 45-minütigen Trainingsagenda. Wir wollen das zeitlich jedoch nicht zu sehr ausreizen, denn der Spaß soll natürlich im Vordergrund stehen“, berichtet Markus Nieberle, dessen Frau normalerweise in der eigenen Praxis selbst verschiedene Präventionskurse anbietet. „Natürlich gehört auch noch coole Musik dazu, doch dafür sorgen die Jungs schon von selbst“, erzählt der ehrgeizige Sportler, der eigentlich aus dem Handball und Tennissport kommt.

Nach dem Startschuss vor den Weihnachtsferien hat man nun gemeinsam gut zehn Einheiten absolviert, bei denen sich in der Regel zwischen 30 und 35 junge Sportler in den Zoom-Dienst einklinken. Ressortleiter Christian Gabler ist begeistert von dieser Idee und auch die C-, B- und A-Jugendlichen im Verein absolvieren ein vergleichbares Programm. „Die Initiative, aber auch die Begeisterung der Spieler verkörpert perfekt unsere Philosophie in der Nachwuchsarbeit und gibt uns eine Bestätigung für den eingeschlagenen Weg“, sagt Gabler, der trotz der eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten ständig im Austausch mit seinen Kollegen im Jugend-Ressort ist und nach neuen Ideen und Optimierungsmöglichkeiten sucht.

Thomas Schreiber

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