Ohne Zuschauer

Plötzliche Wende: Sportminister Herrmann gibt nun doch grünes Licht für Testspiele

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Nun dürfen auch Nico Beutel (am Ball) und seine Teamkollegen vom FC Thalhofen wieder Testspiele bestreiten.

Ostallgäu – Wer blickt hier noch durch? Der Ministerrat hatte in seiner letzten Kabinettssitzung vor der Sommerpause beschlossen, dass weiterhin keine Test-, Freundschafts- und Vorbereitungsspiele möglich sind. Allein diese Nachricht sorgte bei vielen Fußball-Teams in der Region für Missstimmung und Enttäuschung. Doch am Mittwochabend folgte dann überraschenderweise die spektakuläre Kehrtwende, als Sportminister Joachim Herrmann dann doch grünes Licht für die bayerischen Fußball-Teams gab.

Diese Nachricht ging buchstäblich durch die Decke. Es dürften wohl die deutlichen Worte von Dr. Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes gewesen sein, der die Politik in München zum Einlenken brachte. Der BFV-Spitzenfunktionär schrieb öffentlich auf Facebook: „Wer ein Trainingsspiel Olympique Marseille gegen den SV Heimstetten erlaubt, der sollte auch Trainingsspiele für die bayerischen Amateurvereine erlauben.“ Übrigens: Die Partie fand bereits am 22. Juli statt, per Sondergenehmigung, und Heimstetten verlor mit 1:6. Noch am Dienstag verkündete die Bayerische Staatsregierung, dass sich die Kicker weiterhin in Geduld üben müssten. Die Kritik der Fußballer wurde aber immer lauter. Auch Florian Sprenzel, Abteilungsleiter des FC Thalhofen, zeigte sich noch vor der überraschenden Wende enttäuscht. „Die Entscheidung nicht zu spielen, ist aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar“, verweist er dabei auf die anderen Bundesländer, die – anders als Bayern – , Vorbereitungs- und Testspiele erlauben. Selbst in Österreich darf der Ball rollen. Wohlgemerkt alles unter den strengen Auflagen der Hygienevorschriften. „Bayern kocht hier sein eigenes Süppchen.“ Noch deutlicher bei seiner Wortwahl ist Matthias Jäger, stellvertretender Fußball-Abteilungsleiter des TSV Oberbeuren: „Wir haben doch auch das Recht Testspiele zu bestreiten. Wir dürfen trainieren, duschen, aber nicht Fußball spielen?“, schüttelt er den Kopf. Jetzt kann der Funktionär dann doch froh über die Lockerungen sein. Einige wichtige Stammspieler hätten bereits signalisiert, keine Lust mehr zu haben. Ihnen fehle schlicht die Motivation, weil es keine Testspiele gebe. Glücklicherweise sei dieses Thema erst einmal vom Tisch.

Auch Franz Zimmermann vom SVO Germaringen warb für Testspiele. „Die ganze Fußball-Familie hat sich doch bis jetzt gut verhalten.“ Seit 2013 gebe es den elektronischen Spielberichtsbogen. „Dort sind alle Spieler, Trainer und Betreuer bis ins letzte Detail erfasst.“ Eine Nachverfolgung sei also zu jeder Zeit möglich, ergänzt der erfahrene Übungsleiter.

Genau das ist nun Voraussetzung dafür, dass am Wochenende wieder auf den Fußballplätzen der Region gekickt werden darf. Laut BFV gilt: Sofern Trainingsspiele vereinsübergreifend angesetzt werden, sind diese aufgrund der aktuellen pandemischen Lage auf Partien zwischen Vereinen aus Bayern begrenzt, eine namentliche Erfassung aller am Spielbetrieb Beteiligten ist zu gewährleisten und die Spiele sind ohne Zuschauer abzuhalten. Das Innenministerium begründet in einem Schreiben die weiteren Lockerungen wie folgt: „Der organisierte Sport hat in dieser schwierigen Phase Verantwortung übernommen und nicht nur die seitens der Staatsregierung auferlegten Regeln und Einschränkungen befolgt, sondern auch nach außen hin unterstützt. Bereits mit Umsetzung der ersten Lockerungsschritte hatte sich gezeigt, dass der organisierte Sport mit den neu gewonnenen Freiheiten pflichtbewusst umgeht und die Ausübung des Sports im Rahmen der gesetzten Vorgaben sicherstellt.“

von Stefan Günter

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