Eine ereignisreiche Saison ist zu Ende

ESVK Rückblick: Nach holprigem Start gelingt Teilnahme an Playoffs

75-jährige Jubiläum des ESV Kaufbeuren
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Statt einem großen Fest zusammen mit den Fans erinnerte im Stadion lediglich eine Choreo an das 75-jährige Jubiläum des ESV Kaufbeuren.

Kaufbeuren – Mit dem Ausscheiden im Playoff-Viertelfinale gegen den EHC Freiburg ging für den ESV Kaufbeuren am vergangenen Wochenende eine ereignisreiche Saison zu Ende. Eine Spielzeit, die durch die Corona-Pandemie geprägt war und von allen Beteiligten viel Entbehrlichkeit gefordert hat. Der Kreisbote hat diese Saison noch einmal aufgearbeitet und wichtige Fakten und Personalien unter die Lupe genommen.

Die Saison 2020/21 in Zahlen

Nachdem die Hauptrunde nach 50 Spieltagen vorzeitig abgebrochen wurde, hat der ESV Kaufbeuren mit 80 Punkten und einem Punkteschnitt von 1,6 einen hervorragenden sechsten Platz belegt. Das Torverhältnis lautete dabei 181:187. Mit insgesamt 450 Strafminuten und einem Schnitt von neun Minuten pro Spiel belegte der ESVK Platz sechs. Im Powerplay erreichten die Joker eine Erfolgsquote von 21 Prozent, das den siebten Platz unter 14 Teams bedeutete. Mit 71,7 Prozent belegte der ESVK im Unterzahlspiel den letzten Platz. Bester Scorer im Team nach der Hauptrunde war John Lammers mit 25 Toren und 41 Vorlagen.

Der Saisonverlauf

Durch die Corona-Pandemie belastet verlief auch die Vorbereitung schon etwas holprig. Dazu kam die frühe mannschaftliche Quarantäne nach wenigen Spieltagen. Zahlreiche verletzte Spieler, darunter auch Leistungsträger wie Torjäger Sami Blomqvist und auch Torhüter Stefan Vajs, sowie die eine oder andere Schwächung nach einer Corona-Erkrankung, sorgten dafür, dass der ESVK lange Zeit mit sich selbst zu kämpfen hatte. Ab Februar konnte die Mannschaft dann zusammen mit dem Trainer den Schalter umlegen und spielte ab diesem Zeitpunkt ein starke zweite Saisonhälfte, die mit dem sechsten Platz nach der Hauptrunde belohnt wurde.

Die Playoffs

Mannschaft und Fans gingen gleichermaßen mit einem guten Gefühl in die Serie gegen den EHC Freiburg. Die Ergebnisse aus der Hauptrunde versprachen schon im Vorfeld eine enge Serie, die letztendlich im fünften Spiel erst entschieden wurde. Aus Kaufbeurer Sicht ärgerlich, dass man die gute Ausgangsposition durch den Sieg im Spiel drei nicht im darauffolgenden Heimspiel mit dem Halbfinaleinzug nutzen konnte. Doch just ab dieser Partie war es den Jokern nicht mehr möglich, an die Leistung der vorigen Spiele anzuknüpfen.

Der Geschäftsführer

Michael Kreitl gehört nicht zu den Lautsprechern der Liga und pflegt Probleme prinzipiell intern zu lösen. Als jedoch im Januar der Unmut durch die enttäuschenden Leistungen immer größer wurde, bezog auch er in einem Interview deutlich Stellung zur aktuellen Lage. Ohne dabei Namen zu nennen, sprach er davon, dass nun einige Spieler auf Bewährung spielen und sich wohl beim ESVK so eine Art Wohlfühloase gebildet habe. Denn die Leistungen waren alles andere als zufriedenstellend. Offensichtlich sind die Worte angekommen, denn ab diesem Zeitpunkt ging die Leistungskurve deutlich nach oben.

Der Trainer

Rob Pallin war der auserkorene Wunschkandidat von Geschäftsführer Michael Kreitl. Er versprach seinerzeit attraktives Eishockey, das jedoch auch Umstellungen im Spielsystem mit sich bringen würde. Die Begleitumstände der Corona-Pandemie, aber auch zahlreiche Verletzungen sorgten für einen durchwachsenen Start. Für Kaufbeurer Verhältnisse eher ungewohnt deutlich reagierte der US-Amerikaner damit, dass er den einen oder anderen Spieler kurzzeitig auf die Tribüne verbannte. Die Maßnahmen zeigten Wirkung und mit den starken Monaten Februar und März arbeiteten sich die Joker vom Tabellenende in die Playoff-Plätze. Auch wenn die Arbeit und die Außendarstellung von Pallin unter den Fans unterschiedlich wahrgenommen wird, hatte er damit wohl gute Gründe bei der Vereinsführung hinterlassen, die für eine Weiterverpflichtung gesorgt haben.

Die Torleute

Durch die langwierige Verletzung von Stefan Vajs hatte der ESVK auf dieser Position die größte Baustelle in dieser Saison. Insgesamt kamen fünf verschiedene Torleute zum Einsatz, darunter auch die beiden Neuzugänge Maximilian Meier und Benedikt Hötzinger, die man beide vom Kooperationspartner aus Füssen ausleihen konnte. Die Saison hat jedoch gezeigt, dass man auf dieser Schlüsselposition zwei starke Torleute aufbieten muss, sonst kann man keinen dauerhaften Erfolg für sich beanspruchen.

Die Verteidiger

In Anbetracht der Anzahl der Gegentore, wird immer schnell bei den Verteidigern nach den Gründen gesucht. Doch bekanntlich geht die Defensivarbeit bereits bei den Stürmern los und die wurde insbesondere in der ersten Saisonhälfte nicht in der vom Trainer gewünschten Form erfüllt. Oft agierten die Sportler zu sorglos im Zweikampf und ließen auch bei den Gegnern zu viele Schüsse zu. Mit der Verpflichtung der beiden Torhüter vom EV Füssen wurde auch das Defensiv­verhalten vom gesamten Team deutlich besser. Durch die bevorstehenden Abgänge wird die Abwehr zur neuen Saison jedoch ein anderes Gesicht bekommen.

Die Stürmer

Einmal mehr wurde deutlich, dass Sami Blomqvist die personifizierte Lebensversicherung für den ESVK ist. Mit seiner Rückkehr war auch der Aufschwung ab Februar sehr stark verbunden. Ohne ihren Topstürmer blieben auch seine Sturmkollegen Branden Gracel und Joey Lewis zuvor weitgehend blass. So lasteten die Bemühungen der Joker hauptsächlich auf der Sturmreihe um Tyler Spurgeon und John Lammers und waren daher für die Gegner zu leicht berechenbar. Hinter den beiden Top-Reihen klaffte dann eine Lücke, sodass die Spieler dahinter oft deutlich weniger Eiszeiten bekamen. Mit Philipp Krauß, Martin Schweiger und Max Oswald stehen jedoch junge Leute parat, die schon in der nächsten Saison einen weiteren Schritt machen werden.

Die Neuzugänge

Die von Rob Pallin nach Kaufbeuren gelotsten Kanadier Tyler Spurgeon und John Lammers haben die erhofften Erwartungen erfüllt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat sich auch Fabian Voit für den ESVK zu einem echten Glücksgriff erwiesen, dessen Entwicklung noch nicht am Ende scheint. Eine Weiterverpflichtung wäre dementsprechend sehr erstrebenswert. Mit viel Vorschusslorbeeren wechselte Sören Sturm zum Jahreswechsel an die Wertach. Leider konnte er durch Verletzungen beeinträchtigt noch nicht sein durchaus vorhandenes Potential zeigen. Die während der Saison aus Füssen ausgeliehenen Torleute Maximilian Meier und Benedikt Hötzinger haben ihre Erwartungen mehr als erfüllt und hatten maßgeblichen Anteil, dass der ESVK ab Februar richtig gut in die Spur gekommen ist.

Der Aufsteiger der Saison

Philipp Krauß aus dem eigenen Nachwuchs hatte sich zu Beginn eher auf eine spannende Saison in den DNL 1 gefreut, doch dann spielte sich der 20-Jährige ausgerechnet im Trikot des EV Füssen in das Notizbuch von Rob Pallin. Es folgte sogar die Beförderung in die Top-Reihe zu Tyler Spurgeon und John Lammers und auch in Über- und Unterzahl bekam er das Vertrauen vom Trainer. In seiner Premierensaison schaffte es der Stürmer auf zehn Tore und zehn Vorlagen. Für seine Leistungen wurde der Spieler von der Liga zum Rookie des Jahres gewählt. Schön, dass er in der kommenden Saison weiter im Trikot des ESV Kaufbeuren zu sehen ist.

Der Höhepunkt der Saison

Waren die Höhepunkte in der ersten Saisonhälfte eher dünn gesät, so vereinten die Joker ab Februar kämpferisches Element verbunden mit spielerischer Qualität zu tollen Erfolgen, die sich auch in der Tabelle widerspiegelten. So darf man den knappen und hart umkämpften 4:3-Heimsieg am 6. März gegen den überragenden Tabellenführer aus Kassel sicher zum Höhepunkt dieser Spielzeit machen.

Die Fans

Die Anhänger des ESVK werden nicht umsonst gerne als die besten Fans der Liga bezeichnet. Umso bitterer war es für die Mannschaft, dass man die gesamte Spielzeit gänzlich auf deren Unterstützung verzichten musste. So blieben als Reaktion auf die Leistungen lediglich die Kommentare in den sozialen Netzwerken, die je nach den Ergebnissen recht unterschiedlich ausgefallen waren.

Die Kooperation

Wer hätte vor Saisonbeginn gedacht, dass der ESVK aus der Zusammenarbeit mit dem EV Füssen mehr profitieren würde, als der Oberligist? Die eigenen Nachwuchsspieler sollten dort Spielpraxis bekommen, doch die zahlreichen Verletzungen haben dafür gesorgt, dass die jungen Leute zum Teil sofort ins kalte DEL 2-Wasser geworfen wurden. Große Zugeständnisse hat der EV Füssen auch bei seinen Torleuten gemacht, die der Altmeister beide nach Kaufbeuren ausgeliehen hat. Bei den Spielern nachgefragt, so gibt es unter den Akteuren die Rivalität früherer Jahre längst nicht mehr. Was auch an den handelnden Personen liegt. Eine weitere Zusammenarbeit scheint daher durchaus erstrebenswert zu sein.

Der Ausblick

Schenkt man den Aussagen von Kreitl und Pallin – bei dessen Vertragsverlängerung – glauben, so wird es wohl diesmal den bereits nach der Vorsaison angekündigten Schnitt im Team geben. Der Geschäftsführer wird dabei wohl auch darauf geachtet haben, wer in der schwierigen Phase dieser Saison seinen Mann gestanden und mit Leistung überzeugt hat. Jedoch wird es wieder ein schwieriger Spagat werden: Auf der einen Seite die wirtschaftliche Vernunft, die den Verein seit Jahren ausgezeichnet hat, auf der anderen Seite ein schlagkräftiges Team auf die Beine zu stellen, das die Fans wie auch Sponsoren überzeugt.

Das Jubiläum

Am 15. Januar durfte der ESV Kaufbeuren sein 75-jähriges Jubiläum feiern. Dass dieser Tag ausgerechnet auf einen Freitagabend mit einem Heimspiel-Derby gegen die Towerstars aus Ravensburg gefallen ist, hätte perfekt zu einer großen Party gepasst. Ein Jubiläum ohne Fans war für den Verein jedoch keine Option. So werden sich beide Seiten gedulden müssen, bis die Corona-Pandemie wieder Festivitäten im größeren Rahmen zulässt. Im Stadion erinnerte lediglich ein kleines Banner hinter dem Tor an die großartige Historie des ESVK.

Thomas Schreiber

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