Alternativen?

Warum es schwer ist, einen geeigneten Nachfolger für Jogi Löw zu bekommen

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Darf weitermachen im Kreis seiner Spieler: Bundestrainer Joachim Löw.

Kaufbeuren/Ostallgäu – Keine Personalie wird derzeit so kontrovers diskutiert wie die von Joachim Löw. Der Bundestrainer steht seit der jüngsten 0:6-Blamage gegen Spanien in der Fußball-Nations League erneut unter Beschuss. Die Stimmen werden immer lauter, dass endlich ein Schlussstrich gezogen werden sollte. Doch vorerst ändert sich nichts. Löw soll wohl mindestens bis zur Europameisterschaft im kommenden Jahr in Amt und Würden bleiben. Der Kreisbote hat Reaktionen von Fußballern und Trainern aus der Region zusammengefasst.

Rrust Miroci, Trainer BSK Olympia Neugablonz: „Bis zum Gewinn des Weltmeistertitels 2014 hat Löw eine gute Arbeit geleistet. Er hätte bereits nach der EM gehen müssen. Dass die WM in Russland ein Desaster war, ist allen bekannt. Ich verstehe nicht, warum sie weiterhin an ihm festhalten. Er liegt halt in einem warmen gemachten Bett und will dort bleiben. Es müssen in der Nationalmannschaft neue Strukturen her. Das bedeutet: Nicht nur Löw muss gehen, sondern auch der gesamte Stab, Oliver Bierhoff inbegriffen. Für mich gibt es genug Kandidaten, die die Nachfolge von Löw antreten können: Ralf Rangnick, Thomas Tuchel und Jürgen Klopp.“

Marco Schmitt, Trainer SV Stöttwang: „Joachim Löw führte Deutschland zum WM-Titel. Er hat jahrelang gute Arbeit gemacht. Nach der WM in Russland hätte es einen Schnitt, einen Neuanfang, geben müssen. Leider ist man zu spät dran. Der DFB weiß, dass ein neuer Trainer her muss. Das Problem ist ein anderes: Wer könnte es denn machen? Derzeit sind die guten Trainer, denen ich diesen Job zutraue, nicht frei. Ich würde es klasse finden, wenn Jürgen Klopp Nationaltrainer werden würde. Das wäre für ihn die Krönung seiner Karriere. Er könnte mit Sicherheit etwas reißen.“

Dennis Hoffmann (Markt­oberdorf) kickt für den Bayernligisten TSV Landsberg: „Grundsätzlich ist der Trainer das schwächste Glied in der Mannschaft. Löw hat aber in der Vergangenheit viel richtig gemacht. Doch Dankbarkeit gibt es in diesem Job nicht viel. Sicherlich hätte ich mich über einen Trainerwechsel gefreut. Doch es gibt erst einmal keine Alternativen. Ich wüsste jetzt niemanden. ,Kloppo‘ ist in Liverpool eine lebende Legende. Dennoch ist der DFB zum Handeln gezwungen.“

Florian Niemeyer, Trainer FC Thalhofen: „Für mich geht die Diskussion am Kern vorbei. Die Partie gegen Spanien sollte man komplett ausklammern. Bei der Nations League geht es um nichts. Diese Leistung sollte nicht am Trainer festgemacht werden. Mir fällt jetzt aber kein Trainer oder ein Name ein, der Bundestrainer sein könnte. Aus meiner Sicht fehlen hier die Alternativen. Die Diskussion um Jogi Löw ist allgemein schwierig. Ich verstehe nicht immer seine Ansätze, aber er ist auch Weltmeister geworden. Nichtsdestotrotz müssen die Nationalmannschaft und Löw bei der EM liefern, nicht bei der Nations League, die sowieso kein Mensch braucht.“

Stefan Günter

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