„Die Gefahr ist einfach zu groß“

Warum die SVK, der BSK und SVO auf ein Nachwuchstraining aktuell noch verzichten

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Blumenwiese statt Spielfläche: Das Risiko für einen Trainingsstart ist vielen Fußball-Vereinen in der Region zu hoch. Von daher rollt der Ball noch nicht.

Landkreis – Der Ball darf offiziell wieder rollen. Doch an ein „normales“ Training ist während der Corona-Pandemie weiterhin nicht zu denken. Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat, nachdem die Bayerische Staatsregierung grünes Licht für Lockerungen gegeben hat, einen Leitfaden veröffentlicht.

Wer glaubt, dass Vereine nun in großem Jubel ausbrechen, irrt sich gewaltig.

„Ein Training durchzuführen, ist nicht machbar“, winkt Antonio Pisanu, Nachwuchschef der SpVgg Kaufbeuren, gleich einmal ab. Denn die Verantwortung sei für ihn einfach zu groß. Mit dieser Aussage steht er nicht alleine da. Auch Ertan Cihan, Jugendleiter des BSK Olympia Neugablonz, will unter keinen Umständen den Trainingsbetrieb aufnehmen. „Wir haben uns mit der Vorstandschaft abgesprochen und sind zu der Erkenntnis gekommen, dass ein Training unter diesen Voraussetzungen in keiner Weise zu stemmen ist“, verweist der Funktionär und Übungsleiter im gleichen Atemzug auf die vorgeschriebene Einhaltung aus der vierten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung des Freistaats. 

Regelkatalog

Die Stadt Kaufbeuren hat die wichtigsten Passagen daraus hervorgehoben und die Vereine in einem Schreiben informiert. Darin heißt es, dass Sport nur an der frischen Luft, im öffentlichen Raum oder auf öffentlichen sowie privaten Freiluftsportanlagen durchgeführt werden kann. Ein Training darf maximal nur aus fünf Personen bestehen. Hier zählt der Übungsleiter schon mit. Erlaubt ist ein Taktik-, Technik- oder Konditionstraining. Dabei müssen Trainer und Spieler auf den Mindestabstand von eineinhalb Metern achten. Ein Körperkontakt ist zu unterlassen. Umkleidekabinen dürfen ebenfalls nicht genutzt werden. „Die Kinder dürfen nicht einmal die Bälle halten. Sogar die Eltern sollten das Gelände nicht betreten. Alles ist auf Abstand ausgerichtet“, sagt Antonio Pisanu. Zwischen zwei Trainingseinheiten verschiedener Gruppen soll eine Pufferzeit von zehn Minuten eingeplant werden, um ein Aufeinandertreffen zu vermeiden. Der Regelkatalog ist lang, sehr lang.

Der Bayerische Fußball-Verband nimmt sich derweil aus der Verantwortung, spricht nur von Vorgaben für Trainingsinhalte. Auf seiner Homepage macht der Verband deutlich, dass er als Dienstleister und Interessensvertreter der rund 4.600 bayerischen Fußballvereine weder Platzfreigaben erteilen, noch bestimmen darf, ob ein Training stattfindet. „Nicht der BFV hat diese Regelungen getroffen, er ist dazu nicht befugt. Diese stammen aus den zuständigen Ministerien“, heißt es wörtlich auf der offiziellen Homepage. Allerdings läge die Verbandsspitze allen Vereinen nahe, einen sogenannten „Corona-Beauftragten“ zu benennen. Er soll verantwortlich sein für klare Absprachen und die Aufgabenverteilung, besonders aber um den bestmöglichen Infektionsschutz beim Training zu gewährleisten. Was bereits die Gastronomie zur Auflage hat, ist auch bei den Fußballern Pflicht: Eine Anwesenheitsliste sämtlicher Teilnehmer bei einem Training. Eine Checkliste aller Anwesenden, also Trainer, Betreuer und Spieler, dient zur Abfrage von ­Symptomen.

Interner Leitfaden

Bis auf Weiteres muss nun die SpVgg Kaufbeuren seine rund 200 Nachwuchskicker vertrösten. „Wir erstellen momentan ein Konzept, damit wir ein sicheres Training überhaupt abhalten können“, hält Pisanu dazu einen engen Austausch mit der Vorstandschaft. Ein interner Leitfaden soll erstellt und nach genauer Prüfung weitergeleitet werden. „So etwas ist von heute auf morgen nicht umsetzbar“, sagt der Jugendleiter, der in dieser Phase viele Telefonate führen muss, um den eingeschlagenen Weg der Spielvereinigung in der Corona-Krise Trainern, Nachwuchsspielern und besonders den Eltern näher zu bringen. Spätestens nach Pfingsten könnte der Ball wieder rollen. Dazu muss die Stadt allerdings die Trainingsplätze erst einmal freigeben und die SVK müsste sämtliche vom BFV vorgeschlagene Vorgaben auch in die Tat umsetzen. „Ich hoffe und rechne schon, dass es weitere Lockerungen geben wird. Doch jetzt ist die Gefahr einfach zu groß“, sagt Pisanu im Kreisbote-Interview.

Ähnlich verhält es sich beim BSK Olympia Neugablonz, der ebenfalls nicht vorpreschen möchte. „Wir als Verein wollen uns der Unsicherheit nicht aussetzen. Es tut mir sehr leid, dass wir mit unseren Kindern nicht Fußballspielen können“, bedauert Ertan Cihan. Der Bayerische Fußball-Verband hält unterdessen einen Service für die Übungsleiter bereit, wenn Mannschaften doch für sich entscheiden, den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen zu wollen. Er gibt den Vereinen für einen eingeschränkten Trainingsbetrieb Hilfestellung in Form von Übungen. Unterdessen will DFB-Nachwuchstrainer Uwe Zenkner spätestens am 8. Juni mit dem Stützpunkttraining bei der SpVgg Kaufbeuren im Haken beginnen. „Wir dürfen vom DFB aus dort starten. Ein Konzept ist in Arbeit und wird der Stadt Kaufbeuren vorgelegt“, sagt der Übungsleiter.

Nach Pfingsten

Im wenigen Kilometer entfernten Germaringen schlägt Christian Gabler gegenüber dem BFV kritische Töne an. Der Jugendleiter des SVO bewertet den eingeschränkten Trainingsbetrieb als Schnellschuss. „Das ist nicht sauber ausgearbeitet, weil es für uns zu viele Auflagen sind. Das können wir nicht umsetzen.“ Der Aufwand, der betrieben werden müsse, stehe hier in keiner Relation. Auch der SVO setzt seinen Trainingsbetrieb bis mindestens Ende der Pfingstferien aus. „Selbst wenn uns die Gemeinde die Plätze freigeben würde, wir werden nicht trainieren“, macht Gabler deutlich. Die Verantwortung sei ihm einfach zu groß.

Stefan Günter

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