„Die Zeit ist gegen mich“

Kaufbeurer Judoka Lisa Dollinger kämpft sich nach ihrem Kreuzbandriss zurück

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Lisa Dollinger kämpft sich zurück. Dr. Oliver Heine, ein Sportwissenschaftler, unterstützt sie dabei.

Kaufbeuren – Judoka Lisa Dollinger beißt auf die Zähne. Die 23-jährige Kaufbeurerin steckt gerade mitten im Aufbautraining. Dabei hat sie gerade wieder eine schwere Verletzung auskuriert. Denn im Juli des vergangenen Jahres riss sie sich im Trainingslager das hintere Kreuzband im rechten Knie ab. Für Dollinger war es erneut ein schwerer Rückschlag.

Dollinger wirkt nachdenklich, ist aber fest entschlossen den Kampf erneut aufzunehmen. Sie kennt das Martyrium nur zu gut. Zwei Kreuzbandrisse, eine langwierige Fingerverletzung, die ihr ein ganzes Jahr gekostet hat, eine Schulter- und eine Innenbandverletzung: in den vergangenen Jahren war Fortuna ein Fremdwort für die Leistungssportlerin aus der Wertachstadt. Hinzu kommt noch der Konkurrenzkampf. Momentan liegt Dollinger in der Nationalmannschaft nur an dritter Stelle. Anna-Maria Wagner (Köln) und Luise Malzahn (Berlin) sind der Kaufbeurerin voraus. Dennoch will sich die Allgäuerin, die im Limit bis 78 Kilogramm an den Start geht, nicht aufgeben. „Mich beschäftigt momentan eine Frage: Will ich an den deutschen Meisterschaften teilnehmen oder kommt für mich diese Maßnahme, die ich als Wiedereinstieg nach meiner Verletzung sehe, doch noch zu früh?“

Dollinger steckt gewissermaßen in der Zwickmühle. Um noch den kleinen Funken Hoffnung auf Olympia 2020 in Tokio zu wahren, müsste sie bereits an den nationalen Titelkämpfen antreten. Die Voraussetzungen sind zum jetzigen Stand nicht schlecht. „Meine Werte sind top, auch im Kraft- und Ausdauerbereich habe ich enorme Fortschritte gemacht.“ Es stünde also einer Teilnahme nichts mehr im Wege.

„Meine Karriere ist in Gefahr“

Sie müsste aber einen perfekten Turniertag erwischen. Eine Medaille würde ihr sofort das Ticket für den Grand Prix in Düsseldorf ermöglichen. Doch zu welchem Preis? Dollinger ist verletzungsanfällig. Das weiß sie nur zu genüge. „Meine Karriere ist in Gefahr“, konnte sie während ihrer Reha-Maßnahmen in den vergangenen Monaten lange und intensiv darüber nachdenken. „Mir ist durchaus bewusst, dass die Zeit gegen mich ist“, so Dollinger. Insgeheim habe sie den Traum von Olympia in Tokio erst einmal auf Eis gelegt. „Leistungssport, wie ich ihn auf diesem äußerst hohen Niveau betreibe, ist nicht alles“, denkt sie bereits an ihre Zukunft. Dennoch mache es ihr noch Spaß, sich täglich für den Erfolg zu schinden.

Um derweil weitere Wettkampfpraxis zu sammeln, geht Lisa Dollinger ab Frühjahr dieses Jahres für das Bundesliga-Team der TSG Backnang auf die Tatami. Weil der TSV Großhadern sein Profi-Team zurückzog, schloss sie sich den Württembergern an. Allerdings ist sich Lisa Dollinger bewusst, dass sie eine weitere Verletzung wieder aus der Bahn werfen könnte. „Die Uhr tickt bereits jetzt gegen mich und dann bleibt Olympia 2020 wirklich nur ein Traum.“

von Stefan Günter

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