Josef Schallameier abseits der Piste:

Mit dem Snowboard auf der eigenen Linie ins Tal

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Nur die Zeit zählt: Durch unberührten Schnee jagen Josef Schallameier und seine Konkurrenten beim „Pitztal Wild Face“ ist Tal – fernab präparierter Pisten.

Reichling – Das „Pitztal Wild Face“ gilt als eines der körperlich anstrengendsten Freeride-Rennen der Welt. Freeride? Das ist im freien Gelände zu fahren, fernab von präparierten Pisten. Am kommenden Wochenende wird es zum elften Mal ausgetragen. Rund 150 Skifahrer und Snowboarder werden am Start sein, um Punkte für die World-Tour, sozusagen die WM-Saison im Freeriden, zu sammeln. Mit dabei ist Josef Schallameier aus Reichling. Bei seinem Debüt 2019 schaffte es der Snowboarder aus dem Lechrain auf den 3. Platz. Heuer will er mehr, obwohl die Vorbereitung nicht optimal verlief.

„Ich möchte ganz oben auf dem Podest stehen“, gibt Schallameier ohne Umschweife vor. Aber das wird nicht leicht, die Konkurrenz ist groß. Als Favorit gilt der Belgier Koen Goris. Er hatte auch die Ausgabe 2019 gewonnen. „Goris wohnt im Pitztal und hat bestimmt 200 Schneetage im Jahr“, erzählt Schallameier. Er selbst bringt es auf rund 100 Tage. Ein Unter­schied, den man merkt. Denn Snowboarden sei das beste Training fürs Snowboarden, so der Reichlinger. Zuletzt konnte der 28-Jährige allerdings weniger Zeit mit seiner Lieblingsbeschäftigung verbringen als ihm recht war.

Schallameier war im Training bei einem Vorwärtssalto gestürzt und hatte sich an der Schulter verletzt. „Ich werde aber auf jeden Fall am Rennen teilnehmen. Auch wenn ich meinen Arm dafür eingipsen muss“, sagt er schmunzelnd. So lange er nicht auf Schnee trainieren konnte,

Snowboarder Josef Schallameier aus Reichling.

machte er daheim Gymnastik und Kraftübungen. Vor allem die Oberschenkel- und Wadenmuskulatur werde beim Freeriden beansprucht. „Teilweise werden einem die Arme bei der Abfahrt taub, da so viel Blut in die Beine schießt“, erzählt Schallameier.

Beim „Pitztal Wild Face“ geht es rein um die Zeit. Bei anderen Wettbewerben der Freerider bewerten teilweise Juroren die Art und Weise, wie die Athleten fahren. Am Freitag findet mit 150 Startern die Qualifikation statt. 70 dürfen am Samstag beim Hauptrennen antreten. Die Startplätze teilen sich prozentual je nach Anzahl der Anmeldungen auf die Kategorien Ski und Snowboard auf – Damen und Herren getrennt. Beim Hauptwettbewerb ist die Strecke 4,6 Kilometer lang. Dabei geht es 1.510 Höhenmeter in die Tiefe. Der Streckenverlauf ist frei wählbar. Nur fünf Richtungskorridore müssen passiert werden. Im Abstand von 30 Sekunden starten die Teilnehmer.

Schallameier hat schon als Zwölfjähriger mit dem Snowboarden begonnen. Als sein Freund Nico Steidle, selbst professioneller Snowboarder, ihm gestand, Schallameier im freien Gelände nicht folgen zu können, sah der sich herausgefordert und meldete sich für das Rennen im Pitztal an. Er suchte den Vergleich mit anderen. Sein Ehrgeiz war geweckt. „Der Anspruch an einen selbst steigt“, sagt Schallameier, „man will immer weiter und höher.“

Im Alltag sieht der Reichlinger das allerdings auch kritisch. Alles sei heutzutage sehr schnelllebig. Er verbringt viel Zeit in den Bergen und der Natur. Das stellt für ihn einen Gegenpol dar und hilft ihm, runterzukommen. Vor kurzem erst reiste er mit zwei Freunden in den Iran, zum Snowboarden, dort, wo zuvor noch niemand gefahren ist. „Es gibt noch jede Menge weißer Flecken“, weiß Schallameier.

Der Installateur und Heizungsbau-Meister ist selbstständig und eine eigene Firma gegründet. Durch die Selbstständigkeit schafft er es, seine Arbeitszeit so einzuteilen, dass er regelmäßig in die Berge kann. Dort fühlt er sich am wohlsten.
Phillip Plesch

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