110 Mal mit dem Rennrad rauf und runter

Everesting in Reichling: Alexander Graf im Höhenmeter-Rausch

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Der Mann und der Berg: 110 Mal radelte Alexander Graf aus Reichling den Hirschauer Berg rauf und runter, dann hatte er die Mount Everest-Challenge gemeistert.

Reichling – Wie verrückt muss man eigentlich sein, um einen Berg so lange rauf und runter zu radeln, bis man den Höhenunterschied vom Meeresspiegel bis zum Gipfel des Mount Everest bewältigt hat? „Na ja, ganz schön verrückt“, gesteht Alexander Graf. Und er hat es trotzdem gemacht. Am Samstag am Hirschauer Berg zwischen Epfach und Reichling. In gut 16 Stunden sage und schreibe 110 Mal seinen Hausberg rauf und runter.

Es ist 3.30 Uhr und die Bedingungen könnten besser nicht sein. Das Thermometer zeigt zu dieser frühen Stunde schon 17 Grad, tagsüber soll‘s meist leicht bewölkt sein. Perfekt also für eine Radherausforderung der extremen Art. Für die Mount Everest-Challenge, fürs „Everesting“. Dabei muss ein Radfahrer innerhalb von 24 Stunden mindestens 8.848 Höhenmeter an einem Berg sammeln. „Das Berg­abfahren zählt da natürlich nicht dazu“, stellt Graf klar.

Und wie kommt man auf so eine verrückte Idee? „In der schwierigen Corona-Zeit wurde mir schnell bewusst, dass Bergmarathons, die ich normalerweise fahre, heuer nicht stattfinden werden, deshalb brauchte ich eine neue Herausforderung“, erzählt der 31-Jährige Reichlinger.

Gute Mine zum krassen Spiel: Alexander Graf beim Everesting.

Hätte er im Vorfeld gewusst, was genau, vor allem in psychischer Hinsicht auf ihn zukommt, dann hätte er es sich gewiss mindestens zweimal überlegt. „Es war mit das Härteste, was ich je geradelt bin“.

Warum? Weil Everesting meist in den Alpen auf langen Bergpässen absolviert wird und nicht an relativ kurzen steilen Anstiegen. Doch Alexander Graf wollte die Herausforderung unbedingt an einem für ihn speziellen Ort durchführen: am Hirschauer Berg, der direkt vor seiner Haustür liegt. Der bis zu 14 Prozent steile Anstieg von Epfach nach Reichling weist ein wenig mehr als 80 Höhenmeter auf und ist rund 1,2 Kilometer lang. Rauf und runter also knapp 2,5 Kilometer, gut achteinhalb Minuten pro Umlauf.

Die exakten Daten nach der Trainingsrunde vom Vortag dienten zur Berechnung und Planung der Tour. Spätestens dann war klar: Das wird ein hartes Stück Arbeit. Und: früh raus, spät wieder daheim, während der Tortur viel essen und jede Menge trinken. Die Versorgung während der Challenge war perfekt und gut organisiert.

Nach gut 16 Stunden Fahrzeit und an die 110 Mal hoch und runter war es kurz vor 21 Uhr soweit: Alexander Graf hat mit seinem Rennrad die „Zerreißprobe für Körper und Geist“ bewältigt. In Begleitung einiger Radkollegen führte ihn die letzte Runde hoch auf den Wurzberg, wo er mit großem Hallo von Freunden und Familie empfangen wurde. Auf seinem Radcomputer standen 9.000 Höhenmeter und 275 Kilometer. Und dabei war er nie weiter von Zuhause entfernt als zwei Kilometer.

Der stärkste Gegner an diesem Tag war der innere Schweine­hund: „Den Kopf frei zu halten war nicht einfach, schließlich dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, so viele Höhenmeter zu machen“. Eine große Hilfe waren dabei die zahlreichen Unterstützer, die ihm schon in aller Früh, während des Tages und bis in den Abend hinein zur Seite standen – an der Strecke oder auf dem Rennrad. „Es waren einfach so viele da, die mich begleitet und motiviert haben, die Jungs und Mädels vom Ammersee Radteam, für das ich seit kurzem fahre, alle meine Radfahrfreunde und die aus dem Dorf und natürlich meine Familie – ich war nie allein.“

Und was kommt nach der erfolgreichen Everest-­Challenge? Neue Ziele will sich Alexander Graf schon setzen, doch ist noch nicht ganz klar, welche. Sicher ist im Moment nur eines: „Die nächsten Ausfahrten werde ich gewiss nicht über Epfach nach Reichling fahren.“
Toni Schwaiger

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