Sportlich durch das Jahr

In der Sportwelt ist 2019 wieder einiges passiert – hier ein kurzer Überblick

+
Stefan Gießer (rechts) von den Penzinger Stockschützen holte sich zusammen mit der U14-Mannschaft (von links: Simon Egen, Manuel Karpf, Jonas Aschenbrenner) bei der Deutschen Meisterschaft Silber. Mit Gold beim Einzel-Zielschießen setzte er dem Ganzen noch eins drauf.

Landkreis – Die Sportler aus dem Landkreis haben auch 2019 wieder spannende Wettkämpfe geboten. Wir haben mit ihnen gejubelt und gefeiert. Haben uns über leichtfertig vergebene Chancen geärgert. Und haben in heiklen Momenten mit den Sportler gebangt. Der KREISBOTE blickt nochmal zurück auf ein sportliches Jahr voller Höhepunkte.

Alles abgeräumt

Welchen Titel haben die Penzinger Stockschützen eigentlich noch nicht geholt? 2019 konnten sich die Sportler gar nicht mehr vor Medaillen retten. Die Mannschaft hat nach dem Deutschen Vizemeistertitel unter anderem auch bei der Europameisterschaft in Litauen gleich drei Gold- und eine Bronzemedaille abgesahnt. Aber am beeindruckendsten war wohl der Erfolg von Nachwuchsspieler Stefan Gießer. Zusammen mit der U14 hat er bei der Deutschen Meisterschaft im Januar Silber geholt. Doch das war längst nicht alles. Beim Zielschießen sicherte sich der damals 13-Jährige den Titel. Bereits sein erster Durchgang verlief fast perfekt, mit 151 Punkten schockte er die gesamte Konkurrenz. Dieses Niveau konnte Stefan im zweiten Durchgang nicht mehr ganz halten, aber weitere 123 Punkte ließen sein Gesamtergebnis weiter anwachsen. Keiner seiner Mitstreiter konnte das noch toppen und so kürte sich der 13-jährige Realschüler zum neuen Deutschen Meister im Zielschießen. Nach zahlreichen Podestplätzen in den letzten Jahren durfte Stefan damit den lang ersehnten ersten großen Titelgewinn feiern.

Auch mit 90 noch topfit

Erich Schallermeir war in jüngeren Jahren begeisterter Motorradfahrer. Doch irgendwann sollte ein neues Hobby her. So zog es Schallermeir zum Ruderclub Kaufering am Lech. So weit, so unspektakulär. Bemerkenswert ist, dass der ehemalige Lehrer bereits 67 Jahre alt war. Nicht unbedingt ein typisches Alter, um mit einer körperlich durchaus herausfordernden Aktivität zu beginnen. Aber Schallermeir hat das nicht abgehalten. Zu seinem 90. (!) Geburtstag im Oktober ging es deshalb natürlich mit dem Ruderboot auf den Lech. Damit sind wieder ein paar Kilometer auf dem Tacho hinzugekommen, der mittlerweile stolze 25.000 Kilometer misst. Bei so viel Elan und Lebensfreude kann man Schallermeir nichts anderes wünschen, als hoffentlich noch viele Fahrten über Flüsse und Seen.

Nur zu Besuch

Tiefe Sorgenfalten lagen auf den Gesichtern der Verantwortlichen des heimischen Eishockeyclubs HC Landsberg. Stefan Kerber, Daniel Menge, Markus Kring und Adriano Carciola waren zum Saisonstart der Bayernliga 2019/20 Dauergäste im Lazarett der Riverkings. Die kurzfristige Zukunft sah düster aus. Aber Präsident Frank Kurz zauberte einen 

Mit Andrew McPherson kehrte ein Publikumsliebling zum HCL zurück.

ganz besonderen Rückkehrer aus dem Hut: „Mac is back!“ Die Legende Andrew McPherson kam praktisch aus dem Ruhestand in Bremerhaven zurück nach Landsberg. In 108 Spielen für den damaligen EVL hatte McPherson nicht nur 143 Scorerpunkte erzielt, sondern 2005/2006 auch großen Anteil am sensationellen Aufstieg in die 2. Bundesliga. Kein Wunder also, dass zum Auftaktspiel des HCL knapp 1.700 Zuschauer kamen, um den mittlerweile 40-jährigen Crack wieder in Aktion zu sehen. Die Fans feierten ihren Liebling und er spielte, als sei er nie weg gewesen. Wie vereinbart endete sein Kurzbesuch Mitte November mit der Partie gegen Königsbrunn. Seine Bilanz: 16 Strafminuten, drei Assists, drei Tore und unzählige wehmütige Fans.

Verkehrte Welt

Es war eine große Geste des Hauptsponsors 3C-Carbon Group AG: Der TSV Landsberg bekam ihm Juli eine neue, hochmoderne Anzeigentafel spendiert. Ab nun war weithin und deutlich sichtbar, wer wie viele Tore geschossen hat und wie lange noch zu spielen ist. So weit, so gut. Leider sorgt die Tafel aber auch regelmäßig für eine kognitive Dissonanz: Eigentlich gehört der Name der Heimmannschaft auf die linke Seite. Das Wappen des TSV befindet sich aber auf der rechten Seite der Tafel, wo der Name der Gastmannschaft zu finden sein sollte. Man muss also manchmal genau hinschauen. Ist dieser Umstand etwa auch für die Serie von Niederlagen verantwortlich, die den TSV im Herbst heimsuchte? Vielleicht waren sich die Spieler selbst nicht ganz sicher, ob sie nun in Führung lagen oder nicht. So kann das gehen, wenn man auch daheim immer auswärts spielt.

Aufs Treppchen getanzt

Die European Masters Games sind nicht irgendein Wettkampf. Sie sind quasi die „Mini-Olympiade“ für Sportler über 35 Jahre. Hier an den Start zu gehen, ist also durchaus eine große Sache – und sicherlich kein Zuckerschlecken. Karin Niedermayer und Peter Schütz von der FT Jahn wollten sich dennoch der Herausforderung stellen und in der Kategorie „Boogie-Woogie ab 45 Jahren“ vor der Jury glänzen. Tatsächlich schafften sie es auch ins Finale. Da stand dann ein „Battle“ gegen die Vierten und Fünften der Weltrangliste an. Niedermayer und Schütz überzeugten mit Highlight-Figuren, toller Akrobatik und guter Grundtechnik. Damit schafften sie es schlussendlich aufs Treppchen und holten sich die Silbermedaille.

Streit mit Happy End

„Wir haben uns dazu entschlossen, in der FT Jahn Landsberg eine Abteilung Handball neu zu gründen. Gleichzeitig werden wir beim Vereinsausschuss des TSV Landsberg die Auflösung der bisherigen Abteilung Handball beantragen.“ Die Nachricht von Abteilungsleiter Roland Neumeyer schlug ein wie eine Bombe. Und führte zu einem großen Krach beim Landsberger TSV. Dort wollte man die Handballer nämlich nicht so ohne weiteres gehen lassen. Bei einer öffentlichen Sitzung der Abteilung kochten die Emotionen dann endgültig hoch. Mitglieder verließen den Raum, als Vereinsvorsitzender Hanns Haedenkamp das Wort ergriff. Neumeyer erschien erst gar nicht, weil er zuvor wegen vereinsschädigendem Verhalten ausgeschlossen wurde. Bei den anwesenden Mitgliedern herrschte Ratlosigkeit. Doch es gibt ein Happy End. Nachdem die Gemüter sich wieder beruhigt hatten, trafen sich Neumeyer und Haedenkamp zu einem Gespräch. Das Ergebnis: Die Handballer bleiben beim TSV.

Mit Gold überhäuft

Nicht eine, nicht zwei, nicht drei. Ganze sieben Goldmedaillen räumte Markus Klingl bei der Teakwon-Do Weltmeisterschaft in Kroatien ab. Über 600 Athleten aus 20 Nationen und vier Kontinenten gingen drei Tage lang an den Start. Doch Klingl überragte sie alle. Mit unglaublichen sieben Goldmedaillen in den Disziplinen Bruchtest, Taekwon-Do Formen, Softstyle-Formen, Freestyle-Form mit Musik, Freestyle-Form mit Waffen und Musik, Non-Traditionell-Forms ohne Musik sowie Chinese Short Weapon-Form konnte er seine spektakuläre Leistung unter Beweis stellen. Klingl gelang mit siebenmal Gold, zweimal Silber und achtmal Bronze ein Coup nach dem anderen – er war der erfolgreichste Athlet der gesamten Weltmeisterschaften sowie im internationalen Leistungsvergleich unter den Top 10.

Durststrecke beendet

Es war ein schwieriger Saisonstart für die Red Hocks in der Bundesliga. Ihr erster Gegner, der MFBC Leipzig, setzte sich mit 7:2 gegen die Kauferinger durch. Die nächste Partie – ebenfalls eine Niederlage. Und dann kam der Tiefpunkt. Gegen die „Unabsteigabaren“ aus Chemnitz setzte es eine 4:14-Niederlage. Vier weitere punktlose Spiele folgten. Gegen die Red Devils Wernigerode gab es dann zumindest einen Hoffnungsschimmer. Die Partie endete 4:4. Doch dieser eine Punkt holte die Kauferinger freilich nicht aus dem Tabellenkeller. Nach einer weiteren Niederlage dann das große Aufatmen. Anfang Dezember beendeten die Red Hocks endlich ihre Durststrecke. Mit dem 6:3 gegen die PiranHHas aus Hamburg zeigte die Rote Macht, dass sie das Spielen nicht verlernt hat. Bleibt zu hoffen, dass es im neuen Jahr so weiter geht.

Kleine Flitzer ganz groß

Es war das wohl ungewöhnlichste Sportereignis des Jahres. Die Schöffeldinger Burschenschaft lud mal wieder zum traditionellen Bobby-Car-Rennen. Mit bis zu 70 Stundenkilometer ging es über die Asphaltpiste. Angefeuert von mehr als 500 Zuschauern. Nur der Wettergott schien an dem Spektakel keine Freude zu haben. Er sorgte mit reichlich Regen immer wieder für lange Unterbrechungen. Streckenposten und Feuerwehr mussten die letzte, entscheidende 70-Grad-Kurve nach jedem Regenguss abtrocknen und hatten damit alle Hände voll zu tun. Dem Spaß der teilnehmenden Fahrer tat das aber keinen Abbruch. Strahlende Gesichter zeigten, dass es großartig ist, einfach mal wieder Kind sein zu dürfen.

Unvergessenes Spiel

Der 6. August dürfte den Spielern des TSV Landsberg und SV Pullach wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Im Toto-Pokal besiegten die Lechstädter die Gäste mit sage und schreibe 7:5. TSV-Keeper Nicolas Schestak hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt und war maßgeblich daran beteiligt, dass seine Mannschaft schnell mit 1:4 hinten lag.Nach der Pause spielte sich die Truppe des damaligen Coachs Hermann Rietzler regelrecht in einen Rausch und drehte das Spiel innerhalb von elf Minuten auf 5:4. Rainer Storhas hatte allerdings offensichtlich ein Herz für die Pullacher und sorgte mit einem Eigentor für das zwischenzeitliche 5:5. Alessandro Mulas und Lukas Göttle hingegen waren weniger freundlich gestimmt und stellten mit ihren Treffern relativ humorlos auf das Endergebnis von 7:5. Beide Abwehrreihen überboten sich mit haarsträubenden Fehlern und den nur 140 Zuschauer wurde allerfeinste Unterhaltung geboten.

Echter Sportsgeist

Maximilian Lohse holte bei den Bayerischen Meisterschaften der Special Olympics Gold und Silber – und zeigte, worauf es beim Sport wirklich ankommt.

Sein Erfolgsjahr von 2018 setzte der Schondorfer Maximilian Lohse auch 2019 fort. Diesmal trat er allerdings nicht als Läufer an. Stattdessen wollte Lohse im Ski-Langlauf bei den Bayerischen Meisterschaften der Special Olympics eine Medaille holen. Das ist ihm auch gelungen. Und zwar gleich doppelt. Besonders beeindruckt hat uns aber, dass er dabei gezeigt hat, was ein echter Sportsgeist ist. In den Freistil-Wettkämpfen, die er in der Skating-Technik lief, trat er über 5.000 m an. Quasi ungestört konnte er in seinen Rhythmus finden, seiner Konkurrenz seine Stärke zeigen und mit Bravour die teils schwierigen Passagen meistern. Belohnt wurde er für diesen guten Lauf mit der Goldmedaille. In seinem 7.500 m-Lauf konnte der Schondorfer nach anfänglichen Schwierigkeiten ebenfalls im vorderen Feld mithalten. Über vier Runden überholte er einen Athleten nach dem anderen, so dass die Silbermedaille in greifbarer Nähe war. Dann stürzte der Führende im Zieleinlauf und Lohse hätte sich die zweite Goldmedaille ohne Probleme holen können. Respektvoll nahm er jedoch Geschwindigkeit raus und ermöglichte damit dem zuerst Führenden den Sieg über 7.500 m. Eine vorbildliche Fairplay-Geste und die mehr als verdiente Silbermedaille für Lohse.
Stephanie Novy/Dietrich Limper

Auch interessant

Meistgelesen

Hitze und wenig Personal: die ersten Testspiele des TSV Landsberg
Hitze und wenig Personal: die ersten Testspiele des TSV Landsberg

Kommentare