Quotientenregelung beim Saisonabbruch

Dießens MTV-Damen als Härtefallopfer

Nico Weis - MTV Dießen - Trainer
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Klare Worte von Nivo Weis, Trainer der MTV-Fußballdamen: „Die Abrechnung nach Quotient ist und bleibt Mist“.
  • Thomas Ernstberger
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Dießen – Ist das gerecht? Die Antwort: Ein klares NEIN! Mittlerweile gehen fast alle Beteiligten davon aus, dass die aktuell seit fünfeinhalb Monaten unterbrochene Saison 2019/21 im bayerischen Amateurfußball abgebrochen wird. Ein „uneingeschränkter Trainingsbetrieb ab 3. Mai“, wie vom Bayerischen Fußball­verband (BFV) in seinem Vier-Punkte-Plan als Voraussetzung für eine Fortsetzung des Spielbetriebs gefordert, erscheint angesichts der derzeitigen Corona-Zahlen und -Regelungen völlig utopisch.

Bei einem Abbruch kommt –und das hat BFV-Sprecher Fabian Frühwirth im Gespräch mit dem KREISBOTE noch einmal klargestellt – die sogenannte „Quotientenregelung“ zur Anwendung: Die bislang erreichten Punkte geteilt durch die ausgetragenen Spiele ergeben einen Quotienten, nach dem die Tabelle erstellt wird.

Wie vergangene Woche berichtet, hätten die Frauen des MTV Dießen (1,294117 Quotientenpunkte) in der Landesliga Süd auf Rang 8 ganz knapp mit einem Mini-Vorsprung von 0,008403 Quotientenpunkten die Nase vor dem TSV Gil­ching-Argelsried (1,285714) vorne. Die Konsequenz: Dießen hätte eigentlich den Klassenerhalt geschafft, Gilching müsste absteigen. Das wäre natürlich ein bisschen glücklich für die MTV-Damen, bitter für Gilching – und sicher auch nicht hundert­prozentig gerecht. Aber in Zeiten, in denen bei Weltmeister­schaften und Olympischen Spielen tausendstel Sekunden entscheiden und Abseits oft eine Millimeter-Angelegenheit ist, zumindest nachvollziehbar.

Aber jetzt kommt ein Satz aus Paragraph 93 der BFV-Spielordnung ins Spiel, der alles auf den Kopf stellt und bisher keinem auffiel: „Der Quotient wird stets auf zwei Nachkommastellen gerundet (kaufmännisch)“, heißt es da. Das bedeutet in diesem konkreten Fall: Wenn jetzt abgebrochen wird, muss die nach dem „richtigen“ Quotienten bessere Mannschaft absteigen. Denn Dießen und Gilching haben nach der Rundung je 1,29 Quotientenpunkte. Über Klassen­erhalt und Abstieg entscheidet damit der direkte Vergleich, im Mai 2021 also das am 8. September 2019 ausgetragene Hinspiel, das Gilching gegen eine ersatzgeschwächte Dießener Mannschaft 6:2 gewann. Das Rückspiel wurde von Gilching abgesagt.

„Natürlich widerspricht das dem Gerechtigkeitsgefühl“, heißt es sogar beim Verband. Frühwirth: „Leider wird es bei dieser Regelung Härtefälle geben.“ Pech für die Ammersee-­Fußballerinnen, dass ausgerechnet sie zum wohl härtesten Härtefall werden.

Trainer Nico Weis kann’s nicht nachvollziehen: „Als andere Vereine im Oktober 2020 keine Spiele mehr absolviert haben, sind wir noch nach Obereichstätt (160 Kilometer einfache Strecke) und Theuern (240 km einfach) zum Tabellenersten und -zweiten gefahren. Hätten wir damals gewusst, dass nach Quotient abgerechnet wird, hätten wir diese Spiele nicht bestritten und wären jetzt fein raus.“ Klare Ansage: „Die Abrechnung nach Quotient ist und bleibt Mist, wenn auf diese Art und bei dieser Gemengelage ein Absteiger aus der Landesliga ermittelt werden soll.“

Und was wäre gerecht, nachdem die Lösung Entscheidungsspiel wegfällt? Ganz einfach: BEIDE Mannschaften, also Gilching UND Dießen, bleiben in der Landesliga. Damit müsste die Süd-Gruppe schlimmstenfalls von zwölf auf 13 Teams aufgestockt werden. Da aus den sieben Bezirks-Oberligen aber ohnehin nur sieben Mannschaften aufsteigen, sollte es kein Problem sein, auch nur sieben Teams absteigen zu lassen und dann wie gehabt zwei 12er-Gruppen zu bilden. Momentan-Absteiger Dießen kann jetzt nur noch hoffen: „Dass der BFV einsieht, dass diese Regelung dem Fairplay-Gedanken widerspricht“, so Weis.

Umdenken in so einem Härtefall wäre angebracht. Schließlich geht es hier nicht um Platz 5 oder 6 in der Kreisklasse, sondern um den Erhalt der Landesliga. Und vor allem: um Gerechtigkeit. Ach ja: In Baden-Württemberg wurde die Saison am vergangenen Freitag mit sofortiger Wirkung beendet und annulliert.

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