Auf zur Bayerischen Meisterschaft

Eiskunstlauf: Vanessa Meyer und Anastasia Martinaj gelingt kleine Sensation

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Manchmal klappt es mit den Figuren einfach nicht so wie es soll – aber Anastasia und Vanessa (von links) haben trotzdem eine Menge Spaß beim Training.

Landsberg – Margit Dierauf, die Abteilungsleiterin Eiskunstlauf des HC Landsbergs, ist stolz auf ihre Mädels. Und das kann sie auch sein. Seit Jahrzehnten sind Vanessa Meyer und Anastasia Martinaj die ersten Sportlerinnen des Vereins, die bei der Bayerischen Meisterschaft antreten. Anfang März ist es soweit.

Die 16-Jährige Vanessa hat sich bereits Ende letzten Jahres für die Meisterschaft qualifiziert. Anastasia hingegen erst vergangene Woche. „Das ist schon richtig cool“, erzählt die 14-Jährige mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Man merkt den beiden Mädels an, dass sie ihren Sport mit großer Leidenschaft machen. Ohne ginge es wahrscheinlich auch nicht, wenn man bedenkt, wie viel Zeit sie in den Eiskunstlauf investieren. Viermal die Woche Training stehen auf dem Programm. Sonntags müssen sie sogar schon um acht Uhr auf dem Eis stehen. „Ich bin Gott sei Dank Frühaufsteherin“, lächelt Vanessa.

Gute Koordination und Ausdauer sind quasi Grundvoraussetzungen, um eine gute Figur auf dem Eis zu machen. Und auch eine Prise Ehrgeiz. Davon haben Vanessa und Anastasia genug. „Ich bin schon sehr ehrgeizig“, erzählt die 16-Jährige. „Ich übe eine neue Figur so lange, bis sie perfekt ist.“ Ihrer Sportskollegin geht es da nicht viel anders. „Ich werde auch schnell sauer, wenn beim Training was nicht so klappt wie es soll“, gesteht Anastasia.

Dass bei den vielen Stunden auf dem Eis auch mal was schiefgeht, bleibt nicht aus. Blaue Flecken gehören laut Anastasia zum Sport dazu. Allerdings kommt es manchmal auch etwa heftiger. So hat die 14-Jährige zum Beispiel schon mal die Kufe eines Schlittschuhs ins Gesicht bekommen. Kein schöner Gedanke, aber „das wächst wieder zu“, erklärt sie lapidar. Angst haben, dass etwas passiert, sollte man sowieso nicht, meint die Schülerin. „Sonst läuft man wie auf rohen Eiern und dann passiert erst recht was.“ Auch Vanessa hat sich von so mancher Blessur nicht aufhalten lassen. Bei einem Wettkampf hat sie sich mal den Fuß angebrochen. „Das habe ich zuerst gar nicht gemerkt.“ Stattdessen holte sie sich mal eben den 3. Platz trotz Verletzung. Erst im Nachhinein sagte Vanessa ihrer Mutter, dass sie Schmerzen habe. Auch eine Rückenverletzung im letzten Jahr konnte der 16-Jährigen die Freude am Sport nicht nehmen. Sie musste zwar eine längere Zwangspause einlegen, aber anschließend trieb es Vanessa sofort wieder aufs

Eis.

Für beide ist es das erste Mal, dass sie bei der Bayerischen Meisterschaft mitmachen. Abteilungsleiterin Margit Dierauf erzählt, dass es in den ganzen 37 Jahren, in denen sie nun beim Verein ist, keinem anderen gelungen ist, sich zu qualifizieren. Dazu muss man wissen, dass die Abteilung des HCL auch nicht auf den Leistungssport ausgerichtet ist. Der Spaß an der Freude steht hier im Vordergrund. Umso bemerkenswerter, dass

Vanessa und Anastasia so einen riesigen Erfolg verbuchen können.

Die 14-Jährige ist, was ihre Ziele für die Meisterschaft angeht, zwiegespalten. „Natürlich geht es in erster Linie darum, Spaß zu haben. Aber man will schon auch was erreichen.“ Auch für die Zeit danach hat Anastasia schon Pläne. Egal wie der Wettkampf läuft, im nächsten Jahr möchte sie wieder dabei sein. Bei Vanessa sieht das ein bisschen anders aus. Für sie wird es die erste und letzte Bayerische Meisterschaft sein. Denn, auch wenn das jetzt nicht sehr schmeichelhaft klingt, mit ihren 16 Jahren ist sie einfach schon zu alt. Deshalb lautet ihr Ziel: Trainerschein mit 18. „Ich möchte gerne nebenberuflich die Kleinen hier weiter trainieren.“ Schon jetzt teilt sie ihre Erfahrungen mit dem Nachwuchs. „Wenn jemand von den Trainern krank ist, darf ich einspringen.“

Sie selbst hat schon im Alter von vier Jahren mit dem Eiskunstlauf angefangen. Sie war mit ihrem Onkel auf einem Turnier und es habe sie sofort begeistert. Auch ihre kleine Schwester hat das Eiskunstlauf-Fieber vor drei Jahren gepackt. Es scheint also in der Familie zu liegen.

Anastasia hat mit etwa acht Jahren mit dem Sport angefangen. Und auch hier scheint die Leidenschaft für eisige Sportarten in den Genen zu liegen. Ihr Bruder ist zwar kein Eiskunstläufer, aber er spielt Eishockey. Bei einem seiner Spiele gab es auch eine Showeinlage. Die 14-Jährige war sofort vom Eiskunstlauf begeistert.

Und jetzt, ein paar Jahre später, trainieren Vanessa und Anastasia fleißig für die Bayerische Meisterschaft. Die Choreographien der beiden stehen schon – auch wenn noch dran gefeilt werden muss, wie Vanessa berichtet. Die Mädchen haben sich beide jeweils eine schnelle Nummer für ihre Auftritte vor der Jury ausgesucht. Vanessa wird zu „Big Spender“ über das Eis gleiten. Anastasia hat sich mit dem Lied „Fight Song“ quasi schon das passende Motto für den Wettkampf ausgesucht.

Die Bayerische Meisterschaft findet am 9. und 10. März in Oberstdorf statt. Welcher ihr großer Tag sein wird, wissen die beiden Teenager noch nicht. Das wird das Los noch entscheiden müssen. Margit Dierauf hofft jedenfalls, dass es der 9. März sein wird. Am Tag darauf findet nämlich wieder die Eisgala im Landsberger Sportzentrum statt. „Es wäre schade, wenn die beiden da nicht dabei sein könnten.“ Schließlich sei auch das immer etwas ganz Besonderes. Das heißt aber auch, dass Vanessa und Anastasia nicht nur ihre Choreographien für die Meisterschaft einstudieren. Gleichzeitig will der Auftritt vor großem Publikum bei der Eisgala ebenfalls gut geprobt sein. Aber bei so viel Leidenschaft und Ehrgeiz, ist das für die beiden bestimmt ein Klacks.

Stephanie Novy

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