Hoher Unterhaltungswert

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Neuzugang Qendrim Beqiri sorgte gegen Rosenheim für die spektakulärsten Aktionen.

Landsberg – Der TSV Landsberg muss in den nächsten Spielen auf Peter Knechtel verzichten: Der Verteidiger musste beim 1:1 in Dachau mit einer umstrittenen Roten Karte früh vom Platz. „Ich bin mir sicher, dass wir mit elf Mann gewonnen hätten. So mussten wir es natürlich etwas anders zuende bringen“, war Trainer Sven Kresin nach der Partie mit dem Punkt nicht unzufrieden. Sein Sportlicher Leiter pflichtete ihm bei und meinte: „Schade nur, dass wir in der ersten Halbzeit unsere Chancen wieder nicht untergebracht haben, das ist im Moment ein bisschen unser Manko“, so Toni Yildirim.

Stattdessen gingen die Dachauer früh durch eine Einzelleistung von Doll in Führung (9.). Siegwart hätte schon zuvor für den TSV treffen können, danach versuchten sich auch Detmar (14.) und Benqiri (37.), scheiterten aber ebenfalls. Nach einem Schuss von Fülla staubte Wochnik kurz vor der Pause zum hochverdienten 1:1 ab. Bis dahin hatten die Zuschauer in Dachau zwar kein Offensivspektakel gesehen, aber für Sven Kresin „ein schönes Spiel für diejenigen, die sich mit Fußball auskennen.“ Einem 3-5-2-System war das 4-2-3-1 der Landsberger gegenübergestanden, „das war hochinteressant.“ 

Nach einer halben Stunde entschieden

Die taktischen Pläne wurden dann in der zweiten Halbzeit aber durch die Verwarnungen und Strafen durcheinandergeworfen. Schon in der 47. Minute musste der Landsberger Coach Rückkehrer Rainer Storhas vom Feld nehmen, „er war Gelb-Rot-gefährdet“. Nur zwei Minuten später erwischte es dann Knechtel mit „glatt“ Rot, wobei sowohl Kresin als auch Yildirim ein wenig mit dem Platzverweis haderten. „Ich weiß nicht, was die Schiedsrichterin in den Spielbericht schreibt“, so der Trainer, „vielleicht Grobes Foulspiel, eine Notbremse war es nicht.“ Yildirim sieht das ähnlich: „Da stehen noch drei Mann in der Mitte. Der Dachauer Trainer hat das so gesehen wie wir, da hätte es eine Gelbe Karte sicher auch getan.“ 

Ein Blick auf die Statistik zeigt allerdings, dass die Unparteiische ohnehin öfter zu den Karten greift als die meisten ihrer Kollegen in der Liga. Der TSV musste daraufhin erheblich umstellen. Stürmer Charly Fülla war defensiv gebunden, Süli wurde aus dem Mittelfeld in die Innenverteidigung beordert, Spannenberger gab den rechten Verteidiger. Für den gelernten Angreifer, der inzwischen auf der „Sechs“ spielt, eine gänzlich ungewohnte Situation. „Aber er hat das zu meiner Zufriedenheit erledigt.“ Dachau kam trotz nummerischer Überlegenheit nur noch zweimal zum Abschluss, die größte Chance vergab für Landsberg der eingewechselte Zinner kurz vor Schluss. 

Souverän agiert 

Drei Tage zuvor waren die TSV-Kicker selbst noch Nutznießer eines Platzverweises gewesen – allerdings hätte 1860 Rosenheim beim klaren 4:0 im Hacker-Sportpark an diesem Tag auch ohne die Hinausstellung wohl keine Chance gehabt. Bei Landsberg sorgten zwar Muriz Salemovic und Neuzugang Qendrim Beqiri für die spektakulärsten Aktionen; der Trainer hatte aber vor allem aber auch Rainer Storhas im Blick, der über weite Strecken schon fast wieder so souverän wie vor seiner langwierigen Verletzung agierte. Kresin: „Man hat bei uns die Qualität auf der ‘Sechser’-Position gesehen. Und das war in diesem Spiel extrem wichtig.“ Zwar zeigte man auch gegen Rosenheim „ein paar Abstimmungsprobleme hinten, die wir einfach noch abstellen müssen“, die Gäste wussten daraus an diesem Tag aber nichts zu machen. Stattdessen bekamen sie die Offensive der Gastgeber nie in den Griff. 

Als Salemovic nach gut fünf Minuten den Ball zu Benqiri legte, sorgte der mit einem Heber aus kurzer Distanz für die schnelle Führung, schon nach 21 Minuten lupfte Siegwart nach weitem Ball von Wochnik zur 2:0-Führung und nach einer halben Stunde war die Partie praktisch schon entschieden. Salemovic hatte sich an fünf Mann vorbeigewuselt, wurde im Strafraum von hinten gestoppt, den fälligen Elfmeter verwandelte Hauke im zweiten Anlauf zum 3:0. Überhaupt, Salemovic: Der Spielgestalter stellte mit einem präzisen Außenristschuss vom linken Strafraumeck den Endstand her (74.) und bot auch sonst noch Vieles von hohem Unterhaltungswert. 

Nachdem er kurz vor der Pause Schorpp im Rosenheimer Tor schon ausgespielt hatte, setzte er die Kugel aus fünf Metern rechts am leeren Tor vorbei, Sekunden später jagte er den Ball aus 14 Metern an die Unterkante der Latte. Zehn Minuten vor Schluss sah der Mittelfeldmann, der am heutigen Mittwoch 26. Geburtstag feiert, dass Schorpp zu weit vor dem Tor stand und hielt direkt aus 45 Metern drauf – der Ball senkte sich über den Keeper, sprang allerdings noch einmal auf und flog knapp über das Gehäuse. 

Auf derlei Kunststückchen müssen die Landsberger Zuschauer (auch diesmal waren wieder über 400 gekommen) in dieser Woche noch verzichten, es geht zum zweiten Auswärtsspiel in Folge ins niederbayerische Bogen. „Das wird eine schwierige Sache“, weiß Toni Yildirim. „Der Trainer hat uns am Wochenende schon beobachtet und die pflegen dort eine etwas härtere Gangart.“ Kresin muss neben dem gesperrten Knechtel weiterhin auf Nichelmann und Strohhofer sowie vermutlich auf Buschel verzichten, will aber nicht lamen- tieren. „Wir haben in fast jedem Training um die 20 Spieler, da kann man dann schon etwas ausrichten.“

Christoph Kruse

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