Mit 70 Sachen abwärts

Bobbycar-Rennen: Improvisation und Fantasie im Tuning sind gefragt

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Am 15. August rauchen in Schöffelding wieder die Bobbycar-Reifen. Mit dabei Peter Kaindl mit seiner grünen Rennmaschine.
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Am 15. August rauchen in Schöffelding wieder die Bobbycar-Reifen. 
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Am 15. August rauchen in Schöffelding wieder die Bobbycar-Reifen.
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Am 15. August rauchen in Schöffelding wieder die Bobbycar-Reifen. 

Schöffelding – Am 15. August gehen in Schöffelding wieder einmal die mutigen Damen und Herren mit ihren Bobbycars auf die steile Piste. In halsbrecherischer Fahrt kämpfen sie um Sekunden und Platzierungen. Dabei haben die Fahrzeuge nicht mehr viel mit dem traditionell roten Bobbycar aus dem Regal gemein.

Der 25-jährige Peter Kaindl ist von Beruf Landwirt und damit zu genüge ausgelastet. Doch einmal im Jahr tauscht er den Traktor gegen ein Gefährt, mit dem eigentlich Kleinkinder ihre ersten Fahrversuche unternehmen sollen: dem Bobbycar. Dann zieht er sich Schutzkleidung, Helm und Handschuhe an, startet von einer drei Meter hohen Rampe und brettert mit bis zu 70 Stundenkilometern die kurvige Piste am Ortsrand von Schöffelding hinunter. Er fährt für das Team „Katholischer Burschenverein Schöffelding“. Im letzten Jahr reichte es für einen vierten Platz und einen glimpflichen Unfall.

„Mit einem Bobbycar von der Stange braucht man hier gar nicht anzutreten. Das hat mal einer versucht, aber das kleine Auto war dann nach einem Lauf hinüber“, sagt Kaindl und erklärt im Anschluss die offiziellen Regeln für ein Bobbycarrennen. Denn dieser Sport erfreut sich weltweit großer Beliebtheit und es gibt nationale und internationale Wettbewerbe. Von Profisportlern möchte Kaindl nicht sprechen, aber es gäbe durchaus Fahrer, die vom Preisgeld leben könnten.

Als Basis dient ein Bobbycar der Firma BIG. Der Plastikkörper muss benutzt werden, wie er aus dem Regal kommt, und darf „nicht in Einzelteile zerlegt und durch irgendwelche Hilfsmittel künstlich verlängert oder verbreitert werden“, so steht es in den Statuten und bei der technischen Abnahme vor den Rennen wird auch penibel kontrolliert, ob alle Fahrer mit denselben Voraussetzungen an den Start gehen. Was man allerdings über den unvermeidlichen Plastikkörper hinaus mit seinem Bobbycar anstellt, ist der Phantasie der Bastler überlassen, solange sie sich an die vorgeschriebenen Gesamtmaße und Gewicht halten.

Es liegt in der Familie

Die Grundlage bildet dabei eine schwere Bodenplatte aus Metall, die unter den Körper geschraubt wird. Peter Kaindl hat seine Platte gekauft, denn im Internet bieten diverse Händler Tuningteile an. Der nächste Schritt zum erfolgreichen Racer ist die Lenkung. „Es sind schon Leute mit der Original-Lenkung gefahren. Die Lenkstange ist zwar aus Metall, aber der Rest besteht aus Plastik und hält nicht lange“, erklärt Kaindl und weist darauf hin, dass seine Lenkung komplett selbst gebaut wurde. Sein Bruder Johannes, auch Bobbycar-Racer, aber dieses Jahr durch Urlaub verhindert, ist gelernter Industriemechaniker und fertigt die Zeichnungen an. Befreundete Dreher setzen seine Ideen und Planungen schließlich in die Tat um. „Ein echter Glücksfall“, sagt Peter Kaindl und strahlt.

Bei den Rädern vertraut der Schöffeldinger Kaindl auf Hartgummi-Pneus, während hingegen andere Fahrer Stickstoff in die Schläuche ihrer Reifen pumpen. „Bei den Rädern scheiden sich die Geister und wir haben auch schon viel ausprobiert. Wir haben mit dünneren Reifen experimentiert und es gibt verschiedene Philosophien, aber für unser Team sind diese Reifen die besten“, erläutert Kaindl und nennt auch den Preis für diese Entscheidung: Ein Set kostet um die 200 Euro.

Das Gesamtgewicht seines Bobbycars liegt bei 30 Kilogramm. Um mehr Gewicht auf die Vorderachse zu bekommen, werden einige Kilos Blei unter der Haube gelagert. „Ein Kumpel von mir ist Sportschütze und der sammelt immer die Kugeln seines Luftgewehrs und schmilzt sie für mich ein“, sagt Kaindl und grinst. Er erhofft sich dadurch mehr Grip in den Kurven und schnellere Zeiten im Kampf gegen die Konkurrenten und die Uhr.

Die Fahrer sitzen nicht auf ihren kleinen Autos, sondern sie liegen mehr oder weniger waagerecht in der Luft und es ist durchaus eine sportliche Herausforderung, diese Haltung über die gesamte Strecke beizubehalten. Und die Bremsen? Kaindl lacht und zeigt auf seine Schuhe: „Das sind meine Bremsen! Gute Sohlen sind sehr wichtig und lange halten die Schuhe das nicht aus.“

Insgesamt hat Kaindl rund sechshundert Euro in sein Bobbycar gesteckt und auch kostspielige Ersatzteile kommen zwischen den Läufen zum Einsatz. Ob er heuer in Schöffelding Erfolg haben wird, ist also von seiner Planung, Fahrvermögen und dem Wetter abhängig: Bei Regen fällt das Rennen aus, denn nasse Strecken sind Gift für die kleinen Rennmaschinen. „Bisher hat es bei unseren Veranstaltungen noch nie geregnet und das wird hoffentlich auch so bleiben“, sagt Kaindl voller Zuversicht.

Dietrich Limper

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