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Der „dritte Mann“ beim TSV Landsberg

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Von: Thomas Ernstberger

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Martin Weiderer TSV Landsberg
Der „dritte Mann“ beim TSV Landsberg: Co-Trainer Martin Weiderer © Ernstberger

Landsberg – Er kommt aus Niederbayern, spielte einst in der Bezirksoberliga für den SC Zwiesel, den Club aus dem „Mr. Fallrückzieher“ Klaus Fischer hervorging. „Wir haben uns nie persönlich kennengelernt, aber ich habe mit seinem Neffen Markus zusammengespielt“, erzählt Martin Weiderer (44). Später war er für Dachau 65 in der Bezirksliga am Ball, ab 2007 als Spielertrainer für den VfL Egenburg. Danach begann „die Trainerschiene“, wie er es nennt.

Der Lehrer an der Mittelschule in Odelzhausen (seit 2005), der mit Ehefrau Heidi und den Töchtern Mila (11) und Neele (10) in Kissing bei Augsburg wohnt, übernahm die Kissinger A-Jugend – und lernte da den Mann kennen, der dafür verantwortlich ist, dass Weiderer seit dieser Saison als Co-Trainer beim TSV Landberg an der Seitenlinie steht: Sascha Mölders.„Zu dieser Zeit hat Sascha die B-Jugend trainiert, da sind wir uns ständig begegnet, das waren die ersten Berührungspunkte“, erinnert er sich. Da begann der gemeinsame Weg, der Martin Weiderer in die Bayernliga führte: „Die letzten drei Jahre war ich Saschas Co-Trainer bei der A-Jugend und der zweiten Mannschaft des SV Mering in der A-Klasse.“

Und wie ging’s nach Landsberg? Ganz einfach: „Als Sascha beim TSV unterschrieben hatte, hat er mich gefragt, ob ich mitkomme. Und ich habe sofort ja gesagt.“ So ist der Niederbayer jetzt der „verlängerte Arm“ des Spielertrainer-Duos Mölders und Mike Hutterer. Sowohl im Spiel als auch im Training. „Mir helfen die Menschenkenntnis, die ich als Lehrer gewonnen habe, sowie meine Erfahrungen als Pädagoge und Psychologe. Die Arbeit mit den Sportlern hilft mir wiederum in der Schule“, sagt er.

Den Chef verarztet

Und wie sieht Weiderers Arbeit am Platz konkret aus? „Sascha und Mike sind die Chefs, das ist ganz klar. Ich führe ihre Anweisung während des Spiels aus, sage ihnen, wenn mir was auffällt, werde aber niemals eigenständig eine Auswechslung durchführen. Das geschieht nur in Absprache.“ Der Co-Trainer verrät auch, was in der Halbzeit­pause passiert: „Sascha ist für die emotionale Ansprache zuständig, Mike erklärt mit der Taktiktafel und ich sage, was mir von außen aufgefallen ist. Und am Schluss kommen noch ein paar motiverende Worte von Kapitän Alex Benede.“ Wenn Not am Mann ist, hilft Weiderer auch im Verletzungsfall aus. So wie im Test gegen Karlsfeld, als Huttterer auf die Schulter fiel: Da sprintete der Co mit dem Medi­zinkoffer auf die andere Seite des Spielfelds und verarztete seinen „Chef.“

Und was macht der Assistenz-­Coach des TSV Landsberg im Training? „Da organisiere ich alles. Sascha und Mike sind im Training in erster Linie Spieler und weniger Trainer, da will ich ihnen so viel wie möglich abnehmen, sie sollen nicht mit Nebensächlichkeiten abgelenkt werden. Wir sprechen immer schon am Nachmittag den Trainingsplan ab. Und ich scheue mich auch nicht, die Leibchen zu verteilen und die die Hütchen aufzustellen. Hauptsache, der Rücken der beiden Chefs bleibt frei.“

Bei den Übungseinheiten (in der Regel dreimal in der Woche) sind die Spielertrainer voll dabei. Weiderer: „Sascha und Mike machen alles mit. Je härter es wird, desto mehr sind sie vorne mit dabei, sogar bei den gefürchteten Kotz-Läufen. Die beiden stecken nicht zurück, weil sie Trainer sind.“

Seit 13 – zumeist erfolgreichen Spielen – steht Weiderer jetzt an der Linie. Aus der A-Klasse in die Bayernliga – wie groß ist da der Unterschied? „Das ist etwas ganz Anderes, für mich eine ganz neue Fußball-Welt. Das hat mit dem, was ich bisher erlebt habe, nichts zu tun“, gibt er zu. Ich weiß, wo ich herkomme und lerne jeden Tag von Mike und Sascha. Das ist hier wie Fortbildung bei zwei Chefs, die eine ganz andere fußballerische Lebensgeschichte als ich haben.“ Und er gibt zu: „Am Anfang war schon großer Respekt vor diesen Top-Spielern da. Und die Frage: Wie reagieren die auf einen, der aus dem Kreisklassen-­Umfeld kommt?“ Die Antwort gibt‘s mittlerweile längst: Es passt zwischen den „Stars“ und dem „dritten Mann.“

Auch der „Rundum-Service“ (wie das Waschen der Trainingskleidung) und die „halb-professionellen Strukturen“ begeistern den Co. „Hier kommt jeder ins Training, hier gibt’s die ewig gleichen Ausreden, die einem jahrelang zum Hals herausgehängt sind, nicht mehr.“

Ganz wichtig auch: Martin Weiderer sagt, was er anders sieht als Mölders: „Ich nehme die Dinge weniger persönlich und emotional als er, ich analy­siere nüchtern, vertrete meine eigene Meinung.“ Das findet Sascha gut: „Ich will Martin genau deswegen dabei haben, weil er mir nicht nach dem Mund redet, sondern seine eigene Meinung hat. Meine Meinung ist ja auch nicht immer die richtige…“

Und wie sieht Weiderer seine Zukunft, will er selbst mal „Chef“ in der Bayernliga sein? Da muss er nicht lange nachden­ken: „Da gibt es keinerlei Ambitionen.“ Und auch keine langfristige Zukunftsplanung: „Ich habe nur diese Saison mit Sascha geplant – danach werden wir neu besprechen, wie es weitergeht.“ Und das am liebsten nach einem Happy End: „Der Aufstieg wäre schon schön…“.

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