Servus, Steffi!

Das »offensive Gehirn« der MTV-Damen Steffi Köhler beendet Karriere

Steffi Köhler (Mitte) beendet ihre Karriere – sehr zum Leidwesen von Trainer Nico Weis und Kapitän Maria Breitenberger
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Steffi Köhler (Mitte) beendet ihre Karriere – sehr zum Leidwesen von Trainer Nico Weis und Kapitän Maria Breitenberger
  • Thomas Ernstberger
    VonThomas Ernstberger
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Dießen – „Time to say goodbye“, um mal wieder Andrea Bocellis Edel-Schnulze zu strapazieren – es ist ein Abschied, der die Fußball-Frauen des MTV Dießen mitten ins Herz trifft. Steffi Köhler (früher Wild), das „offensive Gehirn“ der Mannschaft, wie Trainer Nico Weis die ehemalige Zweitliga-Spielerin mal bezeichnet hat, wird am Samstag im Rahmen der 50-Jahr-Feier der Frauenfußball-Abteilung verabschiedet. Im Testspiel gegen Heidenheim (15 Uhr) wird sie zum letzten Mal für Dießen auflaufen. Nach 96 Landes- und 22 Bayernliga­spielen mit insgesamt 45 Toren für den MTV.

„Goodbye“ – nach sieben Jahren als Führungsspielerin. „Sportlich ist die Steffi eine absolute Rakete. Ihre Dynamik mit Ball am Fuß und ihre technischen Fähigkeiten sind einzigartig. Und menschlich ist sie eine ganz sympathische, bescheidene und unheimlich beliebte Mitspielerin. Sie wird unersetzlich sein“, weint der Coach seinem 27-jährigen Vize-Kapitän eine riesengroße Träne nach.

Er erklärt: „Es gibt zwei Arten von überragenden Spielern: die, die selbst einfach überragende Einzelspieler sind. Und die, die auch alle anderen um sich herum besser machen. So eine Spielerin war die Steffi. Kapitän Maria Breitenberger ergänzt: „Ich hab‘ in meinen langen Fußballjahren ja schon mit vielen Leuten zusammen gespielt, aber Steffi war wirklich die absolute Krönung. Wenn man ihr zuschaut, geht jedem Fußballer das Herz auf. Eine Wahnsinns-Granate, für keinen Zweikampf zu schade, im höchsten Tempo einen Übersteiger nach dem anderen, gekämpft bis zum Umfallen und auch so hilfsbereit und bescheiden. Ich kann im Namen der gesamten Mannschaft nur sagen: Danke, Steffi. Du wirst uns fehlen!“

Karriere-Ende mit 27, eigentlich im besten Fußball-Alter – warum denn das? „Das werde ich oft gefragt“, erzählt die Industrie-Kauffrau, die in ihrem Heimatort Rott mit dem Fußball begann, mit 14 nach einem erfolgreichen Probetraining zu den Bayern wechselte und nach sechs Jahren in München ein Jahr in Rott spielte (Bezirksliga-Aufstieg mit 29 Wild-Toren in 18 Spielen). 2014 kam sie zum MTV Dießen.

»Mehr Zeit für mich«

„Es gibt zwei Gründe für meinen Entschluss“, sagt sie. „Zum einen habe ich seit Jahren Rückenprobleme, die sich besonders in der Vorbereitung und nach den Spielen bemerkbar machen.“ Der zweite Grund: „Ich spiele seit 20 Jahren durchgehend Fußball. Ich will jetzt einfach mehr Zeit für mich, meine anderen Hobbys wie Radfahren und Wandern und natürlich für meinen Mann Robert haben.“ Die beiden sind seit Oktober 2020 verheiratet und arbeiten gerade in Haid (Wessobrunn) an der Kernsanierung eines alten Hofes.

Welches Auge überwiegt beim Gedanken an den „Fußball-Ruhestand“ – das lachende oder das weinende? Da bleibt Steffi diplomatisch: „Beide gleich. Das lachende, weil ich künftig mehr Zeit für mich habe. Und das weinende, weil ich in Dießen eine voll schöne Zeit hatte und wir auch außerhalb des Platzes viel zusammen gemacht haben und Freunde geworden sind.“

Gänsehautmomente

Was sind die Erlebnisse, an die sie gerne und sofort zurückdenkt? „Es war schön, bei Bayern spielen zu dürfen. Ich bin schon stolz darauf, in der 2. Liga gespielt zu haben.“ Und mit Dießen? Da kommt’s wie aus der Pistole geschossen: „Der Aufstieg in die Bayernliga. Das war Gänsehaut pur. Und ich hab ja auch a bisserl was dazu beigetragen...“ Was natürlich maßlos untertrieben ist. Maria Breitenberger erinnert sich noch gut: „Unvergessen sind Steffis Tore im Aufstiegsjahr, als sie gegen Bad Aibling und im Bereinigungsspiel gegen Ingolstadt den Ball zum Sieg ins Kreuzeck genagelt und dann auch noch im Aufstiegsspiel gegen Frensdorf den wichtigen Ausgleich gemacht hat.“

Aber jetzt heißt‘s Time to say goodbye. Am Samstag steigt das große Finale. „Dann ist das Kapitel Fußball abgeschlossen“, sagt Köhler. Zumindest das aktive Kapitel. Denn ihren Mädels will sie weiter die Daumen drücken: „Ich werde öfters zu den Heimspielen kommen. Ich will sehen, wie sie sich in der Landesliga schlagen.“

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