Von Powerlearning bis Akrobatik

Das Programm der »Sommerschule« kam bei den Schülern der JWR Landsberg gut an

Trainer Mikkel Henningsen (rechts) von 360 Kompetenz bringt den Schülern wichtige „Soft Skills“ bei.
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Trainer Mikkel Henningsen (rechts) von 360 Kompetenz bringt den Schülern wichtige „Soft Skills“ bei.
  • VonAndrea Schmelzle
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Landkreis – Schule in den Ferien? Das vom Freistaat geförderte Programm für Förderkurse in den Sommerferien, das vielerorts eher für Stirnrunzeln gesorgt hat und an anderen Schulen im Landkreis eher schleppend angenommen wurde, kam in der Johann Winklhofer Realschule Landsberg richtig gut an. Insgesamt machten rund 140 Schüler in der ersten und letzten Ferienwoche mit – real, nicht virtuell. Grund für den regen Zuspruch war nicht zuletzt das Konzept: eine abwechslungsreiche Mischung aus dem Nachholen von Lernstoff, dem Aufbau von Sozialkompetenz und sportlichen Aktivitäten.

„Lächle mehr als andere“, „nimm Augenkontakt mit deinem Publikum auf“, „sprich laut und deutlich“, „spiele nicht mit deinen Händen – und nimm auf keinen Fall die ‚Merkel-Position‘ ein, die ist schon vergeben“, erklärt der elfjährige Milan, ein Gastkind der Realschule Kaufering. Das hat er schon am ersten Tag der letzten Ferienwoche im ‚Power­learning‘ bei Trainer Mikkel Henningsen gelernt. Das Thema: Rhetorik. „Das habe ich gebraucht, weil ich in Präsentationen nicht so gut war“, sagt Milan.

An den anderen Tagen stand Zeit- und Selbstmanagement auf dem Programm: Wie erstelle ich eine Prioritätenliste oder einen Wochenplan? Was kann ich besser machen? Gemeinsam wurde erarbeitet, dass es etwa besser ist, mal ein Buch zu lesen oder zu lernen, statt fünf Stunden pro Tag am Handy zu sein, berichtet der 16-jährige Simon.

Auch Kommunikation war Thema. „Wie schwer ist New York?“ lautete eine etwas seltsam anmutende Frage aus diesem Bereich. Es ging darum, „wie wir Schüler sie zu beantworten versuchen“, erklärt Catherine. „Haben wir einfach keinen Plan oder suchen wir nach einer Lösung?“

Insgesamt acht Trainer des langjährigen JWR-Partners 360 Kompetenz-Team Augsburg haben den Kindern diese ‚Soft Skills‘ nähergebracht. Die Lerngruppen setzten sich dabei jahrgangsübergreifend zusammen. Lag der Tenor bei den Jüngeren eher auf dem Halten von Referaten, ging es bei den Älteren eher darum, wie ein Bewerbungsgespräch richtig geführt wird, erklärt Henningsen, der eigentlich in Kopenhagen Politikwissenschaften studiert.

In der ersten Ferienwoche wurden zudem ‚Skills‘ wie Fotografie oder auch Akrobatik und Selbstverteidigung vermittelt. „Wir haben uns bemüht, ein interessantes Programm zusammenzustellen, das für die Schüler auch attraktiv ist“, sagt JWR-Direktor Herbert Woerlein. Das hatte Erfolg. Schüler von der fünften bis zur neunten Klasse nahmen teil. „Darunter sowohl gute Schüler, die einfach gern die ‚Eventangebote‘ nutzen wollten, als auch Kinder, die auf Probe vorrücken oder generell Förderbedarf haben, etwa durch ihren Migrationshintergrund“, so Woerlein. „Insgesamt 15 Lehrer haben den Kindern in Lernklassen dabei geholfen, wichtige Inhalte, etwa in Deutsch, Mathe, den Fremdsprachen oder Physik, zu üben und zu vertiefen“, erklärt Konrektorin Katalin Lutzenberger. Zudem gab es neun jugendliche Lerntutoren, die in Kleingruppen, mit ein bis drei Kindern, den Stoff intensiviert haben. Das sei auch schon mal anstrengend gewesen. Aber auch effizient. Denn es sei oftmals etwas anderes, wenn Schüler Schülern helfen, meint Woerlein. „Sie sprechen die gleiche Sprache.“

Defizite ausgleichen

„Mit dieser Mischung gleichen wir in unserer Sommerschule nicht nur entstandene Defizite in den Unterrichtsfächern, sondern auch im sozialen Miteinander und in der Selbstorganisation aus“, meint zweite Konrektorin Ruth Riedle, die die Sommerschule organisiert hat. Warum es eine gute Idee war, neben dem Unterricht auch Sport und Soft-Skills durch externe Partner anzubieten, erklärt Akrobatik-Trainerin Michelle Meyl: „In rein sportlicher Hinsicht lernen unsere Kursteilnehmer, Spannung zu halten und sich aufeinander abzustimmen.“

Marie (links)und Melissa (rechts) freuen sich über ihre gelungene Akrobatik-Übung und finden Sommerschule „cool“.

Vertrauen aufbauen

Die Kinder lernen aber noch viel mehr, nämlich Vertrauen aufzubauen, im Team zu arbeiten und sich etwas zuzutrauen. Der Aufbau dieser Sozialkompetenzen ist mindestens so wichtig wie der rein sportliche Aspekt.“

„Wichtig war es uns auch, die Sommerschule ‚in Präsenz‘ durchführen zu können“, meint Woerlein. „Von Online-Angeboten haben die Schüler doch mittlerweile die Nase voll.“ Auch das war wohl ein Grund, warum die JWR als einzige Schule im Landkreis das Programm in dem Umfang durchziehen konnte. Ergänzt wurde es übrigens durch einen regelmäßigen Pizza- und Eisservice.

Den Kindern hat es gefallen. Auch wenn es einige gab, die anfangs die Sommerschule besucht haben, weil die Eltern „das so wollten“. Am Ende fanden es alle „cool“ und es hat nicht nur großen Spaß gemacht, sondern war „wirklich hilfreich“. Wie bei Simon, dem besonders der Rhetorik-Kurs geholfen hat, vor anderen zu sprechen. „Eine gute Vorbereitung aufs Berufsleben“.

Das Angebot könne selbstverständlich kein Ersatz für den lange ausgefallenen Unterricht sein, meint Woerlein. Das sei so schnell nicht aufholbar. Aber es sei ein erster Ansatz. Und bestimmte Förderangebote wie die Intensivierung durch Tutoren würden im Nachgang bestehen bleiben.

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