Ein Landsberger in der Dart-Weltspitze

Michael Unterbuchner schlägt Weltmeister Peter Wright

Michael Unterbuchner - Dart - Landsberg
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Er lässt die Pfeile millimetergenau fliegen: Der Landsberger Michael Unterbuchner spielt nun Darts bei den Profis der PDC.
  • Dietrich Limper
    VonDietrich Limper
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Landsberg/London – Die Professional Darts Corporation (PDC) hat Zuwachs aus Deutschland bekommen. Michael „TRex“ Unterbuchner aus Landsberg hat sich für eine sogenannte Tour Card qualifiziert und spielt nun mit den wirklich Großen des internationalen Dartsports. Am vergangenen Wochenende durfte er bereits bei der Players Championship in London antreten.

Der 32-jährige Michael Unter­buchner kam erst 2004 zum Darts und spielte zunächst für acht Jahre im E-Bereich, das heißt er warf die Pfeile mit einer Kunststoffspitze auf elektronisch betriebene Automaten. Die andere, weitaus populärere, Variante ist „Steeldart“. Hierbei wird mit den bekannten Stahlpfeilen auf die Scheibe aus Sisalfasern geworfen. In Deutschland zieht Darts um die Weihnachtszeit herum viele Menschen vor den Fernseher, wenn die PDC Weltmeisterschaft übertragen wird. Dann sind Helden wie Michael von Gerwen, Gerwyn Price, Peter Wright oder James Wade in nervenaufreibenden Duellen zu bestaunen. Im letzten Jahr sorgte der Deutsche Gabriel Clemens für Furore und kam nach einem Sieg über Weltmeister Peter Wright bis ins Achtelfinale. Und genau in dieser Liga spielt nun auch Michael Unterbuchner.

Erstmals aufhorchen ließ der Lechstädter 2016, als er bei Turnieren in Deutschland, Österreich und Italien das Viertelfinale erreichte. 2017 gewann er erste Turniere beim Deutschen Dart Verband (DDV) und belegte Platz 1 der nationalen Rang­liste. Wenig später schrieb er Geschichte, denn er bezwang Jamie Hughes und war der erste Deutsche, der bei einer BDO-Weltmeisterschaft einen Sieg auf der Lakeside Bühne erreichte.

Den Blick fest nach vorne gerichtet: Dart-Professional Michael Unterbuchner aus Landsberg.

Michael Unterbuchner eilte von Erfolg zu Erfolg. Er siegte gegen Größen wie Richard Veenstra, Martin Phillips, Ian White und James Wade. Gegen Glen Durrant verlor er 2018 nur knapp. Mit dem Gewinn der Swiss Open im selben Jahr, war er endgültig auf der Darts-Landkarte erschienen. Bereits 2020 wollte der Bundesligaspieler der Black Birds Kehlheim den Wechsel zur PDC vollziehen, aber er scheiterte knapp in der Qualifikation.

Doch in diesem Jahr war er in Niedernhausen voll da: Unter professionellen Bedingungen und mit einem beeindruckenden Hygienekonzept, konnten die Spieler in einer Bubble um die begehrte Eintrittskarte in die Profiwelt spielen. Mit von der Partie war unter anderem auch der fünfmalige Weltmeister Raymond van Barneveld, der sich am Ende ebenso wie Unterbuchner durchsetzen konnte. Gespielt wurde Corona bedingt aufgeteilt in zwei Vorrundengruppen, die der TRex problemlos überstand, um sich am Ende mit den besten 128 Spielern in der Final Stage messen zu können. Am letzten Tag zog Unterbuchner dabei ins Viertelfinale ein, wo er dem Tagessieger Boris Koltsov aus Russland knapp mit 5:6 unterlag. Dadurch hatte er aber insgesamt genug Punkte gesammelt, um am Ende unter den Top 8 der „Order of Merit“ zu landen und somit seine Tour Card der PDC zu bekommen. Selbiges gelangen neben Unterbuchner noch den deutschen Spielern Florian Hempel, Robert Marijanovic und Martin Schindler.

Weltmeister besiegt

Das vergangene Wochenende in London verlief denkwürdig. Vier Turniere wurden an vier Tagen gespielt und Unterbuchner startete stark: 6:3 hieß es gegen Chas Barstow in der ersten Runde, aber für die Sensation sorgte er in Runde zwei, in der er den ehemaligen Weltmeister Peter Wright mit 6:1 bezwang. Im Gespräch mit dem KREISBOTEN sagt Unterbuchner: „Ich habe gegen Wright einfach versucht, mein bestes Spiel zu machen und war glücklich, dass ich das in diesem Moment geschafft hatte.“

Die nächste Runde überstand er allerdings nicht mehr, er unterlag Jon Worsley mit 2:6. Vielleicht hatte der Sieg über Wright für zu viel Aufregung gesorgt, denn die restlichen drei Tage liefen nicht mehr so rund: Es setzte Erstrundenniederlagen gegen einen sehr starken Damon Heta, Berry van Peer und Ricky Evans.

An den UK Open wird Michael Unterbuchner trotz Berechtigung nicht teilnehmen können, denn noch arbeitet er hauptberuflich im Vertrieb bei einer IT-Firma in Grünwald. „Natürlich wäre ich gerne als Vollprofi auf der PDC-Tour unterwegs, aber dafür fehlen mir noch die Sponsoren“, beschreibt Unterbuchner seine Situation. Aber er lässt den Kopf nicht hängen: „Ich werde versuchen, die Tour Card über die nächsten zwei Jahre zu halten. Und natürlich möchte ich so viele große Turniere wie möglich spielen und am Jahresende bei der Weltmeisterschaft am Start sein.“

Vielleicht sieht man den Landsberger dann im berühmten „Ally Pally“ und der legendäre Ansager Russ Bray röhrt mit seiner markanten Stimme: „Onehundredandeighty!“.
Dietrich Limper

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