Lohmann, Nagelsmann, Neuhaus

Die drei aktuellen Tops aus dem kleinen Landkreis Landsberg

Sydney Lohmann mit Trikot
+
Sydney Lohmann
  • Thomas Ernstberger
    vonThomas Ernstberger
    schließen

Landkreis – Klein, aber fein! Der Landkreis Landsberg belegt im Vergleich zu den anderen Kreisen im Freistaat nur hintere Plätze: Rang 43 in Bayern bei der Einwohnerzahl (knapp 121.000), flächenmäßig mit 804 Quadratkilometern sogar nur Platz 45. Aber in Sachen Fußball ist der Landkreis Landsberg Spitze – auch wenn die ranghöchste Mannschaft, der TSV Landsberg, gerade mal in der Bayernliga spielt.

Nicht so schlimm, schließlich kennt ganz Fußball-Deutschland mittlerweile Issing und den aktuell bekanntesten Landkreis-Bürger. „Ich bin ein Landsberger“, korrigiert Julian Nagelsmann sofort, wenn er mal wieder als Allgäuer oder Münchner bezeichnet wird. Der 33-Jährige, dessen Spielerpass mit der Nummer 0060-0588 noch immer beim FC Issing liegt und dessen Mutter Walburga in Vilgertshofen lebt, ist der teuerste Trainer in der Welt des Profi-Fußballs (Ablöse an RB Leipzig je nach Erfolg bis zu 25 Millionen Euro), zusammen mit Sören Lerby (1991/92) der jüngste Trainer der Bayern-Geschichte und der erste oberbayerische Bayern-Coach seit Franz Beckenbauer (1996). „Nagel“ verbrachte seine Jugend in Issing (da begann er mit dem Fußballspielen, bevor er zum FC Augsburg und 2002 in die U17 des TSV 1860 München wechselte) und Landsberg. Er besuchte das IKG, das Ignaz-Köhler-Gymnasium, und er spielte neben Fußball auch leidenschaftlich gerne Eishockey: Erst auf dem Weiher in Issing, dann drei Jahre in der Jugend für den EV Landsberg und später in der Natureis-Liga für den SV Apfeldorf. Mit dem FC Issing stieg Deutschlands Trainer des Jahres 2017 in der Saison 2010/11 als Spieler aus der A-Klasse in die Kreisklasse auf. Jetzt hat er einen Fünf-Jahresvertrag beim deutschen Rekordmeister unterschrieben. Der gebürtige Landsberger wird nach dieser Saison fix nach München ziehen, wo Ehefrau Verena, mit der er seit drei Jahren verheiratet ist, bereits mit den beiden Kindern lebt. Da hat er nach Issing nicht mehr so weit wie von Hoffenheim oder Leipzig.

Julian Nagelsmann


Nagelsmann künftig Bayern-Trainer – gut möglich, dass er im Kader der „Roten“! irgendwann einen ehemaligen „Blauen“ aus dem Landkreis Landsberg begrüßen kann. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die Bayern scharf auf den Kauferinger Nationalspieler Florian Neuhaus (24/fünf Länderspiele) sind. Allerdings ist die Ablöse für den Mittelfeldspieler, der 2017 nach dem Abstieg der Münchner Löwen aus der 2. Liga ablösefrei zu Bundesligist Borussia Mönchengladbach wechselte (und erst mal für ein Jahr an Zweitligist Fortuna Düsseldorf ausgeliehen wurde) noch höher als die für Nagelsmann: Sie soll 45 Millionen Euro betragen. Neuhaus (Vertrag bis Sommer 2024) hat bereits 92 Bundesligaspiele absolviert und dürfte sicher zum deutschen Kader für die EM 2021 (ab 11. Juni) gehören. Damit wird der U21-Vize-Europameister von 2019 wohl der erste Kauferinger bei einer Herren-Fußball-Europameisterschaft.

Sydney Lohmann

Auch Sydney Lohmann (20) ist international höchst erfolgreich – auch wenn die in Pürgen aufgewachsene Fußballerin am Sonntag mit den Frauen des FC Bayern München durch eine 1:4-Niederlage im Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea London den Einzug ins Champions League-Finale nach einem 2:1 im Hinspiel verpasste. Lohmann, die beim TSV Lengenfeld mit dem Fußballspielen begann, spielt seit 2016 für die Bayern, ihr Vertrag wurde vor kurzem bis 2024 verlängert. Das deutsche Top-Talent hat sieben Länderspiele für Deutschland und 56 Bundes- sowie elf Champions League-Spiele für die Bayern absolviert. An diesem Sonntag um 13 Uhr spielt sie mit Tabellenführer Bayern im Bundesliga-Topspiel bei Verfolger Wolfsburg. Mit einem Sieg hätten die FCB-Frauen zwei Spieltage vor Schluss die Meisterschaft so gut wie sicher. Übrigens: Von den Nagelsmann- und Neuhaus-Millionen ist Lohmann meilenweit entfernt: Ihr Marktwert beträgt bescheidene 180.000 Euro...

Florian Neuhaus


Nagelsmann, Neuhaus und Lohmann: Das sind die drei Fußball-Tops aus dem kleinen Landkreis Landsberg. Ein vierter ist längst nicht mehr aktiv und hat den Fußball mit der Gitarre vertauscht. Andy Görlitz (39) aus Rott war 2005, 2006 und 2010 – teils auch ohne Einsätze wegen Verletzungen – Deutscher Meister und Pokalsieger mit den Bayern und kam zweimal in der Deutschen Nationalmannschaft zum Einsatz. 2014 kam dann das Karriereende bei den San Jose Earthquakes in Amerika. Jetzt macht er Musik, arbeitet mit seiner Band „Whale City“ an neuen Songs und für die Auftritte nach der Pandemie.

Ganz nah dran: Ausstrahlung und Autorität

Ich erinnere mich noch ganz genau an diesen 13. Juli 2018. Es war ein heißer Sommertag, dieser Freitag, als Fußball-Bundesligist TSG Hoffenheim zum Abschluss des Trainingslagers in Garmisch-Partenkirchen zum Freundschaftsspiel gegen Drittligist SpVgg Unterhaching im Sportpark des SC Pöcking-Possenhofen gastierte und 3:0 gewann.

Ich weiß noch, wie die Kabinen-Tür aufging und nach den Spielern der Mann auf den Platz kam, den ich mir nach den Fernsehbildern viel kleiner vorgestellt hatte. „Das ist ja eine echte Erscheinung, eine Persönlichkeit mit toller Ausstrahlung und natürlicher Autorität“, war mein erster Gedanke, als ich den 1,91 Meter großen Julian Nagelsmann, damals gerade 30 Jahre alt, zum ersten Mal „in natura“ sah. Ein freundliches Lächeln, Autogramme für die Kids, ein Selfie mit Pöckings damaligem Fußball-Abteilungsleiter und jetzigem ersten Vorsitzenden Ismail Yilmaz – der Trainer-Youngster hinterließ am Starnberger See einen rundum sympathischen Eindruck.

Auch ehemalige Mitspieler Nagelsmanns, wie mein langjähriger Freund Stefan Aigner (Foto), berichten nur Gutes über den künftigen Bayern-Trainer. „Er ist trotz seiner Erfolge auf dem Boden geblieben. Nagel hat eine positive Ausstrahlung, kann sich artikulieren und tickt wie ein Spieler. Er kann aber auch autoritär sein, wenn es nötig ist“, sagt der ehemalige Bundesliga-Profi und Ex-Kapitän des TSV 1860 München, der aktuell bei Drittligist SV Wehen-Wiesbaden unter Vertrag steht.

Stefan Aigner

Aigner ist wie Nagelsmann 33 Jahre alt und hat in der „Löwen“-Jugend drei Jahre mit dem Issinger zusammengespielt. Und er erzählt: „Er ist immer hilfsbereit. Als es bei mir bei den Rapids in Colorado nicht mehr lief, ließ er mich in Hoffenheim sogar mittrainieren. Ich wollte eigentlich nur hospitieren und mir sein Training anschauen. Aber er hat gesagt: Komm, trainier doch mit.“ Für Aigner steht fest: „Er ist zwar jung, aber schon sehr erfahren. Nagel wird auch bei den Bayern Erfolg haben.“
Thomas Ernstberger

Auch interessant

Kommentare