Ehemaliger "X-Man" ist Europameister

Schon immer auf Football gesetzt

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Fabien-André Gärtner (rechts) und Robert Zernicke (Braunschweig Lions) konnten am Samstag den Pokal von der Football-EM in Wien mit nach Hause nehmen.

Landsberg/Wien – 1998 saß er noch beim Nachwuchs des damaligen Landsberg Express auf der Bank und hoffte, zu seinem großen Bruder Markus-Fabio aufs Feld zu dürfen. Durfte Fabien-André Gärtner nach den Regularien natürlich nicht, er war mit acht Jahren einfach noch zu jung.

16 Jahre später konnte er jetzt nicht nur mitspielen, Gärtner gewann am Samstag mit Deutschland den Football-Europameistertitel in Wien. „Dieser Erfolg vor dieser Kulisse, davon werde ich noch meinen Enkeln erzählen“, sagt der 24-Jährige im KREISBOTEN-Interview.

Vor 27000 Zuschauern im Ernst-Happel-Stadion rang Deutschland mit Gärtner die Gastgeber mit 30:27 nach Verlängerung nieder und das ehemalige Express-Mitglied konnte wenig später den Pokal in die Höhe recken. Vor einigen Wochen schien ein solcher Triumph noch in weiter Ferne. Der Running Back laborierte an einer Innenbandverletzung, wurde aber dennoch zum Trainingslager der Nationalmannschaft eingeladen. 

Bei der EM lief es dann aber blendend: der 24-Jährige erhielt jede Menge Spielzeit, kam im Turnierverlauf auf drei Touchdowns und war auch in praktisch allen Special Teams vertreten. „Ich war selbst positiv überrascht, wie sich das entwickelt hat.“ Dabei kam ihm auch seine lange Football-Karriere zugute, wie er weiß. Während viele Spieler aus anderen Sportarten als Quereinsteiger in die Teams kommen, hat Gärtner schon in der Kindheit auf Football gesetzt. „Ich wollte meinem großen Bruder nacheifern, habe früh angefangen, dadurch viel Spielverständnis entwickelt und kann heute ein Spiel gut und leicht lesen“, sieht er selbst seine Stärken. Eine Folge: „Ich kann auch gut Blocks gegen die Defense setzen.“ Luft nach oben ist allerdings auch noch, wie er weiß. „Ich muss an der Athletik und der Fitness arbeiten, Schnelligkeit ist bei mir ein Thema“, räumt er ein, „aber da kann man ja etwas tun“. 

Nach dem Titelgewinn in Wien haben ihm das die Nationaltrainer als Hausaufgabe mitgegeben, allerdings auch signalisiert, dass sie mit Gärtner schon jetzt im 45-Mann-Kader für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Stockholm planen. Dabei verlief seine Karriere keineswegs geradlinig, wofür zum Teil auch die schwierige Situation im Football generell verantwortlich war. 

Kurz nachdem er mit der Sportart anfing, musste der damalige Express in Landsberg Insolvenz anmelden. Der Nachwuchsspieler kam im Förderprogramm „NFL Monarchs“ in München unter, wechselte dann für ein Jahr nach Königsbrunn und schließlich zu den Munich Cowboys, wo er heute noch mit seinem älteren Bruder in der German Football League (1. Bundesliga) spielt – und zu den Leistungsträgern gehört. „Football ist eine teure Sportart, da ist man auch auf die Medienpräsenz angewiesen, die ist leider in den letzten Jahren zurückgegangen“, weiß Gärtner, der sich noch an „die Hoch-Zeiten in den 90er-Jahren“ erinnert. Einen solchen „Hype“ gibt es seit Jahren im Nachbarland Österreich, „da sind inzwischen in Innsbruck mehr Leute beim Football als beim Fußball“. 

In Bayern ist man im Moment von solchen Zuständen ein Stück weit entfernt, der Aufwand wird deswegen aber nicht geringer. Für die EM musste Gärtner selbstredend Urlaub nehmen, am Sonntag ging es zurück in die Heimat. Seit Dienstag steht wieder tägliches Training an, „am Freitag gibt es dann noch ein Team-Meeting mit Video-Analyse und am Samstag spielen wir ja schon wieder mit den Cowboys gegen Kempten.“ 

Die Aufwandsentschädigungen in der GFL reichen zum Broterwerb im Moment für die wenigsten Spieler aus. Fabien-André Gärtner, gelernter Kaufmann für Marketing und Kommunikation und im väterlichen Betrieb in der Unternehmensberatung tätig, ist darauf zwar nicht angewiesen – eine Profikarriere hat er trotzdem noch nicht ganz ad acta gelegt. „Die NFL-Teams haben inzwischen ein genaues Auge auf die Spieler aus Deutschland und Österreich“, weiß er. „Es wäre wahnsinnig schön und ein Traum, das noch zu machen. Aber es könnte sein, dass ich mit meinen 24 Jahren für den Sprung über den Großen Teich schon ein, zwei Jahre zu alt bin.“ 

Knut Dins, Präsident des aktuellen Landsberg X-Press und Landsberger Football-Urgestein, könnte damit wohl gut leben. Die Football-Gemeinde ist klein, „ich bin auch mit ihm immer wieder in Kontakt und freue mich über seinen Erfolg bei der EM“. Sein Wunsch: „Es wäre toll, wenn er irgendwann vielleicht wieder für den X-Press spielt.“ Ausgeschlossen scheint das nicht, Gärtner ist weiterhin gut mit der alten Heimat vernetzt. „In Landsberg ist der Football immer sehr präsent, ich verfolge das regelmäßig über Facebook und sehe, dass es dort auch eine regelmäßige und gute Berichterstattung gibt. Das ist in Süddeutschland nicht überall so.“

Christoph Kruse

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