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Alexander Benede: „Ich bin stolz, TSV-Kapitän zu sein!“

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Von: Thomas Ernstberger

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Alexander Benede - TSV Landsberg
Geht beim TSV Landsberg als Kapitän voran: Innenverteidiger Alexander Benede. © Ernstberger

Landsberg – Er hat schon in der 3. Liga gespielt, ganz am Anfang seiner Karriere unter Trainer Mehmet Scholl mit den Bayern-Amateuren, nachdem er aus der 1860-Jugend zu den „Roten“ gekommen war. Er war in Aindling und Aichach (Aufstieg in die Bayernliga) aktiv, war Bayernliga-Meister mit dem SV Pullach, für den er von 2014 bis 2021 183 Mal auflief, und dort zwei Jahre Spielertrainer. Seit 2021 spielt Alexander Benede für den TSV Landsberg und trägt seit dieser Saison die Kapitänsbinde. 

„Ich habe mich nicht darum gerissen, weil ich auch ohne Binde immer Verantwortung übernehme. Aber Sascha Mölders und Mike Hutterer haben mich überzeugt. Ich mach‘ das sehr gerne – und bin auch stolz darauf, Kapitän zu sein“, so der Abwehr-Routinier, der gerade 34 Jahre alt geworden ist. „Er ist ein ganz wichtiger Spieler für uns“, sagt Spielertrainer Sascha Mölders. „Ich wollte ihn unbedingt als Kapitän haben, weil ich weiß, dass er eine Persönlichkeit auf dem Platz ist und alles fürs Spiel gibt. Das hat sich auch schon ausgezahlt. Alle Spieler sehen zu ihm auf und er schlägt auch mal eine härtere Gangart ein – das mag ich, das brauchen wir.“

Benede, der 297 Bayernliga-­Spiele auf dem Buckel hat, gibt das Kompliment zurück: „Sascha ist super als Trainer.“ Wie sein Ex-Coach Frank Schmöller (1987 DFB-Pokalsieger und deutscher Vizemeister mit dem Hamburger SV) in Pullach: „Beide sind sich unglaublich ähnlich, haben eine aufrichtige, ehrliche und direkte Art. Sie legen die Finger immer in die Wunde und projizieren die Ansprüche, die sie an sich selbst haben, auch auf andere. So haben sie Erfolg.“

In Pullach war für Benede vergangenen Sommer ganz plötzlich nach sieben Jahren und dem ersten Saisonspiel Schluss. „Da musste ich eine Entscheidung treffen – wieder irgendwo Spielertrainer oder nur Spieler. Ich hatte immer einen sehr engen Kontakt zu Mike, der ja früher auch in Pullach gespielt hat. Er ist mein bester Spezl und mein loyalster Freund und hat die Sache mit Landsberg ins Rollen gebracht. Ich bin dann wegen ihm und auch wegen Muriz Salemovic, der damals Spielertrainer war, zum TSV gewechselt“, erklärt Alex. Was er bislang nicht bereut hat: „Ich fühle mich hier sehr wohl.“ Und er fügt hinzu: „Ich hatte überall gute Zeiten – und habe sie jetzt wieder.“ Während Mölders und viele andere Spieler klar das Saisonziel Aufstieg ausgegeben haben, nimmt sich „Käpt’n Alex“ da völlig zurück: „Daran denke ich keine Sekunde. Es gibt genug zu tun – für mich zählt nur das nächste Spiel.“

Die Nummer 24 des TSV wohnt mit Ehefrau Sophie und Sohn Leo (4) eine Autostunde von Landsberg entfernt in München-Harlaching, ganz in der Nähe der Trainingsplätze der Bayern und der Löwen. Er hat Sportwissenschaften studiert und arbeitet hauptberuflich bei der Münchner Fußballschule (Sitz in Planegg), einen „privaten Dienstleister im Bereich Fußball-Training“, der nach eigenen Angaben mit rund 100 Vereinen im Großraum München, Augsburg, und Niederbayern kooperiert und pro Jahr rund 7.000 Kinder betreut. Und er spielt am liebsten Innenverteidiger: „Es gibt keinen Posten, auf dem ich besser aufgestellt bin.“

Dramatische Kindheit

Soweit die sportliche Seite des gebürtigen Münchners mit serbischen Wurzeln, der offiziell Alexander Benede Aquayo heißt. Bereits da fällt auf: Ein doppelter Nachname (wie bei den ehema­ligen „Löwen“ Stefan Ortega Moreno oder Guillermo Vallori Grimalt) steht in der Regel für spanische Vorfahren. Bei Alex steckt eine dramatische Geschichte dahinter, die 2017 sogar unter dem Titel „Der Polizist, der Mord und das Kind“ vom ZDF (mit Jutta Speidel) verfilmt wurde und die ihn – verständlicherweise – bis heute, 23 Jahre später, beschäftigt. Als er elf Jahre alt war, erstach sein echter Vater seine Mutter. „Ich war da in der Wohnung“, spricht er offen über die Tragödie aus seiner Kindheit.

Opferschutzkommissar Carlos Benede Aquayo kümmerte sich um den Buben, adoptierte ihn schließlich mit 14 (da nahm er seinen neuen Namen an) und bewahrte ihn so vor dem Heim. „Ich denke immer noch jeden Tag dran“, gibt Benede beim Treffen mit dem KREISBOTEN zu. „Die Sache ist immer noch nicht ganz verarbeitet, aber ich bin auf einem guten Weg.“ Allerdings: „Ich werde gerade jetzt wieder oft an die Geschichte erinnert, wenn mein Sohn wissen will, wie die Oma gestorben ist oder wo sie begraben ist.“

Schnell und abschließend zu­rück zum Fußball. Eine Profi-­Karriere blieb dem Landsberger Kapitän verwehrt. Obwohl er nach einem Probetraining ein Angebot von Brescia Calcio (italienische Serie A) und – zu seiner Bayern-Amateure-Zeit – von Hannover 96 hatte. Doch erst ging der Schulabschluss vor, später zerschlugen sich die Hoffnungen auf ein Engagement bei den Bayern-Profis. Vielleicht ganz gut für Landsberg. Denn wenn das geklappt hätte, wäre Benede wohl nie beim TSV gelandet…

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