Kuriose Landesliga-Partie

Neun Tore, vier Elfer, vier Rote, sechs Gelbe

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Spielszene mit Purzelbäumen auf beiden Seiten. Rechts im Bild Schiedsrichter Kempf vom FC Bayern München, der eine Hauptrolle im Landesligaspiel übernommen hatte.

Landsberg – Samstagnachmittag, 23. März, 15:47 Uhr: Ein kurioses und denkwürdiges Fußballspiel der Landesliga Südwest ist vor 200 Zuschauern gerade abgepfiffen worden. Der TSV Landsberg gewann sein Auswärtsspiel hochverdient beim bis dahin Tabellenfünften FC Memmingen II mit 6:3. Aber nicht das Ergebnis alleine lässt aufhorchen, vielmehr sind es die statistischen Umstände.

Auf insgesamt vier Strafstöße entschied Schiedsrichter Silas Kempf, drei wurden verwandelt, einer an die Querlatte des Landsberger Tors gehämmert. Damit nicht genug: Beide Teams beendeten das Spiel mit nur acht Feldspielern. Der Schiedsrichter zeigte einmal Gelb-Rot gegen TSV-Verteidiger Philipp Siegwart in der 69. Minute, jeweils glatt Rot für den TSV-Spieler Sebastian Bonfert und Memmingens Marco Nickel in der 72. Minute und wiederum glatt Rot in der 75. Minute für den Memminger Abwehrspieler Edgar Weiler nach einer Notbremse. Zwischendurch verteilte Kempf noch jeweils drei Gelbe Karten an beide Teams, die erste Gelbe für Siegwarts Gelb-Rot-Platzverweis nicht mitgezählt.

Ohne die Hauptrolle des Unparteiischen schmälern zu wollen gab es abschnittsweise auch ordentlichen Fußball zu sehen. Beide Teams sind bekannt für gutes und schnelles Kombinationsspiel, wobei die Landsberger in der laufenden Saison druckvoller und erfolgreicher unterwegs sind als das U23-Team des Regionalligisten. Hinzu kommt, dass einige Spieler des TSV, darunter Spielertrainer Muriz Sale­movic und TSV-Kapitän David Anzenhofer, bereits für den FC Memmingen gespielt haben, wodurch auch emotionale Spannungen denkbar waren.

Schon nach drei Minuten gab es den ersten Aufreger, denn Schiri Kempf verhängte einen Strafstoß für Landsberg, den Spielführer David Anzenhofer zur 0:1-Führung vollstreckte. Und so ging es nahtlos weiter. In der achten Spielminute flankte Salemovic von halbrechts in den Strafraum, und dort köpfte der „lange“ Kevin Gutia aus bedrängter Position den Ball unerreichbar für Memmingens Torhüter Alexander Schulze zum 0:2 ins lange linke Toreck.

Der TSV spielte ein hohes Pressing, und das frühe Angreifen sowie die hohe Laufbereitschaft trugen in der elften Minute weitere Früchte. Torhüter Schulze und dessen Abwehr konnten einen Ball aufgrund des Nachsetzens der TSV-Stürmer nicht klären, und bei diesem Treiben unterlief Abwehrspieler Edgar Weiler ein Eigentor – 0:3.

Doch wer in der Folge ein Zurückschalten der Lechstädter erwartete, wurde eines besseren belehrt. Der FC Memmingen versuchte dem frühen Stören der Landsberger zu entgehen und mit langen Bällen aus der Abwehr heraus das Mittelfeld zu überbrücken. Doch die TSV-Abwehr um Anzenhofer stand gut. Insbesondere Sebastian Bonfert zeichnete sich durch eine sehr gute Abwehrleistung und gelungenes Aufbauspiel aus

Das junge Memminger Team suchte immer wieder nach einer Chance oder Möglichkeit, einen Anschlusstreffer zu erzielen. In der 20. Minute konnte Gutia eine Aktion von Memmingens Andreas Kotter nur durch ein Foul unterbinden. Den fälligen Freistoß schossen die Memminger aus knapp 18 Meter durch die TSV-Mauer gegen den Pfosten, TSV-Torwart Patrick Rösch hatte keine Chance. Doch auch davon ließen sich die Landsberger nicht beirren. In dem weiterhin hektisch verlaufenden Spiel erhielt der TSV in der 32. Minute auf der rechten Seite nach einem Foul einen Freistoß, etwa 25 Meter vor dem Memminger Tor. Den Freistoß flankte Salemovic genau wie beim zweiten Tor Richtung Elfmeterpunkt, nur dieses Mal köpfte Philipp Siegwart den Ball gekonnt ins lange Toreck zur 0:4-Führung. Nur eine Minute später der nächste Schock für Memmingens U23. Nach Gutias Kurzpass im Strafraum vollstreckt Manuel Dettmar durch einen satten Volleyschuss zur 0:5-Führung.

Während die Landsberger Zuschauer fasst ungläubig über den Spielstand waren, feuerten die heimischen Fans ihr Team trotz des 0:5-Rückstands an. Und den U23-Spieler gelang es in der Folge, ihre Nervosität etwas zurückfahren und das Spiel offener zu gestalten. In der 40. Minute entschied Schiri Kempf dann auf Strafstoß für Memmingen nach einem Handspiel von Anzenhofer, der dafür auch Gelb sah. Den Elfer verwandelte Nickel sicher und verkürzte damit auf 1:5. Wenige Minuten später, als sich die Landsberger schon in der Halbzeitpause wähnten, entschied Kempf nach einem Foul im TSV-Strafraum erneut für Memmingen auf Strafstoß Nummer 3. Wiederum trat Nickel an, aber dieses Mal „donnerte“ er den Ball zentral an die Querlatte des TSV-Gehäuses.

Strafstoß Nr. 4

Mit Anpfiff der zweiten Halbzeit begann das eigentliche Drama des Spiels. Zunächst einmal setzten beide Teams das hektische Spielgeschehen mit inten­siv geführten Zweikämpfen sowie vielen Fouls und Unterbrechungen fort. In der 58. Minute kam es dann zum vierten Strafstoß; Memmingens Jakob Gräser verwandelte sicher zum 2:5. Eine Minute später musste TSV-Kapitän Anzenhofer verletzt ausgewechselt werden, für ihn kam Rainer Storhas ins Spiel.

In der 62. Minute verwarnte Kempf den Landsberger Torhüter Rösch wegen Meckerns mit Gelb. Eine Minute später erhielt der Memminger Sören Paul eine Gelbe Karte wegen Foulspiels. Und nur drei Minuten danach erwischte es Philipp Siegwart zum ersten Mal: Foulspiel. Gelb.

Fast wäre das eigentliche Spielgeschehen in den Hintergrund getreten, hätte nicht erneut Manuel Detmar zum 2:6 getroffen. Vorausgegangenen war ein Angriff der Landsberger über die rechte Seite mit Sale­movic, der Gutia im 16er anspielte. Gutia legte wiederum auf Detmar ab, der den Ball etwa am Elfmeterpunkt mit dem Rücken zum Tor annahm und aus der Drehung heraus sauber zum 2:6 verwandelte.

Danach bestimmte Schiedsrichter Kempf das weitere Geschehen. Denn in der 69. Minute vollführte Memmingens David Remiger einen Purzelbaum im Laufduell gegen Siegwart, der dafür aber seine zweite Gelbe kassierte und somit durch Gelb-Rot des Feldes verwiesen wurde. In der 71. Minute kam es in Höhe der Mittellinie zu einem Zusammenstoß zwischen dem Landsberger Bonfert und Memmingens Nickel. Für Kempf war das auf beiden Seiten zu heftig, und so zückte er gegen beide Spieler Rot. Danach wechselte Landsberg zweimal: Sebastian Gilg kam für Jonas Meichelböck und Daniel Holzmann für Manuel Detmar.

In der 75. Minute spielten die Landsberger einen schnellen Konter steil über Salemovic, der frei auf das Memminger Tor zulief und dabei vom Abwehrspieler Edgar Weiler kurz vor dem Strafraum von den Beinen geholt wurde. Auch diese Aktion bewertete Schiri Kempf mit glatt Rot und stellte damit das Gleichgewicht auf dem Spielfeld wieder her. Mit acht gegen acht Spieler auf dem Feld entwickelten die Memminger in den Schlussminuten noch einmal einen kräftigen Zug Richtung Landsberger Tor. In der 91. Minute verkürzte Moser im Nachschuss auf den 3:6-Endstand.

Luft nach oben

Nach dem Schlusspfiff war TSV-Co-Trainer Herrmann Rietzler zunächst froh über den verdienten Sieg seiner Mannschaft. Er sprach von einer „ordentlichen spielerischen Leistung“ seiner Mannschaft, „mit Luft nach oben“. Zwar ging das Spiel ohne nennenswerte Verletzungen zu Ende, aber über die Platzverweise wollte Rietzler sich ebenso wenig äußern wie über die Leistung des Schiedsrichters.

Sebastian Bonfert wird dem TSV Landsberg allerdings im Spitzenspiel am kommenden Samstag ab 14 Uhr im heimischen 3C-Sportpark gegen Türk­spor Augsburg fehlen

Wolfgang Klinker

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